Rechtsextremismus : "Deutschland hat ein riesiges Rassismusproblem"

Mitarbeiter mit Vorurteilen, Strukturen, die den Rechtsstaat gefährden: Ein Jahr nach Aufdeckung des NSU kritisieren Politik und Opferangehörige die Sicherheitsbehörden.
Teilnehmer einer Mahnwache für die Opfer der NSU-Mordserie © Uwe Meinhold/dapd

Ein Jahr nach Aufdeckung der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben Politiker und Migrantenvertreter tiefsitzende Ressentiments gegen Zuwanderer in den deutschen Sicherheitsbehörden beklagt. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat , sagte, Deutschland habe ein "riesiges Rassismusproblem". Sebastian Edathy , der Vorsitzende des Bundestags-Untersuchungsausschusses zu den NSU-Morden, drückte es etwas vorsichtiger aus: Es gebe ein Struktur- und Mentalitätsproblem.

In großen Teilen der Sicherheitsbehörden sei hartnäckig geleugnet worden, dass es in Deutschland Rechtsterrorismus geben könne, sagte Edathy. Er forderte mehr Sensibilität bei den Behörden. Dies lasse sich aber nicht durch einige Stellschrauben beseitigen. Notwendig sei etwa die Einstellung von besser qualifizierten und sensibleren Mitarbeitern, die nicht "in solchen Stereotypen denken".

Kolat kritisierte die schleppende Aufklärung der NSU-Mordserie . Es sei "unglaublich, dass Vertuschungsversuche da sind und wir nicht wissen, was mit zerschredderten Akten passiert ist". Die gute Arbeit des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag werde konterkariert .

Im Zusammenhang mit der Aufklärung der Mordserie kritisierte Kolat auch die Bundesregierung : Sie führe "eine Pannendebatte". Nötig sei aber eine Debatte über die Hintergründe. Der Rassismus sei in Deutschland wieder "in der Mitte der Gesellschaft angekommen".

Personalveränderungen gefordert

Kolat erhob zudem schwere Vorwürfe gegen die Verfassungsschutzämter, denen im Zusammenhang mit den Ermittlungen Versäumnisse vorgeworfen werden: Der Verfassungsschutz gefährde in seiner jetzigen Form den demokratischen Rechtsstaat, weil er "offensichtlich ein Eigenleben" führe. Kolat forderte personelle Veränderungen in den Ämtern auch auf unteren Ebenen. Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden müssten künftig im Umgang mit Menschen anderer Herkunft geschult werden.

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Mordserie , Barbara John, schlug die Einrichtung einer Stiftung vor, um die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Bei Gedenktafeln dürfe es nicht bleiben. Nach Johns Angaben sind viele der Hinterbliebenen neben der seelischen Belastung auch in einen finanziellen "Abwärtsstrudel" geraten. Nur mit Mühe sei es bislang gelungen, diesen Menschen finanziell wenigstens etwas zu helfen .

Die Angehörigen erheben ebenfalls Vorwürfe gegen die Ermittlungsbehörden: Fadime Simsek, Nichte des ersten Opfers Enver Simsek sagte der tageszeitung : "Wären es Menschen aus anderen Ländern gewesen, den USA, Frankreich oder England, dann wäre im Land doch die Hölle losgewesen. Aber es waren eben nur Türken." Gamze Kubasik, die Tochter des am 4. Juni 2006 in Dortmund erschossenen Mehmet Kubasik, forderte ein entschlosseneres Vorgehen bei der Aufklärung: "Uns wurde sehr viel versprochen, auch von Bundeskanzlerin Merkel. Dann haben wir gehört, dass Akten vernichtet wurden, und wir haben das Gefühl, die Aufklärung kommt nicht voran", sagte sie dem Tagesspiegel .

