UrwahlTrittin und Göring-Eckardt führen Grüne in den Wahlkampf

Die Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl stehen fest: Per Urwahl bestimmten die Parteimitglieder Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt zum Wahlkampfduo. von afp, dpa, reuters und dapd

Die Urwahl der Grünen ist entschieden: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt sollen die Partei in den Bundestagswahlkampf 2013 führen. Dies teilte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke mit und kündigte zugleich einen "knallgrünen Wahlkampf" an. Das frisch gewählte Spitzenduo will noch an diesem Mittag eine Pressekonferenz geben.

Trittin erreichte 71,9 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen, Göring-Eckardt 47,3 Prozent. "Die Basis hat sich für die Balance zwischen den Parteiflügeln sowie die Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung entschieden", sagte Lemke. Göring-Eckardt gehört dem realpolitischen Flügel der Grünen an, Trittin zum linken Flügel.

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Damit setzten sich der Fraktionsvorsitzende und die Bundestagsvizepräsidentin unter anderen gegen die Co-Fraktionschefin Renate Künast und Parteichefin Claudia Roth durch. Auf Künast entfielen 38,6 Prozent, auf Roth 26,2 Prozent.

Profilierter Parteilinker und pragmatische Kirchenfrau

Trittin galt in der Wahl quasi als Kandidat gesetzt. Er ist das derzeit profilierteste Gesicht der Grünen . Der Parteilinke und frühere Kommunist ist inzwischen auch bei den Pragmatikern in der Partei wohlgelitten. Der 58 Jahre alte ehemalige Umweltminister hat in den vergangenen Jahren in der Finanzpolitik ein Steckenpferd gefunden. Seit 2009 führt er gemeinsam mit Künast die Bundestagsfraktion der Grünen; beide bildeten auch das Spitzenduo der Bundestagswahl im selben Jahr. 

Die Thüringerin Göring-Eckardt gehört dem pragmatischen Flügel der Grünen an, sie ist Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Die 46-Jährige ist außerdem fest in der evangelischen Kirche verankert, derzeit als Vorsitzende der Synode der EKD. Funktionäre des Realo-Flügels hatten sie im Sommer zu einer Kandidatur gedrängt, auch weil sie die frühere Realo-Frontfrau Künast nicht mehr unterstützen wollten. Doch Göring-Eckardt hatte lange mit ihrer Kandidatur beim Mitgliederentscheid gezögert und sich statt einer Zweierspitze für eine Teamlösung eingesetzt. Im Urwahlkampf hatte Göring-Eckardt mit Sozialpolitik zu punkten versucht.

Um die Doppelspitze für den grünen Bundestagswahlkampf hatten sich insgesamt 15 Kandidaten beworben , darunter elf bis dato unbekannte Parteimitglieder aus Kreis- und Ortsverbänden. Die Bewerber hatten sich in den vergangenen Wochen in elf Speed-Wahlkampf-Talkrunden den Mitgliedern der grünen Landesverbände vorgestellt.

An der Abstimmung hatten sich 61,64 Prozent der knapp 60.000 Parteimitglieder der Grünen beteiligt . Laut Parteisatzung musste in jedem Fall ein Platz im Spitzenduo an eine Frau gehen.

"Hinterzimmerpolitik hat es immer schwieriger"

Bis Ende Oktober konnten die Mitglieder per Briefwahl abstimmen, jedes Mitglied hatte zwei Stimmen. Seit knapp einer Woche waren rund 50 Helfer der Grünen mit Auszählen beschäftigt. Durch ein ausgeklügeltes Verfahren gelang es Geschäftsführerin Lemke, dass vorab kein Ergebnis nach außen gelangte. So wurden Auszählzettel zunächst getrennt voneinander aufbewahrt und erst spät zusammen ausgezählt.

Der Mitgliederentscheid war notwendig geworden, weil sich die engere Parteispitze im Sommer nicht auf zwei Kandidaten, darunter mindestens eine Frau , hatte einigen können. Die Urwahl war auch für Partei-Insider spannend gewesen. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Grünen-Mitglieder deutlich gewachsen, es war sehr schwierig, die Prioritäten dieser neuen Grünen einzuschätzen.

Es ist das erste Mal, dass eine Partei in Deutschland ihre Spitzenkandidaten per Urwahl bestimmt. Lemke bezeichnete die Abstimmung als vollen Erfolg und legte auch anderen Parteien nahe, auf dieses Verfahren zur Kandidatenauswahl überzugehen. "Hinterzimmerpolitik hat es immer schwerer", sagte sie bei der Bekanntgabe des Ergebnisses. "Grün macht Demokratie lebendig."

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Leserkommentare
  1. Egal wie man zu den Bündnis90/die grünen und den Kandidaten steht, die Mitglieder haben sich durchgesetzt und den Weg gewiesen.

    Vielleicht sollte die FDP einen ähnlichen Weg einschlagen.

  2. Na, na... so tolerant sind selbst die Grünen nicht.

    Antwort auf "[....]"
    • war-hog
    • 10. November 2012 12:01 Uhr

    ...wohl beschlossene Sache sein.
    Mit Jürgen Trittin wurde, wie auch schon in der SPD mit Steinbrück, ein "Agenda 2010"-Politiker zum Spitzenkandidaten gemacht.
    Ob willentlich oder nicht, hat man damit der Wahrscheinlichkeit einer großen Koalition Vorschub geleistet.
    Die Grünen verharren in ihrer starren Position und haben keine wirklichen Themen mehr und die SPD biedert sich ganz offensichtlich der CDU an.
    So wird das nichts liebe Opposition.
    Aber ich gehe davon aus, dass das auch gar nicht gewollt ist.
    Ich hoffe beide Entscheidungen, sowohl in der SPD als auch bei den Grünen werden mit Massenaustritten belohnt.

