Koalitionsgipfel : Opposition ätzt gegen schwarz-gelben "Kuhhandel"
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Krankenkassen wollen Ausgleich für Wegfall der Praxisgebühr

Union und FDP hatten sich in der Nacht zu Montag darauf verständigt, die Praxisgebühr abzuschaffen, das Betreuungsgeld und eine sogenannte Lebensleistungsrente einzuführen. Dabei soll es für Menschen mit geringem Einkommen, bei Erwerbsminderung sowie für Frauen, die Kinder erzogen oder Pflege geleistet haben, einen Steuerzuschuss für die Rente geben. Der Betrag dürfte allerdings nur etwa 10 bis 15 Euro über der Grundsicherung von derzeit durchschnittlich 688 Euro liegen.

Mit diesem Ergebnis sind auch die Arbeitgeber zufrieden, bewerteten die Ergebnisse des Koalitionsgipfels insgesamt aber als enttäuschend. "Wer die Staatsfinanzen wirkungsvoll sanieren und mehr Netto vom Brutto schaffen will, darf keine neuen Wohltaten verteilen", sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mit Blick auf das Aus der Praxisgebühr und die Einführung des Betreuungsgeldes.

"Die Reserven schmelzen wie Schnee in der Sonne"

Die Abschaffung der Praxisgebühr sei ein "schwerer Fehler" und "Rückschritt", da die Gesundheitskosten zulasten aller Beitragszahler verschoben würden. Auch das Betreuungsgeld kritisierte Hundt scharf. Es gefährde "wichtige Ziele der Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Haushaltspolitik", da es für Eltern falsche Anreize setze, sich aus dem Beruf zurückzuziehen.

Die gesetzlichen Krankenkassen wiederum erwarten als Ausgleich für den Wegfall der Praxisgebühr einen finanziellen Ausgleich. "Damit entgehen den Krankenkassen Einnahmen in einer Höhe von rund zwei Milliarden Euro pro Jahr", sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer. Die betroffenen Krankenkassen müssten diese Mindereinnahmen voll aus dem Gesundheitsfonds ausgeglichen bekommen.

Pfeiffer äußerte sich zudem kritisch zu der ebenfalls von der Koalition beschlossenen Kürzung des Bundeszuschusses für die gesetzliche Krankenversicherung. "Die Beschlüsse der Bundesregierung lassen die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung schmelzen wie Schnee in der Sonne", so die GKV-Chefin. Im Ergebnis müssten nun die Beitragszahler der gesetzlichen Krankenversicherung politische Vorhaben wie das Betreuungsgeld oder den Bau zusätzlicher Straßen finanzieren.

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Kommentare

66 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Da bleibt noch viel Zeit und

an Kritikpunkte gegen die Wunsch-Koalition vieler Deutscher, wird es morgen nicht mangeln.
Der Gipfel ist auch, dass die FDP immer gegen das Betreuungsgeld war und dann aber doch zustimmt, weil man ihnen die Idee der Praxisgebührstreichund zugesteht. Die Streichung der Praxisgebühr haben schon lange andere gefordert.

Die FDP aber brauchte unbedingt ein Thema für den Wahlkampf: Wir, die FDP, haben die Praxisgebühr abgeschafft. Und das FdP-Klientel jubelt. Nur für diesen Jubel krümmt sie sich zu Boden und stimmt einem Gesetz zu, das sie niemals jemals akzeptiert hatten. Das ist Wahnsinn.

Es braucht nicht die Opposition.

Jeder denkende Bürger muss sich über dieses Ergebnis empören. Die Kanzlerin vermeidet mit stoischer Ruhe eine eigene Aussage oder gar ein Bekenntnis zur politischen Haltung der Koalition oder zu den Zielen, die sie mit diesem taktischen Manöver anstrebt.
Dass Schäuble dieser gespenstischen und den Wähler verhöhnenden Veranstaltung nicht beiwohnen wollte, spricht für ihn.

was soll da fuer schaeuble sprechen?

"Dass Schäuble dieser gespenstischen und den Wähler verhöhnenden Veranstaltung nicht beiwohnen wollte, spricht für ihn."

der ist in mexico - g20 laedt ein.
dort duerfte er seinem hobby froehnen - in ganz grossen zusammenhaengen denken, quasi supranational.
die deutsche bevoelkerung hat er ja eh hinter sich (siehe zeit-interview). wozu sollte er sich dann noch mit deren problemem herumschlagen?

Wie originell

So ziemlich seit drei Jahren ist diese Koalition die schlechteste aller Zeiten. Man sollte eher sagen, die letzten drei Regierungen (Schwarz-Gelb, Große Koalition, Rot-Grün II) waren die schlechtesten aller Zeiten. Nun, die schwarz-gelbe Koalition sei am Ende. Woran soll man das erkennen? Dass sie falsche Entscheidungen trifft? Das hat sie vor zwei Jahren auch schon. Damals hat man sich auch schon als "Gurkentruppe" o.ä. beschimpft. Wenn die Konflikte nur über unwesentliche und ablenkende Aspekte wie Betreuungsgeld und Online-Überwachung bestehen, ist die Koalition in Wahrheit stabil.

Auch eine Sichtweise...

"Wenn die Konflikte nur über unwesentliche und ablenkende Aspekte wie Betreuungsgeld und Online-Überwachung bestehen, ist die Koalition in Wahrheit stabil."

Ich halte Beides nicht für unwesentlich.

Wenn die Regierung sich einfach einigen würde, auf den geannten Gebieten nichts zu tun (und damit zumindest keinen Schaden anzurichten), spräche das eher für diese Truppe als die ständigen Versuche, weiteren Schaden anzurichten (ob jetzt das Betreuungsgeld oder die Vorratsdatenspeicherung eingeführt werden soll).

Was sind denn aus Ihrer sich die "wesentlichen" Aspekte, an denen die Koaltion zerbrechen könnte?