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Kommentare

342 Kommentare Seite 1 von 40
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Wenn Sie es nicht mehr hören können,

dann lesen Sie den Artikel nicht. Beschäftigen Sie sich einfach nicht damit. Ignorieren Sie das Problem. Das machen sehr viel.
Mich wundert es, dass sich immer so viele hier persönlich angegriffen fühlen, sobald das Thema Rassismus angesprochen wird? Was ist da eigentlich der Grund?
Schmälert es uns in irgendeiner Weise als Deutsche? Nein, denn in anderen Ländern gibt es ebenfalls Rassismus und siehe da, es wird darüber diskutiert. In England, Frankreich, Italien, USA, egal wo Sie hinschauen.
Rassismus gehört leider nunmal zum Alltag von sehr vielen Menschen und es ist schlimm Opfer davon zu werden. Besonders hart ist es jedoch, wenn einem Rassismus in Behörden oder dem Job begegnet und solange dies der Fall ist, muss darüber berichtet werden.
Das wird weder nationale Komplexe hervorrufen, sondern im Idealfall hinterfragt man sich einfach.
Hab ich soetwas schonmal erlebt oder selbst begangen? Das muss ja nicht immer bewußt passieren. Aber als Gesellschaft sollte man in der Lage sein im 21.Jahrhundert Rassismus nicht mehr zu tabuisieren, bzw. es einfach zu leugnen.

Selbe Leier

"dass sich immer so viele hier persönlich angegriffen fühlen, sobald das Thema Rassismus angesprochen wird?"

Weil es ein persönlicher Angriff ist.
Bei jeder Debatte mit dieser Thematik wird per sé jeder Deutsche ohne Migrationshintergrund unter Generalverdacht gestellt Rassist zu sein, und solche Schlachgwort wie "Rassismusproblem" fördert das ganze.

"es wird darüber diskutiert. In England, Frankreich, Italien, USA, egal wo Sie hinschauen."

Wann? In England wird höchstens mal drüber diskutiert wenn der Prinz sich mal eine rassistische Verfehlung leistet.
In Frankreich gibt es momentan andere Probleme die im Fokus der Gesellschaft stehen.
In Italen gibt es mehr rassistische Parteien und Verbände als in Rest-Europa, und der Duce ist noch immer Allgegenwärtig.
Und in den USA wird nur darüber diskutiert wenn Wahlen anstehen, der größte Markt von NS-Devotionalien ist in den USA.

Kein Land ächtet Rassismus und Antisemitismus so wie die Bundesrepublik.

Und nur weil es Mord-Trio gab, muss man schon lange nicht von einem "Rassismus-Problem" reden.

"Aber als Gesellschaft sollte man in der Lage sein im 21.Jahrhundert Rassismus nicht mehr zu tabuisieren, bzw. es einfach zu leugnen."

Denn sollte man aber jeden Rassismus behandeln, denn absolut von jeder Ethnie oder Religionsgemeinschaft kann Rassismus ausgehen.

Sie sollten 100 Leserempfehlungen bekommen

Ihren Kommentar finde ich super.

Viele Deutsche, gerade in laendlichen Gegendnen fuehlen sich von dem Fremden bedroht und reagieren mit Ignoranz und Ablehnung, schlimmstenfalls mit Gewalt.

Sie fordern genau das Richtige: Thematisierung von Rassismus und ich moechte noch Bildung Bildung Bildung hinzufuegen.

Wir sind Menschen und sind halt sehr anfaellig fuer das Denkmuster: Ich bin im Recht und habe die beste Meinung und wenn du davon abweichst, dann muss ich dich bekaempfen.

Scheinbar gibt es einfach viele Menschen in unserer Gesellschaft, die selbst so wenig zum Stolzsein haben, dass sie sich auf ihre nationale Identitaet zurueckziehen muessen. Dann ist natuerlich jede Kritik an der Gesellschaft ein persoenlicher Angriff.

Scheinbar steckt der Nationalismus und Rassismus halt doch noch tief in unserer Gesellschaft. Klar, dass viele widersprechen, denn die meisten Rassissten verstehen sich selbst ja nicht als Rassissten, sondern denken, dass sie einfach aussprechen, was Fakt ist: Die Auslaender sind weniger zivilisiert, als die Deutschen und verursachen die Probleme selbst.

Die armen, armen Deutschen - auf ewig "geknechtet"

"Wieder was um uns Deutsche auf Jahrzehnte zu knechten."

Sie Armer! Wer oder was hat Sie denn über Jahrzehnte geknechtet? Das Grundgesetz? Der Wohlstand? Die Pizzeria am Eck? Der türkische Müllmann gar? Und was hat die Deutschen vorher ("wieder was") geknechtet? Ihrer Logik nach kann es nur eine "erfundene Kriegsschuld" gewesen sein.

"Gut gemacht - von wem auch immer."

Sie scheinen von Verschwörungstheorien geknechtet zu sein.

