Es ist heute ein unstrittiges Ziel aller Bildungspolitiker in Deutschland, dass auch Muslime Religionsunterricht an der Schule erhalten sollen. Nordrhein-Westfalen hat das neue Fach in diesem Schuljahr vor allen anderen Bundesländern eingeführt. Die Islamlehrer brauchen hier zusätzlich zu den staatlichen Prüfungen eine Vollmacht von einem religiösen Beirat des Ministeriums. Der soll laut Gesetz "die Interessen der islamischen Organisationen" vertreten, ganz nach dem Vorbild der großen christlichen Kirchen.

Vier der acht Beiratsmitglieder entsendet der Koordinationsrat der Muslime (KRM), der oberste Dachverband der Muslime in Deutschland, die vier anderen das Ministerium im Einvernehmen mit dem KRM. Die unverzichtbare Lehrerlaubnis kann dieser Beirat "aus religiösen Gründen" verweigern. Wie die Kirchen entscheidet er also über die berufliche Zukunft der Lehramtskandidaten.

Jetzt ist einer der acht Religionswächter, Burhan Kesici, wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue unter Beschuss geraten. Der Politikwissenschaftler ist zugleich Generalsekretär des Islamrates, einem von mehreren Zusammenschlüssen in der vielgestaltigen Verbandswelt der Muslime. Zwar hat die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) an ihm bis heute überhaupt nichts auszusetzen, wie ihre Sprecherin ZEIT ONLINE versichert. Nach Auffassung von Bundesbildungsministerin Annette Schavan aber bietet Kesici keine Gewähr dafür, dass er die verfassungsmäßigen Grundrechte, insbesondere "die Grundprinzipien des freiheitlichen Religions- und Staatskirchenrechts nicht gefährdet".

Überprüft wurde er deshalb, weil der KRM den hochrangigen Multifunktionär auch für den "konfessionellen Beirat Islamische Theologie" an der Universität Münster vorgeschlagen hatte. Als Hauptfinanzier des Münsteraner Islam-Zentums wollte das Bundesbildungsministerium Näheres über alle Beiratskandidaten wissen. Durch die Doppelmitgliedschaft im Uni-Beirat wie im Schul-Beirat hätte Kesici eine Schlüsselstellung bekommen, sowohl für Inhalt und Prüfungen im Lehramtsstudium wie für die Übernahme in den Schuldienst. Das hat Schavan durch ihr Nein zu Kesici im Oktober verhindert.