TruppenbesuchDe Maizière fliegt ohne Militärschutz nach Afghanistan

Anzug statt Splitterweste, Airbus statt Transall: Als erstes deutsches Regierungsmitglied ist Verteidigungsminister de Maizière in Zivil an den Hindukusch geflogen. von afp, dpa, reuters und dapd

Verteidigungsminister de Maizière Mitte Oktober auf einer Konferenz der Bundeswehr in Berlin

Verteidigungsminister de Maizière Mitte Oktober auf einer Konferenz der Bundeswehr in Berlin  |  © Thomas Peter/Reuters

Für Thomas de Maizière ist es der neunte Besuch in Afghanistan . Doch dieses Mal gab es eine Premiere auf der Reise des Verteidigungsministers: Erstmals landete eine deutsche Regierungsmaschine direkt auf dem internationalen Flughafen von Masar-i-Scharif – ohne die übliche Zwischenlandung im usbekischen Termes und den Weiterflug in einem Transall-Militärflugzeug mit Raketenabwehrsystem.

"Das wird nicht immer so sein, ich habe das für heute mal so entschieden", sagte der CDU-Politiker nach der Landung am frühen Montagmorgen. "Das ist auch ein Zeichen für die bessere Sicherheit hier im Norden ." Für den Weiterflug von Masar-i-Scharif Richtung Süden nach Kabul stieg der Minister allerdings doch wieder in eine Transall-Transportmaschine um, in der Splitterschutzweste und Stahlhelm bereit lagen.

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Afghanischer Norden sicherer als der Süden

In der afghanischen Hauptstadt führte de Maizière Gespräche mit Regierungsvertretern, um sich ein Bild davon zu machen, "wie die Afghanen allmählich zunehmend die Dinge in die eigenen Hände nehmen". Dabei sieht der Verteidigungsminister die Ausbildung der Sicherheitskräfte in Afghanistan auf gutem Weg. "Die Zahl ist nahezu erreicht, die Qualität ist sehr gut geworden." Die afghanischen Soldaten und Polizisten sollen nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen bis Ende 2014 allein für die Sicherheit im Land sorgen.

Die Sicherheitslage im Norden Afghanistans gilt im Vergleich zum Süden und Osten des Landes als relativ gut. Nur drei Prozent der Angriffe und Anschläge der Taliban auf afghanische und ausländische Sicherheitskräfte werden im Gebiet der Bundeswehr verübt. Seit fast eineinhalb Jahren sind keine deutschen Soldaten mehr getötet worden. Dennoch kommt es auch im Norden immer wieder zu schweren Zwischenfällen. So riss im vergangenen Monat ein Selbstmordattentäter in einer Moschee in der Stadt Meimane mehr als 40 Menschen mit in den Tod.

"Auch nach 2014 noch Taliban"

Nach Auffassung des Sprechers der internationalen Schutztruppe Isaf, Bundeswehr-General Günter Katz, verzerren solche schweren Anschläge aber die allgemeine Wahrnehmung der Sicherheitslage. "Medienwirksame Anschläge schaffen ein verfälschtes Bild im Ausland", sagte er. Die Zahl der Anschläge und Angriffe der Taliban habe in den vergangenen drei Monaten um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgenommen.

Die Aufständischen hält Katz für "extrem geschwächt". "Die Taliban müssen inzwischen in Gegenden kämpfen, die früher ihre Rückzugsgebiete waren", sagte er. Die Gefechte gegen die Aufständischen würden nach dem Abzug der Nato-Kampftruppen andauern. "Es wird auch nach 2014 noch Taliban geben. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden noch kämpfen müssen."

Die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan wurde bereits leicht verringert – von einst bis zu 5.350 auf derzeit 4.760 Soldaten. Noch im November wollen de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle einen Vorschlag für die weitere Truppenreduzierung machen. Spätestens im Januar entscheidet dann der Bundestag über ein neues Mandat für den Einsatz.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, kg
    • Schlagworte Airbus | Guido Westerwelle | Afghanistan | Anschlag | Ausbildung | Außenminister
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