Wo lesen Sie

einen Generalverdacht? Steht irgendwo "Alle Deutschen, die Deutschen, jeder Deutsche ..."? Nein.
Wir sollten uns gesellschaftlich klar machen, dass Artikel und Berichte auf Erfahrungen beruhen und man diese maximal ergänzen kann. Man kann seine eigenen Erfahrungen schildern, mitteilen, dass man einen dunkelhäutigen Kollegen hat, der der Meinung ist, dass er kaum Erfahrungen mit Rassismus hat. Man könnte soviel, aber stattdessen dreht sich wiedermal alles nur um das Thema: Wir werden hier als Volk verunglimpft und negativ dargestellt.
Es verwundert mich einfach immer wieder. Rassisten waren noch nie nur die Straßenschlägertrupps. Es sind auch Menschen, die mitten unter uns leben. Rechtsanwälte, die einen Mandanten ablehnen, weil die Hautfarbe nicht passt, oder Immobilienmakler die eine Wohnung nicht an eine deutschtürkische Familie vermieten möchte, weil die Nachbarn sich kulturell bedroht fühlen.
Rassismus beginnt bei ganz einfachen Sachen, wie zum Beispiel über einen Dunkelhäutigen als N...er zu reden, weil man es entweder nicht besser weiß, oder es einem egal ist, ob es den anderen verletzt.
Rassismus muss differenziert betrachtet werden und sicher gibt es auch den "umgekehrten" Rassismus.
Und was die anderen Länder betrifft, bekräftige ich es nochmal. Wenn ich ein Brot stehle und erwischt werde, rechtfertige ich dass nicht, indem ich sage, dass mein Vordermann in der Schlange etwas viel wertvolleres gestohlen hat.

Überspitzungen

Sie selbst haben andere Länder ins Gespräch gebracht:

"Nein, denn in anderen Ländern gibt es ebenfalls Rassismus und siehe da, es wird darüber diskutiert. In England, Frankreich, Italien, USA, egal wo Sie hinschauen."

Und ich habe lediglich dazu erwiedert das die aufgezählten Länder das Thema ignorieren oder gar belächeln.
Wir haben unzählige Vereine und Stiftungen die sich diese Thematik auf die Fahne geschrieben haben.

"Immobilienmakler die eine Wohnung nicht an eine deutschtürkische Familie vermieten möchte, weil die Nachbarn sich kulturell bedroht fühlen."

Es ist zwar morialisch und ethisch nicht zu vertreten, aber es ist sein gutes Recht, denn der Makler richtet sich nicht nach seiner Einstellung, sondern nach der, der Umgebung.

Zum anderen sind die einseitigen Rassismussichtweisen mehr als hinderlich.
Etwa beim Fall des verprügelten Rabbis, schon sah man in den Medien eine Neonazibedrohung, die Mordserie von Toulouse, von der Bild bis zur Süddeutschen ging man von Neonazis aus. Der Anschlag auf eine Moschee in Brüssel, es muss natürlich ein Belgier gewesen sein.
In allen Fällen suchte die Polizei nach weißen Einwohnern, in Fall von Brüssel suchte man sogar präzise in katholischen Kreisen, 2 weitere Moscheen brannten nieder bevor die Polizei, einen schiitischen Moslem festnahm.

Und hier haben wir den Generalverdacht.
Der Rassismus ist noch vorhanden, bestreite ich nicht, aber man tut so als hätten wir Verhältnisse aus den 20ern.

Wir haben andere Verhältnisse,

aber dann muss man die Frage stellen, woher der Druck auf den Makler kommt und ob wir das gesellschaftlich so ok finden. Ich finde es verwerflich und es ärgert mich, zumal es die Kehrseite der Integration ist ist. Wir beschweren uns über Ghettobildung und dass "die" immer nur unter sich bleiben und möchten "die" aber nicht als Nachbarn.
Und was das Ausland betrifft. Es ist für Deutschland nicht relevant, da man als Gesellschaft eigene moralische Standpunkte und Maßstäbe entwickeln muss und da ist jede Form von Rassismus zu verurteilen und dazu gehört auch, dass man darüber spricht und das Thema nicht abtut mit dem Hinweis, dass man davon genervt ist, oder eben pauschalisiert und polemisiert und sich eines Generalverdachts ausgesetzt sieht, der nicht geäußert wurde. Es geht nicht um "die Deutschen", nicht um die gesamte Mitte, sondern einfach nur um einen Teil, dem man Rassismus nachweisen kann. Die Frage ist nur, ob der Rassismus wirklich je aus der Mitte verschwunden ist und dazu kann ich ihnen aus persönlicher Erfahrung sehr viele Beispiele nennen. Es ist für mich keine theoretische, abstrakte Diskussion, sondern eine ganz reale, bei der ich auf Grund vieler persönlicher Erlebnisse ein Bild habe.
Wenn man angerempelt, bespuckt, beschimpft wird,auf der anderen Seite aber racialprofiling ausgesetzt ist, wenn man beim Einkauf seine Tasche leeren muss (mehr als einmal) und das keinem anderen im Umfeld passiert ist, dann kann ich bestätigen, dass es Rassismus in der Mitte gibt.

