Bundestagswahlkampf"Grün oder Merkel" ist die Parole

Nach der Wahl der Spitzenkandidaten Göring-Eckardt und Trittin schießen die Grünen selbstbewusst gegen die Kanzlerin. Die SPD will baldige Gespräche über Rot-Grün. von afp, dpa und dapd

Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin

Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin  |  ©Maurizio Gambarini/dpa

Die Grünen wollen sich im kommenden Bundestagswahlkampf für eine "bessere Gesellschaft" einsetzen. Dies bedeute mehr Zusammenhalt, mehr Menschlichkeit im Umgang mit Flüchtlingen, mehr Gleichberechtigung für Schwule und Lesben sowie mehr Demokratie, sagte die in einer Urwahl gekürte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt . Ihr ebenfalls von der Basis gewählter Kollege Jürgen Trittin sagte, die Grünen hätten mit der Urwahl Parteigeschichte geschrieben: "Die Grünen sind die Mitmachpartei Deutschlands."

Geschäftsführerin Steffi Lemke bezeichnete das Ergebnis der Urwahl als "weise Balance zwischen Kontinuität und Erneuerung". Trittin sei ein Vorkämpfer des grünen Wirtschaftswunders, Göring-Eckardt eine Anwältin der Ärmsten in der Gesellschaft. Parteichef Cem Özdemir sprach von "zwei starken Spitzenkandidaten, die sehr unterschiedliche Lebensläufe haben und für verschiedene Themen stehen".

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Trittin sagte, dass zur Bundestagswahl klare Alternativen zur Energiepolitik oder der EU-Politik zur schwarz-gelben Koalition vorgelegt würden. Man wolle deutlich machen, dass es um "Grün oder Merkel" gehe, ergänzte Göring-Eckardt.

Frauenquote fürs Kabinett?

Trittin kündigte an, dass die Grünen in einem Regierungsbündnis mit der SPD selbstbewusst auftreten würden: "Wir werden darauf achten, dass sich die politische Breite der Grünen auch in der Ressortverteilung niederschlägt." Göring-Eckardt versprach eine Art Frauenquote in einem rot-grünen Kabinett: "Wir werden auch durchsetzen, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind."

Die dem Realo-Flügel zugerechnete Thüringerin lehnte Forderungen aus der FDP ab, sie solle ihren Posten im Bundestagspräsidium abgeben. FDP-Vize Birgit Homburger hatte gesagt, die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl vertrage sich nicht mit den Anforderungen an das Amt einer Vizepräsidentin des Bundestages; ein Amtsverzicht sei "ein Gebot der notwendigen Überparteilichkeit bei der Sitzungsleitung im Parlament".

Beide Spitzenkandidaten sprachen sich dafür aus, dass die bei der Urwahl Unterlegenen Renate Künast und Claudia Roth bei den Gremienwahlen auf dem bevorstehenden Parteitag Unterstützung erhalten sollten. Grünen-Chef Özdemir betonte die Geschlossenheit der Partei: "Dazu gehören ausdrücklich auch jene, die bei der Urwahl nicht einen der beiden vorderen Plätze errungen haben." Künast teilte mit, dass sie das Spitzenduo voll unterstützen wolle.

"Klasse Redner und Wahlkämpfer"

Die SPD begrüßte das Ergebnis der Urwahl. "Heute ist ein guter Tag für Rot-Grün", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. "Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin sind klasse Redner und gute Wahlkämpfer." SPD-Chef Sigmar Gabriel beglückwünschte die Grünen "ausdrücklich" zu diesem Ergebnis.

Der designierte Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, es komme jetzt darauf an, "gemeinsam zu mobilisieren". Die SPD-Führung werde sich so schnell wie möglich mit der Grünen-Spitze zusammensetzen, um zu sehen, wie die schwarz-gelbe Bundesregierung abgelöst werden könne. Ziel sei es, den Kanzler zu stellen: "Es geht nicht um die halbe Ablösung der Bundesregierung, sondern eine ganze Ablösung durch Rot-Grün."

Umweltminister Peter Altmaier ( CDU ) kritisierte fehlenden Ehrgeiz bei den Grünen: Zu Zeiten der "schwarz-grünen Pizza-Connection" habe ihn "der spürbare Ehrgeiz der Grünen, ihre eigene Programmatik realitätstauglich zu machen", fasziniert, sagte Altmaier dem Tagesspiegel . "Ich habe manchmal den Eindruck, dass dieser Ehrgeiz nachgelassen hat."

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Leserkommentare
    • Kristan
    • 11. November 2012 2:57 Uhr

    Das gesteckte Wahlziel:"Grüne oder Merkel"zeigt doch dass die Kanditaten Zum Regieren gar nicht reif sind.Die Wahlziele müssen Sachthemen sein und nicht Farben oder Personen.

