GrüneGut so, Frau Roth!

Claudia Roth will Grünen-Chefin bleiben – zu Recht. Ihr Fall zeigt, dass wir in Sachen direkter Demokratie noch einiges lernen müssen, kommentiert Lisa Caspari. von 

Claudia Roth macht also weiter. Trotz der Niederlage bei der Urwahl. Am kommenden Wochenende, so hat sie am heutigen Montag erklärt, will sie erneut als Parteivorsitzende der Grünen antreten . Ihre Entscheidung ist richtig und sie verdient Respekt.

Roth, so hat sie es erzählt, haben Selbstzweifel und eine "große Zerrissenheit" geplagt, seitdem sie am Samstag erfuhr, dass nur etwas mehr als 26 Prozent der Grünen-Mitglieder sie als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl wollten . Zwar hat die Grüne immer wieder argumentiert, der Ausgang des Mitgliederentscheids habe nichts mit dem Amt der Parteivorsitzenden zu tun. Aber welchen Politiker würde es schon kalt lassen, derart abgewatscht zu werden.

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Es ist aus zweierlei Gründen richtig, dass Roth Parteichefin bleiben will. Die Partei braucht im Wahlkampfjahr eine Vorsitzende wie sie. Roth, die Parteilinke, hat eine enorm wichtige Integrationsfunktion, sie hält den Laden zusammen, auch bei schwierigen inhaltlichen Entscheidungen. Sie kann emotionale Reden halten, sie kann die Parteifunktionäre motivieren. Oft heißt es, Roth sei so etwas wie die fürsorgliche Mutter der Grünen. Das alles erklärt, wieso sich für die 57-Jährige am Wochenende zum Beispiel auf Twitter eine parteiinterne Solidaritätsbewegung auftat. Gar einen eigenen #candystorm erfand der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck , für sie. Die Partei braucht sie einfach und sie liebt sie auch, auf ihre Weise eben.

Klar, Roth polarisiert. Sie ist emotional, sie ist manchmal schrill. Genau deswegen aber ist sie wichtig für die Partei, der bisweilen vorgeworfen wird, zu einer Langweiler- und Spießer-Partei geworden zu sein.  Roth ist das linke Gewissen der Grünen, und das ist nötig in einer Zeit, in der das sonstige grüne Spitzenpersonal gern in der politischen Mitte verortet wird. Erfrischend an Roth ist außerdem, dass sie ihre Prinzipien bei jedem Anlass verteidigt und wenig von diplomatischem Geplänkel hält. Unvergessen ist, wie sie 2010 auf der Münchner Sicherheitskonferenz den iranischen Außenminister wegen der Menschenrechtsverletzungen in seinem Land anherrschte . Kaum jemand fand damals so klare Worte wie sie. Die Grünen können froh sein, eine solche Politikerin in ihren Reihen zu haben.

Direkte Demokratie produziert eben auch Verlierer

Der zweite Grund dafür, dass Roth heute die richtige Entscheidung getroffen hat, ist ein demokratietheoretischer. Viel ist in den vergangenen Monaten über direkte Demokratie gesagt und geschrieben worden. Mehr Beteiligung, weniger Hinterzimmer, das war der Konsens dieser Debatten. Roth war die erste bei den Grünen, die sich vehement für einen Mitgliederentscheid über die beiden Spitzenkandidaten einsetzte. Dass gerade sie das Risiko dieses Unterfangens mit einer "herben Klatsche" bezahlte , mag bitter sein. Aber es zeigt, was in der Beteiligungsdebatte bisweilen untergeht: Direkte Demokratie produziert eben auch Verlierer. Nicht nur die Bürger, auch die Medien und die Politiker selbst müssen lernen, damit umzugehen.

Wer mehr Demokratie verlangt, der muss auch darüber nachdenken, wie künftig mit Verlierern umgegangen wird. Ihnen flugs die Führungs- und sonstige Kompetenzen abzusprechen, ist reichlich reflexhaft.

Die Urwahl der Grünen ist ein gutes Beispiel dafür. Die Parteimitglieder haben eben nicht über die Führungsqualität von Claudia Roth abgestimmt, sondern eine sehr nüchterne ( und dazu logische ) Entscheidung über das grüne Wahlkampf-Spitzenpersonal getroffen.