Wehret den Anfängen!

"Rechtsanwälte, die einen Mandanten ablehnen, weil die Hautfarbe nicht passt, oder Immobilienmakler die eine Wohnung nicht an eine deutschtürkische Familie vermieten möchte, weil die Nachbarn sich kulturell bedroht fühlen."
Es gibt ein hohes Gut, welches sich "Freiheit" nennt. Das dem deutschen bürgerlichen Recht zugrundeliegende Prinzip der Vertragsfreiheit besagt, dass Personen im Rechtsverkehr sich ihre Vertragspartner selber aussuchen dürfen (Einschränkungen bei Versorgungsträgern und Monopolisten lassen wir hier mal aussen vor.) Selbst, wenn diese Vertragsfreiheit sich aufgrund der wirtschaftlichen Ungleichheit der Vertragspartner realitär nicht verwirklichen lässt, bleibt der hohe Wert dieser Freiheit bestehen. Was Sie fordern ist der Zwang, mit jedem sich in vertragliche Beziehungen zu begeben, nur weil dieser "Jeder" das will. So etwas hat nichts mehr mit Freiheit zu tun und ein solches Denken kennzeichnet einen Faschisten. Wie wäre es, wenn Sie eine Einliegerwohnung vermieten wollen und es kommt ein Interessent, den Sie nicht mögen (der vielbeschworene Nazi von nebenan vielleicht)? Vermieten Sie? Der Einwand, es geht hier lediglich um Ablehnung wegen Hautfarbe u.ä. und dieser Fall komme hier nicht in Betracht ist unredlich und billig. Es ist das gleiche wirkende Prinzip: Zwang, einen Zwangskontakt zu unterhalten. So etwas ist Faschismus. Nichts weiter. Da hilft Ihnen keine Ausrede. Abgesehen davon gibt es längst das AGG. Was schlagen Sie noch vor?

Woran liegt es

Zunächst einmal, das Racial Profiling gab es schon immer, es hieß nur anders, und zwar Rasterfahndung.
Wenn man eine südländische Person sucht, ist die Logik des ganzen, südländische Personen zu kontrollieren.
Das man denkt, man würde besonders speziell kontrolliert und beäugt werden liegt an der Selektive Wahrnehmung jeder Person.
Ich musste auch mehrmals ohne Grund meine Tasche entleeren, seit dem lass ich meine Tasche immer im Auto.

"woher der Druck auf den Makler kommt und ob wir das gesellschaftlich so ok finden."

Da geb ich den Medien eine Teilschuld, Dokus von Migranten-Banden, Clans, und Ehrenmorde.
Als in den 50er und 60ern die ersten Gastarbeiter kamen, wurde über sowas nicht berichtet, und da gab es sicherlich weniger Druck aus der Gesellschaft.

Zum anderen, der Kulturschock, der ist auch heute im 21. Jh. immernoch gegenwärtig.

Das müssen denn nicht immer andere ethnische Minderheiten sein, das kann auch vorkommen wenn die neuen Nachbarn Sinti/Roma, Juden oder Moslems sind, das alles sind Minderheiten die nicht auf den anthropologischen Rassismusbegriff passen, da es keine eigenen Ethnien sind.

Es gab mal einen Test auf dem NDR, man zeigte den Personen ein Bild eines schwarzen Mannes, die ihm zugeschriebenen Eigenschaften waren recht negativ, danach sagte man ihnen der Mann sei Amerikaner, und plötzlich waren die Eigenschaften durchgehend positiv.
Es kann also nicht nur an der Hautfarbe liegen.

