Birkner steht loyal zum Bundesvorsitzenden. Ihm fallen zwar durchaus Dinge ein, die sein Weggefährte falsch gemacht hat. Aber er sagt: "Rösler übernimmt in schwieriger Zeit Verantwortung für die FDP. Andere in der Partei, die ständig gegen ihn sticheln, ziehen sich aus der Affäre, wenn es ernst wird."

Eine SMS unterbricht das Gespräch. Sie ist vom FDP-Urgestein Walter Hirche . Der 71 Jahre alte ehemalige Wirtschaftsminister gibt Birkner gerade regelmäßig Wahlkampftipps. So fände er es zum Beispiel gut, wenn Birkner denn öfter mal in der Tagesschau vorkäme. Bekanntheit steigern und so.

Auch in Berlin spart man nicht mit Ratschlägen für den Kandidaten. Er solle doch mehr zuspitzen, heißt es aus der Parteizentrale, mehr draufhauen, nicht immer so moderierend daherkommen. Birkner versucht, sich davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

" Unsere Wähler sind nicht doof"

Er hat keine Lust, draufzuhauen. Er versteht auch nicht, was das bringen soll. "Unsere Wähler sind nicht doof. Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, dass komplexe Probleme einfache Lösungen haben", sagt er. In der Firma Harz Guss Zorge GmbH, 600 Mitarbeiter, größter Arbeitgeber im bevölkerungsarmen Harz, ist man da ganz bei ihm. Hier ärgern sie sich über diese "verkürzte Neiddebatte" zu den steigenden Strompreisen und den Ausnahmen für energieintensive Unternehmen , wie Geschäftsführer Carsten Weißelberg sagt. Klar, der riesige Gussofen schlucke jede Menge Strom, aber er müsse eben immer brennen.

"Wir machen uns doch nicht die Taschen voll, wie immer suggeriert wird, sondern wir erhalten Arbeitsplätze", sagt ein leitender Mitarbeiter von Harz Guss Zorge. Wenn er im Fernsehen die verkürzten Berichte über die EEG-Umlage sehe und die ganzen plumpen Vorurteile höre, da mache ihn das sehr wütend. Birkner nickt freundlich, stellt Fragen, sagt, die FDP wolle an den Ausnahmen grundsätzlich festhalten. Verbindlich und freundlich wirkt er in solchen Momenten – und zugewandt. Alle Menschen, die ihn an diesem Tag im direkten Gespräch erleben, mögen ihn.

Ob Birkners Art am Ende aber reicht für 300.000 Stimmen? Der 39-Jährige sagt, er könne auch aufdrehen. Mit legitimem Zuspitzen habe er kein Problem. Seine Rede beim Landesparteitag in Osnabrück letztens sei zum Beispiel gut angekommen. Im Internet gibt es ein Video davon . "Wir müssen uns nicht verstecken", sagt der FDP-Mann da. Aber es ist eben wieder nur der freundliche, der ruhige Birkner, der spricht.