Ab dem 1. August 2013 haben Eltern einen Anspruch auf Betreuung ihrer Kinder unter drei Jahren – einen Anspruch, den die Städte und Gemeinden in Deutschland nach eigener Einschätzung kaum erfüllen können. "Trotz aller Anstrengungen werden in einem Teil der Städte Lücken bleiben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus. "Gerade in großen Städten werden weitaus mehr Plätze benötigt als auf dem Land, und der Bedarf wächst ständig weiter."

Die Kommunen aber, so wiederum Städtetag-Präsident Christian Ude , träfe dabei keine Schuld. Schließlich hätten sie den Ausbau von Kita-Plätzen schon vorangetrieben, als er in den Länderparlamenten noch für "Teufelszeug" gehalten worden sei. Die Uneinigkeit zwischen Bund und Ländern ist für Ude ein weiterer Hemmschuh. "Da streitet der Bund mit den Ländern zum Teil wie die Kesselflicker" und zwar über monatliche Berichtspflichten und "ähnlichen Unsinn". Im Übrigen, so der Münchner Oberbürgermeister, hätten sich die Bundesländer "nicht gerade mit Ruhm bekleckert bei der Weitergabe der Fördermittel ".

Die Klagewelle scheint programmiert, was die Städte aber nicht allein bewältigen wollen. Sie fordern Beistand vom Gesetzgeber: "Bund und Länder stehen hier mit in der Pflicht, mögliche Klagewellen und Schadenersatzansprüche zu verhindern", sagte Articus.

Die gleiche Forderung erhebt der Städte- und Gemeindebund und will den Betreuungsanspruch für Kinder durch ein Stufenmodell aufweichen. "So könnte der Kita-Ausbau vorangetrieben und gleichzeitig der Gefahr begegnet werden, bei den betroffenen Eltern falsche Erwartungen zu schüren", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Online-Ausgabe des Handelsblatts . Er unterstütze damit eine Forderung der Städte in Baden-Württemberg , die sich dafür einsetzen, dass der Anspruch zunächst nur für zweijährige Kinder gilt und erst im zweiten Schritt auf einjährige Kinder ausgeweitet wird.

Landsberg sprach sich zudem für "flexible Lösungen" aus, zum Beispiel die Vergrößerung von Kindergartengruppen oder auch das vorübergehende Aussetzen gewisser baulicher Standards. "Die Eltern müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht überall den Wunsch-Kita-Platz um die Ecke erhalten können", sagte Landsberg. "Insofern erwarten die Kommunen von Eltern auch eine gewisse Flexibilität." Landsberg regte außerdem an, die Wirtschaft stärker in die Pflicht zu nehmen. Kleinere Unternehmen könnten sich zum Beispiel zusammentun, um gemeinsam Tagesmütter oder Erzieherinnen anzustellen.

Die Befürchtungen der Stadt-Oberen werden dabei mit konkreten Zahlen untermauert: So fehlen nach Angaben des Statistischen Bundesamts noch 220.000 Kita-Plätze, um den Rechtsanspruch im kommenden Jahr auch tatsächlich erfüllen zu können.

Um das Ziel zu erreichen, bis August 2013 für 780.000 der unter Dreijährigen ein Betreuungsangebot zur Verfügung zu stellen, müsse der Zuwachs stärker ausfallen als in den letzten vier Jahren zusammen, sagte Karl Müller vom Statistikamt. Zwischen März dieses Jahres und August 2013 muss die Zahl der Betreuungsplätze um fast 40 Prozent steigen. Ausbaubedarf gebe es vor allem in Westdeutschland, sagte Müller. Hier sei innerhalb eines Jahres ein Zuwachs um 63 Prozent notwendig. Gehe der Ausbau im selben Tempo weiter wie seit 2008, könne die Zielmarke erst 2018 erreicht werden.