  1. "Natürlich sind zehn Deutsche dümmer als fünf."
    Mit ihrer Urwahl haben es die Grünen hinreichend bewiesen.
    Wenngleich die 43,3 Prozent von 62 Prozent mal gerade schlapp 18000 Stimmen ausmachen, aber immerhin.
    Jedenfalls ist es kein Wunder, dass die SPD mit ihrem neoliberalen Bakschisch-Peer nun die Wahl der Atlantik-Brücken-und-Institut-zur-Zukunft-der-Arbeit-Tante Katrin begrüßt. Es wird egal sein, wer von CDU, SPD, FDP und Grünen miteinander kopuliert, es wird bei Kriegseinsätzen, Rentenkürzungen, sinkenden Reallöhnen, Leiharbeit, föderaler Miß-Bildung, schreddernden Geheimdiensten, Bankenrettungen, zunehmender Armut und Hartz IV bleiben. Ist doch alles noch ausbaufähig.
    Die Deutschen werden sie schon wählen.

  2. Die Grünen sind von allen Parteien die größte Niedertracht für den kleinen Mann (und die kleine Frau) und die eigentliche ignorante Besserverdiener- und Bevormunderparteipartei der Erbengeneration.
    Ein Grund, die FDP zu wählen [...]

    Gekürzt. Bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "Nein danke"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .
    "... Ein Grund, die FDP zu wählen, um diese lästigen Ideologen, die nach dem Staat greifen,weiter in der Opposition herum schlenzen zu lassen. ..."

    Protestwähler neigen ja im Allgemeinen zu irrationaler Stimmabgabe für indiskutable Extremisten an jedem Ende des Parteienspektrums ... aber diese Logik ist trotzdem noch ein lustiger Ausreisser.

  3. 1. Wir sollten das Wahlergebnis 2013 abwarten.

    2. Sie machen es sich zu einfach und sollten sich als Demokrat eher Gedanken über die Wahlbeteiligung machen und warum von den Parteien CDU-CSU/FDP, SPD und GRÜNEN das nicht und nie thematisiert wird.

    Antwort auf "Wennn alle..."
  4. 45. Zitat:

    .
    "... Ein Grund, die FDP zu wählen, um diese lästigen Ideologen, die nach dem Staat greifen,weiter in der Opposition herum schlenzen zu lassen. ..."

    Protestwähler neigen ja im Allgemeinen zu irrationaler Stimmabgabe für indiskutable Extremisten an jedem Ende des Parteienspektrums ... aber diese Logik ist trotzdem noch ein lustiger Ausreisser.

    Antwort auf "Das ist so"
    • Falmine
    • 11. November 2012 8:09 Uhr

    Vielleicht naschten von den KGE-Wählerinnen und -Wählern bei den Grünen vor zehn Jahren noch zu viele aus ihrer kerngesunden Schultüte? Sonst hätten sie wissen können, wer bei den Grünen neoliberale Positionen vertrat und deshalb 2005 in der politischen Versenkung als Bundestags-Vizepräsidentin verschwand.

    Jetzt also ist Göring-Eckardt angeblich als "Anwältin der Ärmsten" auferstanden. Sich neu erfinden für die neue Karriere. Früher war das schlicht ein Wendehals.

    Besonders ihre Religiosität, die Göring-Eckardt wie eine Monstranz vor sich herträgt, ist mir zutiefst suspekt. Wenn Politikerinnen überhaupt meinen, ein öffentliches Bekenntnis ablegen zu müssen, dann das zum Grundgesetz! Das ist auch bei ihr erheblich zu kurz gekommen - nicht zuletzt bei dem umstrittenen Beschneidungsgesetz.

    Die Grünen haben mit ihrem Wahlkampf-Duo ein Angebot gemacht, das potentielle Wählerinnen und Wähler zur Bundestagswahl annehmen oder ablehnen können. Wie bei der SPD wird jetzt auch bei den Grünen am rechten Rand vielleicht höchstens das gewonnen, was am linken Rand an Die Linke und Piratenpartei abgegeben wird.

    • NiklasM
    • 11. November 2012 8:25 Uhr

    Vergessen sie bitte nicht, dass die Agenda 2010 einer der Gründe ist, warum wir heute in der Lage sind, den Griechen Kredite zu geben und nicht andersrum.

    Lieber einen schlecht bezahlten Job als gar keinen mehr mehr...

    Antwort auf "Wennn alle..."
  5. denen Mehrkosten durch Strom und Bio nichts bedeutet, aber ein gutes Gewissen. Dafür konstruierten die Grünen einen Feind für den sie, oh Wunder, auch das Rezept bereit halten. Es werden Ängste vor dem Waldsterben, Atomkraft, Klimawandel permanent geschürt, um sich als Retter aufzuspielen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aha, jetzt wissen wir, wen die Grünen vertreten. Aber wen vetreten dann die Unionsparteien und die FDP? Ihre Meinung dazu würde mich brennend interessieren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dapd, dpa, sc
  • Schlagworte Jürgen Trittin | Grüne | Katrin Göring-Eckardt | Bundesregierung | Renate Künast | SPD
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