KorruptionsverfahrenGlaeseker wirft Wulff Falschaussage vor

Christian Wulff hat im Korruptionsverfahren nach Aussage seines früheren Sprechers die Unwahrheit gesagt. Wulff hätte von dessen Reisen zu Party-Manager Schmidt gewusst. von afp und dapd

Olaf Glaeseker (Archiv)

Olaf Glaeseker (Archiv)  |  © Wolfgang Kumm/dpa

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff wird vor der Staatsanwaltschaft Hannover von seinem langjährigen Sprecher Olaf Glaeseker belastet. In einer mehr als 50 Seiten starken Stellungnahme, behauptet Glaeseker laut Spiegel und Bild am Sonntag , Wulff habe bei der Behörde falsch ausgesagt.  Wulff hatte als Zeuge ausgesagt, nur vage von Glaesekers Reisen zu dem Party-Manager Manfred Schmidt gewusst zu haben. Während Glaesekers Urlauben habe keinerlei Kontakt bestanden.

Laut Glaeseker können jedoch mehrere Menschen bezeugen, dass Wulff zu Glaeseker während dessen Urlauben telefonisch Kontakt hielt und auch über Glaesekers Aufenthalte bei Schmidt in Frankreich und Spanien informiert war. Glaeseker verweise unter anderem auf das Reisetagebuch seiner Frau, in dem mehrere Einträge auf Telefonate, Faxe und SMS-Nachrichten zwischen Glaeseker und Wulff hindeuteten.

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Ermittler des Landeskriminalamtes werfen Glaeseker vor, als Regierungssprecher in Niedersachsen für drei Veranstaltungen des sogenannten Nord-Süd-Dialogs Sponsoren akquiriert zu haben, mit denen Schmidt mindestens 871.644 Euro verdient haben soll. Im Gegenzug hierfür soll Glaeseker 18 Freiflüge und 17 Urlaube von dem Party-Veranstalter bezahlt bekommen haben. In einem Ermittlungsbericht des Landeskriminalamtes heißt es, Schmidt habe Glaeseker mit Gratisreisen "angefüttert".

Glaeseker will Sabine Christiansen als Zeugin

Insgesamt 18 Freiflüge in einem Gesamtwert von 8.860 Euro sollen Glaeseker und seine Ehefrau Vera auf Kosten des Eventmanagers genutzt haben, berichtete der Spiegel . Bei 17 Urlaubstrips zu Schmidts Ferienresidenzen in Spanien und Südfrankreich solle das Ehepaar mindestens 26.572 Euro an Übernachtungskosten gespart haben.

Glaeseker bestreitet die Vorwürfe in seiner Stellungnahme vehement, wie es in den Berichten heißt. Er habe Schmidt nicht geholfen, weil er eine Gegenleistung erwartet habe, sondern weil er ein guter Freund sei. Die freundschaftliche Verbindung zu Schmidt könne durch zahlreiche Zeugenaussagen belegt werden wie etwa von der Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen , um deren Vernehmung Glaeseker bitte. Gegen Wulff und Glaeseker wird in getrennten Verfahren wegen des Verdachts der Vorteilnahme ermittelt.

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Leserkommentare
  1. Sind wir eine Bananenrepublik! Seit Monaten werden vertrauliche Dokumente an die Medien weitergegeben.

    "Wir sind sehr irritiert über die Weitergabe vertraulicher Informationen und haben bereits die Prüfung wegen des Anfangsverdachts eines Geheimnisverrats begonnen", zitiert die Zeitung Hans-Jürgen Lendeckel, den Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover.

    Herr Lendeckel scheint seinen Laden nicht im Griff zu haben oder bewußt rechtswidrig zu handeln, um Wulff zu schaden.

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    überhaupt noch schaden? Der Mann hat sich selbst um Amt und Ehren (wennauch nicht um den S"Sold")( gebracht.

  2. überhaupt noch schaden? Der Mann hat sich selbst um Amt und Ehren (wennauch nicht um den S"Sold")( gebracht.

