Piratenchef Bernd Schlömer: "Ich gehe nicht, da bin ich widerborstig"
In den Umfragen sind die Piraten massiv eingebrochen, nach außen liefert die Partei ein chaotisches Bild. Woran liegt's? Piratenchef Schlömer im "Tagesspiegel"-Interview
© MARCUS BRANDT/AFP/GettyImages

Piratenchef Bernd Schlömer
Frage: Herr Schlömer, nach seiner Wahl zum Politischen Geschäftsführer im April hat Johannes Ponader gesagt, dass er nichts tun könne, um den Einzug der Piraten im Bundestag noch zu verhindern. Da lag er wohl gründlich daneben, oder?
Bernd Schlömer: Es gibt keine persönliche Schuld oder Verantwortung für gute oder schlechte Umfrageergebnisse. Das ist eine Momentaufnahme der Piratenpartei.
Frage: Viele machen ihn aber für das schlechte Auftreten ihrer Partei verantwortlich. Muss er gehen?
Schlömer: Nein.
Frage: Fakt ist aber, dass Ihre Partei in Umfragen von über zehn Prozent vor einem halben Jahr auf unter fünf Prozent gerutscht ist. Was ist passiert?
Schlömer: Wir wurden von Anfang an behandelt wie eine große etablierte Bundestagspartei. Und wir sind getragen worden von einer Welle der Medienöffentlichkeit. Wir standen im Fokus, ohne dass sich Menschen, Inhalte und Ziele der Piratenpartei geändert haben. Die Erwartungshaltung war einfach zu groß. Nun ist der Medienhype vorüber, das Interesse lässt nach und wir müssen uns realpolitisch beweisen. Ich sehe das aber nicht so dramatisch wie die Medien. Man muss um Wählerstimmen eben kämpfen.
Frage: Die Piraten selbst tragen keine Schuld?
Schlömer: Diejenigen, die erst seit kurzer Zeit dabei sind, kannten nur den Erfolg und kennen keine schwere Zeiten. Jetzt sind sie gekommen und es entsteht Unsicherheit.
Frage: Haben Sie einen persönlichen Anteil an der schwierigen Situation Ihrer Partei?
Schlömer: Ich hätte intensiver in die Öffentlichkeit gehen können. Aber letztlich entspricht das nicht der Kultur der Piraten. Schließlich wollen viele mehr Themen statt Köpfe in den Vordergrund stellen. Aber ich werde mich künftig öfter in eine Fernsehsendung setzen und mich aktiver einbringen. Das wird auch von der Partei so gewünscht.
Frage: Sie selbst wurden von ihren Parteifreunden auch wüst beschimpft, als Arschloch und Versager. Wie sehr trifft Sie das?
Schlömer: Ich würde mir wünschen, dass die Parteimitglieder etwas respektvoller mit ihren Funktionsträgern umgehen würden. Im persönlichen Gespräch findet Kritik meist in respektvollem Ton statt. Die Pöbeleien gibt es hauptsächlich in sozialen Netzwerken. Aber es trifft mich persönlich nicht mehr. Das ist ein Lernprozess.
Frage: Sind Sie härter geworden?
Schlömer: Ja schon. Man wird härter im Nehmen.
Frage: Mögen Sie diese Veränderung an Ihnen?
Schlömer: Nein, eigentlich nicht. Aber als Führungskraft einer Partei wird man auch von ihren Mitgliedern geformt. Dagegen kann man sich nicht wehren.
Frage: Haben Sie schon mal an Rücktritt gedacht?
Schlömer: Nein. Ich werde nicht zurücktreten, sondern weitermachen, bis ich abgewählt werde. Und es wird auch niemandem gelingen, mich rauszuekeln. Es ist wichtig, dass ich bleibe, weil Kontinuität ein Kriterium für Wählbarkeit ist. Deshalb gehe ich nicht, da bin ich widerborstig.
Frage: Julia Schramm, Ihre ehemalige Vorstandskollegin, die vor wenigen Tagen zurückgetreten ist, hat die Shitstorm-Kultur am Ende nicht mehr ausgehalten.
