Im Grunde, sagt einer, der im Bilde ist – im Grunde könnte der Koalitionsgipfel in zwei Stunden zu Ende sein, pünktlich zur Tagesschau . Denn im Grunde seien sich Union und FDP inzwischen sehr weitgehend einig in den Streitfragen, die die Partei- und Fraktionschefs am Sonntag im Kanzleramt lösen wollen. Wenn da bloß nicht die Sache mit der Rente wäre . Es wird absehbar das letzte Spitzentreffen, bei dem Schwarz-Gelb noch einmal praktische Handlungsfähigkeit beweisen kann – für weitere Projekte reichte die Zeit für die Gesetzgebung nicht mehr, zumal im Wahljahr.

Aber wie die verschiedenen Forderungen aus der Union bei der Rente auf einen Nenner gebracht und wie dies alles auch noch mit der Haushaltssanierung in Einklang zu bringen sein könnte, ist drei Tage vor dem Treffen noch völlig unklar.

Der Rest ist daran gemessen fast einfach. Dass die CSU zum dritten Mal aus dem gleichen Spitzenkreis das Betreuungsgeld mitnehmen darf, wird auch von der FDP nicht mehr strittig gestellt. Über die von FDP-Chef Philipp Rösler ins Spiel gebrachte Variante, die 150 Euro für daheim erziehende Eltern wahlweise auch in eine Art Bildungssparen zu investieren, wird noch gesprochen. Aber auf allen drei Seiten gilt das Thema nicht mehr als echter Knackpunkt.

Etwas komplizierter liegt der Fall bei der Praxisgebühr. Aber trotz aller prinzipiellen Bedenken dagegen, eine Zuzahlung abzuschaffen, die man womöglich in ein paar Jahren wieder gut gebrauchen könnte, ist CDU und CSU durchaus klar, dass die FDP am Sonntag hier einen Erfolg braucht.

Bleibt die Forderung der CSU nach einer Milliarde Euro mehr für Infrastruktur und Straßenbau, bleibt die Rente , und bleibt der Haushalt. Alle drei Punkte hängen eng zusammen. Seit Rösler einen ausgeglichenen Haushalt bereits für 2014 zu seinem Ziel erklärt hat, wiegt politisch jeder zusätzliche Euro doppelt schwer. Der FDP-Chef ist zwar inzwischen auf die Linie des Finanzministers eingeschwenkt: Das strukturelle Defizit – also das Minus abzüglich rein konjunktureller Effekte – bis 2014 auszugleichen, sei vorstellbar, hatte Wolfgang Schäuble erklärt. Seither spricht Rösler ebenfalls nur noch von diesem "strukturellen Defizit".