AtommülllagerAltmaier stoppt vorläufig Erkundungsarbeiten in Gorleben

In den Streit um ein Atommüllendlager kommt Bewegung: Umweltminister Altmaier setzt die Erkundung des Salzwerks Gorleben aus und erfüllt damit rot-grüne Forderungen. von dapd

Bei der Suche nach einem Endlager für deutschen Atommüll setzt die Bundesregierung nun auch offiziell nicht mehr allein auf Gorleben . Wie Bundesumweltminister Peter Altmaier ( CDU ) mitteilte, soll der niedersächsische Salzstock nicht mehr unter dieser Prämisse erkundet werden. Der Stopp der – allerdings bereits weitgehend ruhenden – Arbeiten gilt zunächst bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr. Bis dahin will die schwarz-gelbe Bundesregierung ihr Endlagersuchgesetz verabschieden.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die Einigung mit den Bundesländern, allen voran mit den von SPD und Grünen regierten. Diese hatten stets gefordert, nicht ausschließlich Gorleben als Endlager zu erkunden. Zugleich hatten verschiedene Bundesländer im vergangenen November signalisiert, dass auch auf ihrem Territorium gesucht werden dürfe.

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Und so zeigte sich Altmaier zuversichtlich, dass es nun "bald" eine Einigung geben werde. Als Fixpunkt nannte er die Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar. "Ich sehe keine unüberwindlichen Hindernisse auf diesem Weg", sagte der CDU-Politiker. Nach Gesprächen mit der Opposition habe er den Eindruck gewonnen, dass ein Konsens über die Parteigrenzen hinweg noch möglich sei.

Grüne: "Richtig und überfällig"

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen, nannte den Stopp der Erkundungsarbeiten einen "richtigen und überfälligen Schritt", verlangte aber "weitere Schritte". Erst wenn sich die schwarz-gelbe Bundesregierung hier bewegen würde , "hat der Neustart eine Chance, auf Akzeptanz zu stoßen".

Zweifel an Gorleben kommen auch von Altmaiers Parteikollege David McAllister , der zugleich Ministerpräsident in Niedersachsen ist. Sein Land, so der CDU-Politiker, setze sich dafür ein, dass für die Endlagerung hochradioaktiven Mülls die Rückholbarkeit gewährleistet sei. Und "wenn dieses Kriterium greift, hat sich Salz als Endlagermedium und damit der Standort Gorleben ohnehin erledigt", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Donnerstag und verwies damit auf die Erfahrungen mit dem Salzstock in Asse .

Bisher wird Gorleben als Zwischenlager für abgebrannte Atombrennstäbe und Atommaterial aus der Wiederaufarbeitung genutzt. In der Vergangenheit galt das Bergwerk im Wendland deshalb auch meist als erste Wahl, wenn es um die Suche nach einer geeigneten Endlagerstätte geht.

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Leserkommentare
    • Erdling
    • 30. November 2012 12:30 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf Äußerungen, die als unsachlich und provozierend aufgefasst werden müssen. Die Redaktion/mak

    • Erdling
    • 30. November 2012 12:32 Uhr
    2. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  1. Das erste mal, dass ich mit David McAllister in etwas übereinstimme:
    Bei der Endlagerung hochradioaktiven Mülls muss die Rückholbarkeit gewährleistet sein (leassons learned from Asse).

    2 Leserempfehlungen
    • Sven88
    • 30. November 2012 12:59 Uhr

    Zwischenlager. Dabei sollte es auch bleiben. In Containern auf der Erdoberfläche hat man den Müll einfach besser im Blick...

    Eine Leserempfehlung
  2. Bis nächstes Jahr will die Bundesregierung also "ein Endlagersuchgesetz verabschieden". Bis das dann umgesetzt und tatsächlich mit der Suche überhaupt mal angefangen wird, vergehen weitere Jahre - dann viele Jahre, in denen gesucht wird, dann noch mehr Jahre, in denen über das Ergebnis der Suche gestritten wird - mit offenem Ausgang.

    Vielleicht sollte man sich mal ein paar Gedanken darum machen, dass man so auf Jahrzehnte hinaus die Abklingbecken in den KKWs de facto zum vorläufigen Endlager macht - und ob wenigstens dafür nicht doch Gorleben geeigneter wäre.

    Eine Regierung wird zum Regieren gewählt, nicht zum sich möglichst billig durchschummeln.

  3. ... is denn scho' Wahlkampf?

    Eine Leserempfehlung
    • OlbersD
    • 30. November 2012 15:08 Uhr

    Geeignet Standorte gibt es reichlich, auch im deutschen Jura in Baden-Württemberg und Bayern. Auch bereits in der Schweiz wäre genug Platz für den deutschen und den schweizer Atommüll.

    Der Ton im deutschschweizer Jura ist wissenschaftlich von internationalen Forscherteams, auch von Deutschen, an deutschen Universitäten und mit deutschen Steuergeldern auf seine Eignung zur Endlagerung untersucht.

    Salz ist wie die gefährlichsten Stoffe im radioaktiven Müll, Cäsium und Strontium gut wasserlöslich. Salz ist daher alles andere als ideal. Die Eignung des Tons, auch im deutschen Jura, ist unbestritten.

    • OlbersD
    • 30. November 2012 15:29 Uhr

    Aus der Asse jedoch nicht, weil die Hälfte der Radioaktivität ohnehin schon aus den Fässern ausgetreten ist und das Cäsium-137 aus den durchgerosteten Fässern sich schon im Salz ausgebreitet hat. Die Einlagerungskammern wurden offenbar auch bereits verschoben und sind teilweise zusammengedrückt worden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, kg
  • Schlagworte Peter Altmaier | Bundesregierung | CDU | Grüne | SPD | Ass
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