Frage: Aber dieser Themenkatalog bewegt sich doch eng am bisherigen Piratenspektrum.

Schlömer: Wir müssen uns natürlich auch öffnen für energiepolitische Themen, für Infrastruktur- und Mobilitätsthemen, aber auch für Fragen einer modernen Arbeitswelt. Das ist meine Themenoffensive und die werde ich mit aller Kraft forcieren.

Frage: Wird man sich auf dem Bundesparteitag Ende November darauf konzentrieren?

Schlömer: Das weiß ich nicht. Wir haben da jetzt schon 650 Programm- und 70 Positionspapieranträge und es kommen noch ein paar Dutzend Satzungsänderungsanträge hinzu. Es gibt bereits Überschneidungen mit den von mir genannten Themen. Aber auch Außen- und Sicherheitspolitik werden eine prominente Rolle auf dem Parteitag spielen, ich sehe das aber nicht als den einen Schwerpunkt in den nächsten Wochen.

Frage: Wird ein Schwerpunkt der Dialog mit den anderen Parteien sein? Die Grünen strecken ja schon die Fühler nach Ihnen aus.

Schlömer: Ich persönlich finde es gut, dass sich die Grünen öffnen. Es gibt viele Begegnungen und einen Dialog. Sie machen nicht den Fehler, uns zu ignorieren und zu bekämpfen.

Frage: Mit einem Bundeskanzler Peer Steinbrück könnten Sie auch leben?

Schlömer: Ich glaube nicht, dass Herr Steinbrück das Mehrheitsvotum der Piraten trifft.

Frage: Warum?

Schlömer: Die Mehrheit der Piraten ist skeptisch und ich bin das auch. Ich habe Zweifel, dass bei Herrn Steinbrück die Arbeit als Abgeordneter im Mittelpunkt stand, sondern vielmehr seine Vortragsreisen. Das halte ich für problematisch, und er sollte da weiter zur Aufklärung beitragen.

Frage: Die Offenlegung seiner Nebentätigkeiten und seines Verdiensts dabei reicht nicht?

Schlömer: Seine Offenlegung verschleiert ja eher die Frage, warum er einen Vortrag in einer Kanzlei hält, die er als Finanzminister vorher mit Aufträgen versorgt hat. Ich finde das schwierig.

Frage: Sie arbeiten im Verteidigungsministerium . Haben Sie eine Vereinbarkeit zwischen Beruf und dem Parteivorsitz gefunden?

Schlömer: Das Modell ist derzeit tragfähig, aber nicht auf Dauer. Nach der Bundestagswahl muss ich überlegen, was ich anders machen kann. Denn im Moment läuft mir vor allem mein Privatleben davon.

Frage: Gibt es aus dem Verteidigungsministerium auch ab und zu mal Feedback zu Ihrer Parteiarbeit?

Schlömer: Klar. Ich bekomme sogar positives Feedback auf unsere vielen Diskussionen. Selbst zurückhaltende Kollegen sagen, ihr diskutiert wenigstens. Viele verurteilen die Debattenlosigkeit und fehlende Streitkultur in der Politik. Vieles wird ohne offen ausgetragene Diskussionskultur entschieden.

Frage: Stimmt, das ist in der Tat bei den Piraten anders…

Schlömer: Wir müssen eben sehen, dass wir das Positive an unserem Streit herausstellen. Wenn wir in den Bundestag einziehen, dann zieht auch eine andere Debattenkultur in das Parlament ein.

Frage: Ist die Bundestagswahl im kommenden September für die Piratenpartei lebensnotwendig?

Schlömer: Die Partei würde ohne einen Bundestagseinzug auch weiterleben. Aber ich bin absolut sicher, dass wir es schaffen werden und irgendwo zwischen fünf und sieben Prozent landen. Aber damit Peer Steinbrück mit unserer Hilfe Kanzler werden soll, muss die SPD noch einige Hausaufgaben machen.

Erschienen im Tagesspiegel