Sie machen es bischen zu leicht, mit diesem Beispiel:

"Wenn ich ein Brot stehle und erwischt werde, rechtfertige ich dass nicht, indem ich sage, dass mein Vordermann in der Schlange etwas viel wertvolleres gestohlen hat".

Haben Sie das Wort: Verhältnismäßigkeit gehört? Und wenn man den Brotstehler zu fünf Jahren Haft verurteilt und er überall an Pranger gestellt wird und öffentlich gerichtet usw. usf. und der andere, der um die 400.- EUR gestolen hat, nur ein Jahr auf Bewährung und sonst nichts weiteres, dan trifft die Unverhältnissmäßigkeit, die schiefe Lage, die Heuhelei und die Verlogenheit in diesem Fall mit der ganzen Wucht.

Welche Anfänge?

Wie der Artikel besagt, und Sie mit Ihrem Kommentar beschräftigen: Wir stecken mitten drin.

Nur eine Frage: Vertragsfreiheit und Koalitiosrecht hin oder her: Ist das eine Rechtfertigung für eine womöglich vorhandene hintergründige Einstellung und Motivation, einen Vertrag gar nicht erst zu Stande kommen zu lassen? Finden Sie es angebracht, solche faulen Ausreden vorzuschützen?

Sie haben mit Ihrem Kommentar sämtlichen Rassisten eine Absolution erteilt.

Rassismus in Deutschland

# Natürlich ist jeder Mord bedauerlich, aber die Verbrechen der drei Zwickauer zu verwenden, um zu behaupten, der Rassismus sei in der Mitte der Gesellschaft ankommen und Deutschland habe ein gewaltiges Rassismus-Problem -- also bitte. Man kann sich in seiner Wortwahl auch mal vernünftiger ausdrücken. #

Latent vorhandener Rassismus wird an anderen Stellen viel deutlicher; z.B. im Falle der somalischen Piraten, versehentlich oder absichtlich getöteter Afghanen, etc., gegenüber denen der medial sichtbare Kommentariatsmob, der sonst ideologisch eher bei Springers konservativen Krawallblättern oder PI heimisch ist, hierherwandert und sich über die "humanistische Gefühlsduselei" echauffiert, und für den Umgang mit diesen, ja, offenbar "Wilden", koloniale Kanonenbootpolitik empfehlen. Geht ja um deutsche (Wirtschafts-)Interessen, da zählen Menschenleben 6000km entfernt nicht. Und wenn denen Hab und Gut untern Hintern weggebombt wird - egal. Die waren ja schon vorher arm. Die kennen Elend, sind es gewöhnt.
Oder der Umgang dt. Behörden mit Asylbewerbern, welche gefälligst dankbar sein sollen, dass sie überhaupt ein Dach über den Kopf haben, und unverschämterweise empfinden auch noch für die Wahrung von Menschenrechten demonstrieren und dabei eine OWi begehen...

Das ist natürlich kein rein deutsches Phänomen. Es ist auch m.E. auch nicht der völkisch motivierte Rassismus der NPD, als vielmehr eine Melange aus Borniertheit und Ignoranz dem entschieden entgegen getreten werden sollte.

Nicht die Mörder sind in der Mitte

"Natürlich ist jeder Mord bedauerlich, aber die Verbrechen der drei Zwickauer zu verwenden, um zu behaupten, der Rassismus sei in der Mitte der Gesellschaft ankommen und Deutschland habe ein gewaltiges Rassismus-Problem -- also bitte. Man kann sich in seiner Wortwahl auch mal vernünftiger ausdrücken."

Die Argumentation war nicht, dass die Morde aus der Mitte der Gesellschaft heraus begangen worden seien (dagegen würde ich mich auch wehren). Diese Mörder standen gewiss eher am Rand (jedenfalls hegt kaum jemand Sympathie für die).

Die einseitigen Ermittlungen von Seiten mehrerer Behörden werden hingegen schon ein Schlaglicht darauf, dass ein gewisser Rassismus durchaus auch dort vorhanden ist. Ich verstehe den Artikel so, dass das Verhalten der Ermittlungsbehörden (die ja durchaus ein gewisses Ansehen bei breiten Bevölkerungsschichten genießen) ein deutlicher Hinweis darauf ist, dass es ein echtes Rassismusproblem gibt.

Er nimmt doch nicht nur die Morde als Zeichen?

