Rainer Langhans"Die Piraten haben von Liebe keine Ahnung"

Auch Alt-Kommunarde Rainer Langhans war beim Piratenparteitag. Im Interview lobt er die Partei als Erben der Hippies – und sagt, was sie anders machen sollte. von , und

Rainer Langhans (r.) auf dem Parteitag der Piratenpartei

Rainer Langhans (r.) auf dem Parteitag der Piratenpartei  |  © Jürgen Schwarz/GettyImages

ZEIT ONLINE: Herr Langhans, was führt Sie zu den Piraten?

Langhans: Ich bin kein Mitglied, aber im Herzen bin ich seit 45 Jahren Pirat. Die Piraten machen durch das Internet die Erfahrung, eine große Kommune zu sein, so wie wir damals. Wir waren auch verrückt und sahen eine ganz andere Welt als unsere Eltern. Für mich sind sie die Boten einer neuen Welt; einer Welt, so wie wir sie uns auch vorgestellt haben. Menschlicher, liebevoller.

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ZEIT ONLINE: Sind Nerds die neuen Hippies?

Langhans: Ich würde sagen, sie sind schon anders. Sie leben virtuell, ihre Werte sind virtuell, ihre Leben finden bis auf einen Körperrest im Netz statt. Sie sind nicht besonders sexy und können nicht mit Frauen reden; sie sind Rationalisten.

ZEIT ONLINE: Sehen Sie Parallelen zu den Grünen ?

Langhans: Sehr viele. Am Anfang gabs bei den Grünen auch Riesenstreitereien. Ich bin aber zuversichtlich, dass sich die Piraten nicht wie die Grünen entwickeln werden. Die Grünen haben versucht, die alte, reale Welt durch Ökologie zu verbessern. Die Piraten wollen uns aus der alten Welt herausholen und in eine neue führen. Das ist ein viel größeres Konzept. Den Piraten ist es nur nicht bewusst.

ZEIT ONLINE: Warum erkennen die Piraten denn ihre gesellschaftliche Aufgabe nicht?

Langhans: Das, was sie im Netz erleben, haben sie noch nicht verstanden. Sie können uns ihre Identität nicht kommunizieren, wir Offliner verstehen sie nicht. Außerdem haben sie gesehen, dass die Revolution unserer Generation gescheitert ist. Sie wollen kein idealistisch-revolutionäres Getöse. Deshalb machen sie eine Partei. Irre!

ZEIT ONLINE: Sie sind kein Freund von Parteien. 

Langhans: Nein. Jeder weiß, dass Politik das Letzte ist. Die Piraten unterziehen sich dieser Streckbank, damit wir die neue Welt verstehen lernen. Ich verfolge ihre Entwicklung mit aller Sympathie und habe ihnen auch 20.000 Euro von meinem Dschungelcamp-Geld gespendet. Ich hoffe, dass sie nicht vor die Hunde gehen, also wie die Grünen werden. 

Leserkommentare
  1. Langhans war schon immer eine Lachnummer. Interessant wo er sich heute verortet.
    Wenn es um Politik geht, dann bleibe ich lieber innerhalb des Altparteienspektrums. Und da gibt es schon bereits genügend "Lärmmüll".

    15 Leserempfehlungen
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    • awaler
    • 25. November 2012 9:34 Uhr

    An sich gebe ich Ihnen recht, allerdings brauchen Sie die Einordnung nicht auf Lärm zu beschränken.

    • AndreD
    • 25. November 2012 18:26 Uhr

    sollte sich dazu äußern:

    http://www.youtube.com/wa...

    • awaler
    • 25. November 2012 9:34 Uhr

    An sich gebe ich Ihnen recht, allerdings brauchen Sie die Einordnung nicht auf Lärm zu beschränken.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Lachfigur"
  2. wohl das wichtigste Interview des Jahres! Was sagt eigentlich der Pudel von Herrn Langhans zu den Piraten? Hätte mich auch interessiert!

    10 Leserempfehlungen
  3. Sie Zeit war mal die angesehenste Publikation im Lande. Und was gibts heute zu sehen auf Seite eins? Ein Knallkopf spricht mit einem anderen Knallkopf der sich einen oragen Waschlappen um Kopf gewickelt hat. Gehts noch tiefer?

