Eine Polizistin steht neben Akten. Thüringens Polizei hatte tausende Ermittlungsakten auf Straftaten des NSU untersucht. © Martin Schutt/dpa

Die Bundesanwaltschaft hat die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe als Mittäterin wegen Mordes angeklagt. Zschäpe sei nicht nur Mitglied der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gewesen, sondern selbst als Mittäterin für die Morde an Einwanderern und einer Polizistin verantwortlich, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Die 37-Jährige ist die einzige Überlebende der Terrorgruppe. Ihre mutmaßlichen Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt töteten sich selbst.

Weitere Anklagepunkte gegen Zschäpe sind den Angaben zufolge schwere Brandstiftung und Mordversuch. Wegen der Morde sind neben Zschäpe auch vier mutmaßliche Unterstützer der sogenannten Zwickauer Terrorgruppe vor dem Oberlandesgericht München angeklagt, darunter der Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben. Er soll sich wie auch der Mitangeklagte Carsten S. wegen Beihilfe zum Mord verantworten.

Ebenfalls angeklagt wurde der mutmaßliche NSU-Unterstützer Andre E ., der Beihilfe zu einem Sprengstoffanschlag des NSU in Köln geleistet haben soll. Dem fünften Angeklagten Holger G. wird Unterstützung des NSU in drei Fällen zur Last gelegt.

Der 6. Strafsenat des Oberlandesgerichtes München wird auch Staatsschutzsenat genannt. Er ist mit fünf Berufsrichtern besetzt, den Vorsitz hat Manfred Götzl . Der Senat ist zuständig bei Anklagen wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit und Offenbarung von Staatsgeheimnissen. Außerdem werden dort sämtliche Terrorprozesse in Bayern verhandelt.

Dem Gericht zufolge wird die Anklageschrift den Verteidigern in den nächsten Tagen zugestellt. Zugleich erhalten die Anwälte Gelegenheit, sich zu äußern.

Zschäpes Verteidiger empörte sich über die Informationspolitik der Bundesanwaltschaft. Es sei "skandalös und respektlos gegenüber der Mandantin und ihrer Verteidigung", dass der Generalbundesanwalt die Öffentlichkeit über den Inhalt der Anklageschrift informierte, die der Verteidigung nicht zugestellt wurde, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer der Nachrichtenagentur dpa.

Neun Einwanderer und eine Polizistin

Die Verteidigung müsse sich "seit Beginn des Ermittlungsverfahrens über die Medien über den Verfahrensstand informieren, da ihr wesentliche Informationen vorenthalten werden", kritisierte er.

Zschäpe und den anderen Angeklagten werden für bundesweit neun Morde zwischen 2000 und 2006 an ausländischen Kleinunternehmern verantwortlich gemacht, zudem für den Mord an einer Polizistin in Heilbronn , zwei Sprengstoffanschläge und zahlreiche Banküberfälle. Der NSU hatte von Polizei und Geheimdiensten unbehelligt agiert und war erst vor gut einem Jahr aufgeflogen.

Am 4. November 2011 hatten sich die beiden Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nach einem Banküberfall in Eisenach erschossen. Zschäpe soll am selben Tag die Wohnung der Gruppe in Zwickau angezündet haben, am 8. November 2011 stellte sie sich der Polizei. Wenige Tage später wurde ein Bekennervideo bekannt.

Im Bundestag und mehreren Landtagen befassen sich Untersuchungsausschüsse mit dem Versagen der Sicherheitsbehörden , die den rechtsextremistischen Hintergrund der Morde nicht erkannten. Statt dessen ermittelte die Polizei jahrelang im Milieu der Organisierten Kriminalität.