Für den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist Engagement gegen den Rechtsextremismus Staatsräson. "Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu bekämpfen ist so etwas wie eine Staatsräson", sagte er der ZEIT. "Das hat jede Bundesregierung ernst genommen, und das wird so bleiben." Das bedeute aber auch, "dass man zivilgesellschaftliches Engagement in diesem Bereich fördern muss, denn der Staat allein kann das nicht leisten."

Der 68-jährige Politiker warnte zugleich davor, den Rechtsextremismus als rein ostdeutsches Problem zu sehen. "Ich glaube, dass wir bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus nicht in Ost-West-Kategorien denken sollten", sagte er. "Es ist ein gesamtdeutsches Problem, für dessen Bekämpfung wir alle Verantwortung tragen, egal ob wir im Osten oder Westen leben, auch egal, in welcher demokratischen Partei wir aktiv sind."

Schröder kritisierte in dem Interview auch die deutschen Sicherheitsbehörden. Wie gefährlich neonazistische Tendenzen sind, sei ihm schon vor Enttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU bewusst gewesen. "Die Aufdeckung dieser Terrorbande hat aber meine Sicht auf die Arbeitsweise unserer Sicherheitsbehörden verändert, weil es für mich unvorstellbar war, dass eine Gewaltwelle dieses Ausmaßes unerkannt bleiben kann", sagte Schröder.

Gerhard Schröder ist Schirmherr des Bündnisses "Gesicht zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland", das sich dem Kampf gegen Neonazis verschrieben hat. In seine Amtszeit als Bundeskanzler (1998 bis 2005) fiel ein Großteil der Morde des NSU-Trios.