    35 Leserempfehlungen
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    • Evolux
    • 25. November 2012 11:00 Uhr

    you made my day!

    Es geht darum, die Piratenpartei mit allen Mitteln schlecht zu machen.

    Einige Leute scheinen wirklich besorgt zu sein, dass sich tatsächlich eine Art demokratische Bewegung aus dem Volke bilden könnte. Das ist und war so nie gewollt und muss mit allen Mitteln verhindert werden. Das Mittel diesmal: die Bewegung lächerlich machen, Stichwort: Hippies, Langhans + das tolle Bildchen.

    Auch Knallköpfe mit oder ohne orangene Waschlappen oder Graulocken um den Kopf dürfen in diesem unseren Land sich unterhalten und zur Meinungsbildung beitragen.

    Allerdings ist diese von Ihnen erwähnte Spezies in Artikel drei GG nicht gesondert aufgeführt. Somit dürfte Ihre kritische Einlassung zu der Überlegung führen, ob man das Grundgesetz nicht dem jetzigen Zustand der evolutionären Entwicklung anpasst.

    • Sauzahn
    • 25. November 2012 11:35 Uhr

    orangene Waschlappen um die Stirne wickeln.

    Aber, was hier beschrieben wird, ist doch auch Teil der deutschen Wirklichkeit. Man kanns als spassig erfinden oder nicht.
    Die deutsche Wirklichkeit , das waren auch Strauß und Kohl; und das sind Merkel und Brüderle - um nur einige zu nennen. Ist das und war das je erfreulicher?

  4. "Im Netz [..] gibt es all die schönen Dinge und unheimlich viel Kommunikation."

    Im Netz bleibt alles virtuell. Das dürfte eines der Piraten Herausforderungen sein, an dem viele scheitern werden. Die Nase von der Tastatur zu heben, raus gehen und erkennen auf der anderen Seite des Kabels hat man es mit realen Menschen zu tun. Das können im Vergleich zur Netzvirtualität ganz andere Personen sein.

    Schreibt ein Alter.

    6 Leserempfehlungen
    • Mokasi
    • 25. November 2012 9:47 Uhr

    Man zeige mir die Partei, die noch die Jugend abholt.

    4 Leserempfehlungen
  5. Langhans: „Ich glaube, ich bin der Pirat, der sie erst morgen sein werden.“

    Volksschenk: „Ob sie nach ihrer Strandung noch mal trockenen Boden unter die Füße bekommen ist fraglich. Die besten Chancen hätten Sie noch im Bereich der Esoterik, wo schließlich alle Gestrauchelten versuchen, letzten Halt zu finden.“ ( Kommentar 10. Das Leben der Piraten http://www.zeit.de/politi... )

    Auch Langhans hat offenbar das Endstadium der Piraten vor Augen. Da er ja schon 20.000 Euro aus seinem Dschungelcamp anbezahlt hat, dürfte er mit Sicherheit auch den Vorsitz angetragen bekommen. Als somit neuer Yogisitzender wird er die auf der Insel der Glückseligkeit gestrandeten Piraten in das ewige Reich der Liebe führen.

    4 Leserempfehlungen
    • ztc77
    • 25. November 2012 9:53 Uhr

    Ist das Wollen der Piraten so zu umschreiben, dass sie uns wirklich "aus der alten Welt herausholen und in eine neue führen" wollen? Mal abgesehen davon, dass sie erst um die Formulierung ihres parteilichen Programms, also ihr "Wollen" am Ringen sind?

    Herr Langhans als Berichterstatter interpretiert mir zu viel in das Geschehen hinein, weiß, dass er weiß, was Liebe ist, und wer, wo, wann, was und womit gescheitert ist. Das ist aber mehr als Basteln an sich als Galionsfigur seiner Selbstvermarktung zu bezeichnen, denn als Berichterstattung.

    Und dass 3 junge Nachwuchsredakteure mehr auf seinen Alterscharme abfahren bzw, reinfallen als präzisierende Fragen zu stellen. Aber das kann ja noch besser werden.

    Ihr ztc77

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