BundesparteitagPiraten-Chef Schlömer entschuldigt sich für Fehler

Parteichef Bernd Schlömer hat die Piraten aufgerufen, den Streit beizulegen und sich auf Inhalte zu konzentrieren. Seine Partei will er als "sozialliberale Kraft" etablieren. von AFP, dpa , Reuters und dapd

Bernd Schlömer auf dem Parteitag der Piratenpartei in Bochum

Bernd Schlömer auf dem Parteitag der Piratenpartei in Bochum  |  © Jürgen Schwarz/GettyImages

Der Vorsitzende der Piratenpartei, Bernd Schlömer , hat seine Partei zur Geschlossenheit aufgerufen. "Es ist an der Zeit, sich darauf zu besinnen, dass wir gemeinsam Politik machen wollen, ohne einander zu beschimpfen, zu missachten oder zu ignorieren", sagte er zum Auftakt des Parteitages vor mehr als 1.600 Mitgliedern. Dabei räumte er auch eigene Fehler ein. "Auch ich habe Fehler gemacht und dafür möchte ich mich bei euch entschuldigen", sagte Schlömer .

Die Piraten seien "die sozialliberale Kraft der Informationsgesellschaft" und müssten dies als unverwechselbares Profil überzeugend herausstellen . "Wir sind angetreten, um ein anderes politisches Klima in diesem Land zu entfachen. Packen wir es auch an!", sagte Schlömer. Es gehe darum, eine andere Kultur in die Parlamente zu bringen. Nur die Piraten könnten einen "Neustart für die Demokratie in diesem Lande" erreichen.

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In Umfragen lag die Partei allerdings zuletzt zeitweise unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die sinkenden Umfragewerte sind nicht zuletzt auf Affären und personelle Streitigkeiten zurückzuführen. In deren Mittelpunkt steht vor allem der politische Geschäftsführer Johannes Ponader. Er hatte bei mehreren Talkshow-Auftritten mehr von seinen eigenen Befindlichkeiten als von den Zielen der Partei gesprochen, was den Unmut vieler Parteimitglieder auf sich zog. Zudem waren mehrere Vorstandsmitglieder im Streit zurückgetreten .

Schlömer forderte die Parteimitglieder auf, sich jetzt der Programmarbeit zu widmen. Immer noch haben die Piraten in zentralen Politikfeldern kein Konzept, im nächsten Jahr findet die Bundestagswahl statt. Dem Parteitag liegen rund 700 Anträge vor. Schlömer rechnet allerdings damit, dass nur 70 davon abgearbeitet werden können.

Probleme mit dem Internetanschluss

Im Anschluss an die Rede ihres Parteichefs wollen die Piraten die Tagesordnung beschließen. Nach Umfragen unter Mitgliedern gilt es als wahrscheinlich, dass Beschlüsse zur Wirtschafts- und Energiepolitik sowie für mehr Transparenz gefällt werden. Ein fertiges Wahlprogramm wollen die Piraten erst nach einem zweiten Parteitag im Mai verabschieden.

Zu Beginn des Parteitags hatten die technikaffinen Piraten allerdings erst einmal mit großen technischen Problemen zu kämpfen. Die Datennetze waren dem Ansturm der angereisten Mitglieder offenbar nicht gewachsen. Zugang zum Internet gab es zeitweise nur schleppend oder gar nicht, und auch die Live-Übertragung des Parteitags in Netz scheiterte zunächst.

Für die Piraten ist der Zugang zum Internet auf Parteitagen unerlässlich, weil keine ausgedruckten Unterlagen ausgegeben werden und sämtliche Anträge sowie Tagesordnungsvorschläge nur online vorliegen.

Ganz analog wurde die parteiinterne Aussprache zu Beginn des Parteitags am Freitagabend geführt. Heftig gestritten wurde dabei aber nicht zwischen Basis und Vorstand, wie die Zusammenfassung der Diskussion auf Twitter zeigt.

ZEIT ONLINE berichtet vom Bundesparteitag der Piraten in Bochum auch bei Twitter unter@zeitonline_pol. Außerdem sind Google-Hangouts mit Piratenpolitikern geplant.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, dapd, Reuters, nf
    • Schlagworte Bernd Schlömer | Bundestagswahl | Energiepolitik | Internet | Parteitag | Piratenpartei
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