Die SPD stellt einen Kanzlerkandidaten, der nicht basisdemokratisch gewählt, sondern im Hinterzimmer gekürt wurde. Auch dieser Spitzenkandidat ist nicht der Parteivorsitzende. Niemand aber kam nach Peer Steinbrücks Kür auf die Idee, deshalb gleich Sigmar Gabriels Fähigkeiten als Parteichef infrage zu stellen. Noch gilt  Hinterzimmer-Politik offenbar als souveräner in Deutschland. Claudia Roths Beispiel zeigt, dass sich das ändern muss – und kann.

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Leserkommentare
  1. 121. [...]

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

  2. weitermachen will, spricht für ihre Standfestigkeit. Und warum auch nicht, wenn man sieht, wie man sie bekniet hat, weiter zu machen.

    Andererseits hat ihre Autorität gelitten, auf eine Art ist sie nur noch Parteichefin von Trittins Gnaden...

    • mkill
    • 14. November 2012 3:46 Uhr

    Als Parteifuehrung sollte man sich nicht von der Basis zu sehr reinreden lassen. Von China lernen heisst siegen lernen! Die gute alte Mao-Bibel steht doch sicher noch bei einigen Gruenen im Schrank, zumindest in der zweiten Reihe ...

  3. Claudia ist eine patente Frau, die wirklich liebenswert rüberbringt, was sie politisch für richtig hält.

    Auch als Parteivorsitzende ohne Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2013 ist sie alles andere als eine lahme Ente !

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    Bundes-Empörungs-Beauftragte.

  4. Ich habe auch immer ein schlechtes Gefühl dabei, wenn sich der 'Witz' von Kabarettisten darauf beschränkt, ihnen unangenehme Politiker zu beleidigen. Selbst wenn Herrn Brüderle vorgeworfen wird, er sei ein Alkoholiker (und der Mann ist mir politisch nun wirklich unangenehm), fühle ich mich peinlich berührt. In solchen Situationen hat's beim Kabarettisten dann mal wieder nicht für eine echte Pointe gereicht.
    In seltenen Fällen finde ich Entrüstung pur durchaus akzeptabel (aus irgendeinem Grund wirkt die bei Georg Schramm meist echt). Gewöhnlich aber scheint es mir nur so, als lege ein Kabarettist kurz mal nen Schalter um und spule sein Routinerepertoire ab (so Urban Priol bei Angela Merkel). Aber: Ich will gar nicht Priol speziell niedermachen. Die meisten Kabarettisten haben auch nicht mehr drauf. - Und ich liebe es, wenn Priol ab und zu sein Gesicht verzerrt und den debilen Wähler nachmacht à la "Wir können ja eh nichts ändern".

    Antwort auf "Wette zu Urban Priol"
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    • Eintrag
    • 14. November 2012 12:35 Uhr

    Priol hat nicht nachgetreten.
    Viel schlimmer fand ich ,daß sie bei Maischberger nicht dabei war,obwohl angekündigt.
    Wenn sie für den Wahlkampf so wichtig ist,hätte sie gestern
    mit Joffe und Henkel fighten müssen.

  5. Bundes-Empörungs-Beauftragte.

  6. "Es geht in erster Linie nicht um mich und es geht in erster Linie nicht um meine Enttäuschung", sagte Roth. Es gehe "um etwas Wichtigeres: es geht um die Ablösung von Schwarz-Gelb, es geht um ein starkes grünes Ergebnis bei dieser wichtigen Bundestagswahl"

    Die Heuchelei dieser Frau ist unerträglich. Denn es ist doch so: In ihrer ganzen Karriere ging es ihr nie in erster Linie um die Sachen sondern um sich selbst.

    Die Delegierten werden ihr am Wochenende hoffentlich den fälligen Denkzettel verpassen.

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    etwas "Wichtigeres": ihr Ein- und Auskommen.

  7. etwas "Wichtigeres": ihr Ein- und Auskommen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Claudia Roth | Grüne | SPD | Bundestagswahl | Direkte Demokratie | Geschäftsführer
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