    • Gauli
    • 17. November 2012 18:03 Uhr

    Wenige Leute wollen wohl den Namen Wulff hören, und ich wäre froh, wenn man von dem Mann und seiner Frau nichts mehr hören würde...Aber wenn ich lese, wie die Regierung und ihre Institutionen nicht nur dem Versager den Ehrensold großzügig bezahlen, sondern auch immer wieder dafür sorgen, dass er "nicht darbt", dann wird mir übel:
    da durfte er nach Südkorea fahren, um den Tag der Deutschen Einheit zu feiern- auf unsere Kosten, natürlich!
    Und nun soll er eine Rede halten vor über 50 Integrationsbeauftragten. Das nutzlose Treffen dieser Politiker dient doch nur ihrem Vergnügen, und der Steuerzahler darf für den Vortrag teuer bezahlen.Und da reden sie von Sparen, Gürtel enger schnallen usw.Aber sparen sollen nur wir Bürger.

    2 Leserempfehlungen
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    Wulffs ehemaliger Adlatus Hagebölling ist Vorsitzender (!) des Hochschulbeirates der TU Braunschweig.

  3. Wulffs ehemaliger Adlatus Hagebölling ist Vorsitzender (!) des Hochschulbeirates der TU Braunschweig.

    Eine Leserempfehlung
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    "Wulffs ehemaliger Adlatus Hagebölling ist Vorsitzender (!) des Hochschulbeirates der TU Braunschweig."

    Das ist derselbe Hagebölling, der ihm schon in seiner Eigenschaft als Chef des Bundespräsidialamtes überschnell und in juristisch nicht angreifbarer* Weise seine Privilegien als Ex-Bundespräsident zuerkannte, ehe eine breite Diskussion darüber entstehen konnte.

    *Wobei das auc niemand gewollt hat in der politischen Klasse. Die halbe Million, die Wulff im Jahr kostet, ist auch nicht wirklich wichtig. Wichtig ist die Frage: Wie konnte so jemand Bundespräsident werden, wer hat daran welchen Anteil, und warum?

  4. die beiden treiben doch juristische Spielchen miteinander. Die Sache wird ausgehen, wie das Hornberger Schießen und den Steuerzahlern viel Geld kosten.

    • wauzi
    • 17. November 2012 19:43 Uhr

    nicht: "wulff hätte", sondern "wulff habe" - aber was will man mittlerweile noch erwarten?

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    • Gauli
    • 19. November 2012 16:30 Uhr

    Ihre Probleme möchte ich haben....Nicht dass mir die Sprache unwichtig ist, aber in einer Gesellschaft, in der eine Spitzenpolitikerin von "Klatsche" und "Candystorm" redet, kann man sich über größere Ausrutscher aufregen als über Konjunktivformen.
    Mit freundlichem Gruß!

  5. das einem Politiker oder Bänker in deutschland ernsthafte Konsequenzen zu befürchten hat - EGAL was ER gemacht hat...

  6. warum wir diesen beiden herren nicht endlich der letzte stuhl vor die tuer gestellt? vorladen, unter eid aussagen lassen und dann rechtsstaatlich aburteilen - wenn noetig. punkt ende aus! die eigentliche schande an der gesamten angelegenheit wullf und co. ist die, dass so ein schmierenstueck ueberhaupt moeglich war. und der groesste skandal (moralisch) ist es, dass herr wulff nicht von sich aus auf a l l e staatlichen bezuege verzichtet und endlich einer geregelten arbeit nachgeht! ist das etwa fuer einen 55 jaehrigen zu viel verlangt? ich kann auch nicht einfach aufhoeren und erwarten, dass ich alimentiert werde, ich muss bis zum rentenalter arbeiten und steuern zahlen, von denen ein 55 jaehriger arbeitsfaehiger fruehrentner aus mir voellig unerfindlichen gruenden bezahlt wird! uebergangsgeld ist ok, aber dann alle weiteren zahlungen nach eintritt ins rentenalter wie bei jedem anderen buerger auch, oder gilt paragraph 3 des grundgesetzes nicht fuer politiker?

    das hat nichts mit neid, sondern mit gerechtigkeit zu tun.

    die zeit redaktion bitte ich am ball zu bleiben -- die aufklaerung der vorwuerfe gegen einen ex bundespraesidenten, ex ministerpraesidenten und ex landesparteivorsitzenden und vizechef eine sogenannten christlichen partei ist eine sache der politischen hygiene!

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    Sie sollten mal das Grundgesetz lesen.
    Darin sind die Rechte und Pflichten eines Bundespräsidenten geregelt.
    Die Medien haben Herrn Wulff am Grundgesetz vorbei aus dem Amt gemobbt und nun wollen sie am Grundgesetz vorbei Herrn Wulff seine ihm zustehende Pension streichen.

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