  3. zerstört als die Grünen." - das scheint Ihr eigener Inhalt zu sein, den Sie aber nicht belegen. - Mir ist dies als Behauptung absolut zu dünn. -

    Antwort auf "Inhalte ---- ???"
  4. Die Medien? In der Bild ist es genau anders herum... Und nu?

  5. Ich denke ein Trittin der bei der Freakgruppe Bilderberger sich wichtig fühlt kann keine gute Politik machen und ich sage auch nicht die Demokratie vertreten. Meine Meinung! Diese Politiker sind reine Kunstfiguren die mittels Geldunterstützung in ihre Ämter gehoben werden, es sind Lobbyisten. Die Grünen existieren nur noch als Marketingprodukt Ökopartei und die Ergebnisse dieser Partei zeigen eindeutig was diese Partei wirklich ist eine Lobbypartei mit grünem Anstrich. Agenda 2010 war eine reine Lobbygesetzgebung die ausschließlich Konzerne also Großaktionäre unterstützt hat und auch der ESM Vertrag für den die Grünen bis auf eine Stimme gestimmt haben zeigen, dass die Grünen eine Lobbypartei sind. Sicherlich gibt es in jeder Partei ein paar authentische Personen aber die spielen keine Rolle und das gilt für alle Parteien oder wie wäre es sonst möglich das zum Beispiel ein Gerhard Schröder in einer SPD die ehemals von geknechteten Arbeitern gegründet wurde eine Lobbygesetzgebung wie die Agenda 2010 gegen alle Arbeiter gemacht hat. Solche Leute wie Schröder dürften in einer SPD gar nicht sein da Schröder nie SPD Politik gemacht hat und Trittin was macht der für eine Politik? Ich denke die Bilderberger könnten das beantworten!! Was wir brauchen damit Demokratie Wahrheit werden kann ist mehr Transparenz bei den Nebenbeschäftigungen aber auch da sieht man hat dich das Lobbyparlament dagegen ausgesprochen! Warum wohl? Grüne Politik? Ökopartei? Siehe Frakking sehr gefährlich!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • bivi
    • 10. November 2012 12:39 Uhr

    Wirklich??

    Daß jemand zum Bilderberger Kreis eingeladen wurde reicht Ihnen diese Person abzuqualifizieren.

    Ach ja, ich weiß, die ganze Welt ist schlecht, es gibt keine Politik, keine Demokratie, alles ist eine Verschwörung, alles nur Fassade.

    Dies Weltbild ist ja so einfach, sich immer wieder im Zikelschluß selbstbestätigend. Da erübrigt es sich die Realität genauer unter die Lupe zu nehmen und selbst zu denken.

    In einem Punkt haben Sie recht: Frakking ist gefährlich.
    Was diese Aussage aber in ihrem Kommentar zu suchen hat erschließt sich mir nicht wirklich.

    Genau,
    die Grünen sind Teil der Bilderberger Verschwörung. Also ein Teil der großen Weltverschwörung der CIA, welche uns 9/11, Roswell und den Klimawandel vorschwindelt - mit dem Ziel von der gefälschten Mondlandung abzulenken.

    Ich für meinen Teil finde die Wahl super!!! Besonders weil Göring-Eckardt der Partei ein ganz neues Gesicht geben kann, für eine konstruktive Zukunft ab 2014, meinetwegen auch mit der CDU.
    Finde auch die Art und Weise der Urwahl, eine sehr gute Sache!
    Go Green !

  6. aber warum immer diese Rangelei um den Begriff "Juniorpartner"? - Warum können politische Parteien in einer Koalition nicht einfach nur gleichberechtigte Partner sein, die sich um das Wohl der Menschen im Lande kümmern - wie sie es in ihrem Eid erklären?

    Antwort auf "Sehr gute Wahl!!!"
    • KHans
    • 10. November 2012 12:24 Uhr

    Da war einmal eine breite Bewegung, die aus der regionalen Politik in Kommunen heraus sich mittels der Umweltprobleme zur anerkannten Partei der ALTERNATIVEN gemausert hatte.

    Und heute?
    - Der Umwelt geht es schlechter, aber ohne die Grünen wäre noch desaströser. Mindestens weiß man, daß und wie Änderung möglich ist. Bis hin ins Verbraucherministerium.

    - Die Grünen haben sich unter Fischer (dem mit Genscher besten Außenminister) zu einer gewöhnlichen Partei entwickelt, die sich anpaßt in das Machtgebaren eines von Lobbyisten geprägten Parteienstaats.

    Jetzt, wo das Finanzindustriegeweih den Kopf niederdrückt, sind Reformen nötig - und zwar im Zusammenspiel von Finanzen, Wirtschaft und Sozialem, also auf dem Feld des Rechts und der Bildung. Denn das Recht hat mit Aushandlungsprozessen und Gemeinwohl zu tun. Dazu ist Teilhabe sicherzustellen und Chancengleichheit auszubalancieren. Ein New Deal - ALTERNATIVEN eben.

    Ob die Grünen wieder vor dem Schröder-Liebhaber Steinbrück und damit vor den Kungel-Mächtigen im Land einknicken, wie dunnemals? Oder ob sie in ALTERNATIVEN denken. Mal sehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Jürgen Trittin | Renate Künast | Grüne | Katrin Göring-Eckardt | Steffi Lemke | Claudia Roth
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