RechtsextremismusNSU-Morde hätten laut Innenminister gestoppt werden können

Sachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht erhebt Vorwürfe gegen die Ermittler im Fall NSU: Die Behörden hätten die Mordserie mit mehr Sensibilität verhindern können. von dpa und dapd

Für Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht ( CDU ) hätten einige oder sogar alle Morde der rechtsextremen Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund vereitelt werden können. "Mit der nötigen Sensibilität und Professionalität bei Polizei und Justiz hätte man die drei mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit gefunden – möglicherweise noch vor dem ersten Mord, wenn aufgrund der bestehenden Haftbefehle und dieser Erkenntnisse Zielfahnder eingesetzt worden wären", sagte Stahlknecht der Mitteldeutschen Zeitung . Die Ermittlungsbehörden hätten allerdings nicht die richtigen Schlüsse gezogen.

Der CDU-Politiker bezog sich konkret auf Berichte einer vertraulichen Zeitschrift des Bundesamtes für Verfassungsschutz mit dem Titel BfV aktuell . Daraus gehe hervor, dass Uwe Böhnhardt , Uwe Mundlos und Beate Zschäpe Polizei und Staatsanwaltschaft bereits 1998 als Bombenbauer bekannt gewesen und per Haftbefehl gesucht worden seien. Zwei Jahre später sei in der gleichen Zeitschrift noch einmal auf die drei Flüchtigen hingewiesen worden. Das mutmaßlich erste Opfer der Gruppe wurde im Jahr 2000 getötet.

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Stahlknecht äußerte sich am Montag nach einer Sitzung der Parlamentarischen Kontrollkommission des Landtags in Magdeburg . Dort war es um die Pannen bei den Ermittlungen gegen den Nationalsozialisten Untergrund gegangen. Stahlknecht ist zugleich Vorsitzender der Arbeitsgruppe von Bund und Ländern zur Sammlung des Materials über die NPD . Er hatte die Prüfung eines neuen NPD-Verbotsverfahrens angestoßen.

Die Existenz des Nationalsozialistischen Untergrunds war am 4. November 2011 aufgeflogen, als sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach einem Banküberfall das Leben nahmen. Kurz darauf stellte sich die dritte Beteiligte, Beate Zschäpe , der Polizei. Die drei werden für bundesweit neun Morde an Migranten zwischen 2000 und 2006 verantwortlich gemacht sowie für den Mord an einer Polizistin 2007 in Heilbronn . Zudem sollen sie zwei Bombenanschläge in Köln verübt haben. Warum die Behörden der Gruppe nicht früher auf die Spur kamen, sollen derzeit Untersuchungsausschüsse des Bundestags und in drei Länderparlamenten klären.

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Leserkommentare
    • TDU
    • 13. November 2012 8:43 Uhr

    Nichts gegen hätte wenn und aber. Aber aber nur für die Zukunft zur Lehre, wie man es zukünftig anders machen sollte. Es gbt jetez uNtersuchunsgausschüsse und nicht jeder sollte sich bemüssigt fühlen, seinen Senf dazu zu geben.

    • SonDing
    • 13. November 2012 8:47 Uhr

    "als sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach einem Banküberfall das Leben nahmen."

    Nach diversen Reisswolfaktionen und Vertuschungsversuchen, sollte man sich langsam auch angewöhnen, den angeblichen Selbstmord von Böhnhard und Mundlos, mit Fragezeichen zu versehen.

    Zeugenaussagen widersprechen der offiziellen Version:

    http://www.welt.de/politi...

  1. Ist es nicht ein Hohn für jeglichen journalistischen Sachverstand, wenn in Publikationen immer noch der Begriff "Panne" auftaucht?

    Wenn ich ein Glas umstoße, kann ich das durchaus als Panne bezeichnen. Aber doch nicht, wenn ich als Beamter beispielsweise Akten schreddere, die der Aufklärung vielleicht dienlich wären. Und die Aktenschredderei war ja schließlich nicht die einzige Aktion, die vorgefallen ist.

  2. Man hätte dazu nur die nötigen Anweisungen geben müssen. Ein Telephonat an den beiden Uwes hätte gereicht.

  3. Kennt zufällig jemand Captain Hindsight? Das ist eine Parodie von einem Superhelden (aus Southpark), der immer nach Katastrophen auftaucht und dann sagt, was man alles hätte besser machen sollen... erinnert mich doch sehr stark daran - auch genau in der Lächerlichkeit.

    Alles hätte man verhindern können, wenn man vorher schon so schlau wie heute gewesen wäre. Den zweiten Weltkreig und sogar Hitlers Geburt, aber es ist nunmal zu spät dafür - genau wie bei den NSU-Morden.

    Alle - und damit meine ich alle - Beteildigten sollten sich so langsam mal überlegen, ob man dieses schlimme Ereignis nicht einfach mal mit einem Mindestmaß an Vernuft in die gesamte Kriminalität in Deutschland einordnen kann. Ich will hier nichts bagatellisieren, aber diese NSU-Morde sind nur ein wirklich winziger Anteil an den Morden, die jährlich in Deutschland geschehen und es gibt verdammt nochmal auch wichtigere Probleme als diesen Rechtsterror-Hype, der für viele Menschen offensichtlich ein gefundenes Fressen ist!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Bashu
    • 13. November 2012 10:35 Uhr

    EU Krise, Hartz IV, usw usw.

    Keine Zeit für Kleinigkeiten wie diese.
    Wenn irgendwann die magische Marke von 5.000.000 Morden überschritten wird, können wir uns über die Rechten immer noch Gedanken machen.

  4. Schönes Beispiel für die ahnungslose flink-flink-Maschine: Entweder weiß Herr Stahlknecht nicht, dass mehrere Jahre lang sehr wohl Zielfahnder eingesetzt waren oder er will es nicht wissen, weil er dann die schöne Schlagzeile ohne den Cool-Begriff "Zielfahnder" nicht bekäme. Aber wieder eine Nebelkerze mehr, die beschäftigt und Aufmerksamkeit von relevanten Fragen abzieht...
    Ironie am Rande: Die Thüringer Untersuchugnskommission hat gerade den Einsatz der Zielfahnder als Fehler bezeichnet - weil diese Einheit zu klein ist und die Ermittler selber zum Schluss selber gesagt haben, dass vielmehr eine Sonderkommission nötig gewesen wäre.

    • big1953
    • 13. November 2012 10:14 Uhr

    Sicher - wenn man wüßte was Jemand vorhat, könnte man.....

    Die Frage ist doch, was wußten die Behörden um das Trio als wie gefährlich einzustufen?

    Wenn die Behörden immer Alles richtig machen würden - gäbe es keinen Mord, keinen Totschlag, Raub, Diebstahlt

    und es gäb wohl auch KEINE FREIHEIT

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, nf
  • Schlagworte Beate Zschäpe | Innenminister | Uwe Böhnhardt | CDU | NPD | Rechtsextremismus
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