Die morde sind die Spitze des Eisbergs eines unterschwelligen Rassismus. So sieht er das auch... In deutschland hat man sich was rassistische kommentare und ausländerfeindlichkeit angeht seit dem dritten reich angewöhnt, kleine Brötchen zu backen. Sobald man einen Kommentar bring, ist man gleich der Nazi weswegen man es gleich sein lässt. Das wrächt sich jetzt, denn nur weil sie nicht ausgesprochen werden, heisst ads nicht dass die Vorurteile nicht noch da sind, das meint der gute Mann mit "zurück in die mitte"... sozusagen eingeschlichen haben sich die vorurteile weil sie nicht oder fast nie ausgesprochen werden und unter der oberfläche aber weiter brodeln. Natürlich ist Rassismus ein Problem in Deutschland!

@Nummer 2:

Der Rassismus ist sehr wohl in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wenn man mal seine Augen öffnet.
Wieso ist wohl sonst eine rechte Band wie "Frei.Wild" auf Platz 2 der Albumcharts und füllt mit ihrem Nationalismuns und Rassismus grosse Konzerthallen?
Wieso können Rechtsextreme ohne Probleme als "nette Nachbarn" ihr Unwesen treiben?
Wieso schreddert ein Verfassungsschutz wichtige Akten?
Ich könnte hier ebdlos die Reihe fortsetzen!
Wenn man nur mal die Augen auf macht! ;)

Das alles ist

ersetzbar. Als ob andere Länder anders wären. Und was die Identität betrifft. Deutschland als Land hat eine historische Identität und auch eine kulturelle.
Es führt mich zu einer Frage. Glauben Sie Engländer wären liederlich? Spanier denken nicht in Schwarz Weiß / Freund Feind Kategorien? Glauben Sie in der Türkei glaubt man nicht an Behörden und das Gesetz? Glauben Sie Franzosen diskutieren mehr mit Witz oder Humor? Glauben Sie in den USA spielt die moralische Überlegenheit in einer Diskussion keine Rolle?
Ich würde das verneinen wollen.

th: ja

"Gründlichkeit,
Freude an leidenschaftlich-humorlosen hochmoralischen politischen "Debatten" mit wüstem Freund-Feind-Denken und keinem Funken von Humor oder gar Witz,
Glaube an behördliche Regelungen,
Ablehnung jeder "deutschen Identität" (whatsoever)

Die Mischung kenn wa doch!"

In der Tat. Auch im Deutschland-abschaffen bleiben die deutschen Spießer ganz, was sie sind, nämlich sehr deutsch.

I beg to differ,

Zitate in Anführungszeichen:
"197. Das alles ist ersetzbar. Als ob andere Länder anders wären. Und was die Identität betrifft. Deutschland als Land hat eine historische Identität und auch eine kulturelle."

Ich habe ein paar Jahre im Ausland gelebt, und bin später in die gute alte Bundesrepublik zurückgekommen. Hier war gut arbeiten, gut Verträge schließen, und weniger gut leben. Abgesehen vielleicht vom Rheinland - und selbst dort - ein hochgradiger Mangel an Elastizität.

Nicht bereuen, nicht verzeihen, und auf keinen Fall verjähren!
Immer hochmoralisch, mit dem Zeigefinger, und empört ("unsäglich").

Muss ein protestantisch-pietistisches Erbe sein, wie man gut an den Grünen auf ihren Kirchentagen beobachten kann. (S.a. Watson, The German Genius)

Und woher haben Sie Ihre Aufzählung von Klischees?
- "Glauben Sie Engländer wären liederlich?"
Nä wieso? England kenne ich nicht so gut.
Aber im Durchschnitt sicher freiheitsbewusster und weniger ordnungsbesessen als unsere Landsleute!

- "Spanier denken nicht in Schwarz Weiß / Freund Feind Kategorien?"
Weiss ich nicht, habe nie dort gelebt.

- "Glauben Sie in der Türkei glaubt man nicht an Behörden und das Gesetz?"
Fragen Sie einen Türken!

- "Glauben Sie Franzosen diskutieren mehr mit Witz oder Humor?"
Aber sicher! Oh putain! Das weiss ich aus Erfahrung. :-)

- "Glauben Sie in den USA spielt die moralische Überlegenheit in einer Diskussion keine Rolle?"
Manche Amis sind "deutscher" als sie glauben - s. o. Watson.

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