Schlömer: Das finde ich dramatisch. Ich möchte Politik machen, die von Zielen und Inhalten getragen ist, nicht von Diskreditierung.
Frage: Was genau ist daran dramatisch?
Schlömer: Die Art und Weise, wie solche Debatten geführt werden und wie Menschen verletzt werden - das ist unterhalb der Gürtellinie. Ich verurteile auch die Angriffe auf Johannes Ponader aufs Schärfste, weil das in die gleiche Richtung geht. Wir erleben im Bereich der Sozialen Netzwerke, unabhängig von den Piraten, eine Diskussionskultur, die oft verletzend ist und nicht in Ordnung geht.
Frage: Braucht es in diesen Phasen des Shitstorms und der allgemeinen Schwäche nicht auch vom Parteivorsitzenden mehr Meinung und weniger Moderation?
Schlömer: Absolut. Wir müssen die Streitereien beenden und inhaltlich nach vorne kommen. Dafür werde ich mich auch als Parteivorsitzender einsetzen und deshalb bald einige meiner persönlichen Meinung nach für die Partei strategisch wichtigen Themen vorstellen. Dabei geht es um Themen, die uns wählbar machen und von den etablierten Parteien unterscheiden.
Frage: Welche Themen sind das?
Schlömer: Ich nenne mal drei: Bürgerbeteiligung. Dabei geht es um die Stärkung von direkter Demokratie. Menschen wollen bei Entscheidungen beteiligt werden. Dann Integrität. Also die Frage, verhalten sich Menschen, Organisationen, Unternehmen so, dass sie nicht von Partikularinteressen geleitet werden. Das Stichwort lautet Korruptionsbekämpfung. Und, als drittes, Transparenz. Offenheit ist eine wichtige Säule staatlichen Handelns und ist Voraussetzung für Demokratie. Es geht um ein Recht, Einblick in Verwaltung und Politik zu nehmen, weil Entscheidungszusammenhänge transparent sein müssen. Aber es geht auch um Verbraucherschutz. Ich möchte wissen, ob es in unserer Stadt Restaurants gibt, die durch die Hygienekontrolle gefallen sind. Ich möchte auch wissen, wie die Zusammensetzung von Lebensmitteln ist, in einer Ampel und nicht verklausuliert.





Hier zeigt sich eben doch, dass die Piraten ein Partei wie jede andere sind. Erst wird den Menschen das große Versprechen vor der Wahl gemacht, damit sich einige Karrieristen mit Hilfe der Wähler gut bezahlte politische Pöstchen sichern können, und dann nach der Wahl kommt das allgemeine Unvermögen bzw. der tatsächliche Unwillen in der konkreten Umsetzung der Versprechen für alle sichtbar zu Tage. Schön verschaukelt eben - aber so ist es nun mal in der Politik und auf hoher See. Und zu alledem zeigt sich jetzt auch noch ganz offensichtlich, dass niemand der potentiellen Piratenaufsteiger dem anderen Piratenfreund ein so schönes Pöstchen gönnen mag; es wird gezankt und intrigiert bis auch sicher keiner mehr gewählt wird - dann braucht auch keiner mehr auf den anderen neidisch sein und die schöne Piratenblase platzt schon bevor es richtig angefangen.
"Langsam nervt mich auch das Rumgeiere und das ewig debile Gegrinse und sich dabei selbst witzig und originell finden (á la Ponader und Lauer bei Stuckrad Barre, zu Hilfe!!!) von Leuten, die weder das eine noch das anders sind."
D´accord. Aber passt ihre Charakterisierung (ewig debile gegrinsen und sich dabei selbst witzig und originell finden) nicht eher auf den Gastgeber Herrn Barre zu? Ich habe beide Sendungen gesehen. Lauer war durchaus schlagfertig, Ponader, man mag von ihm halten, was man will, bekam kein Chance, in der Nonsense-Sendung von Barre auch nur einen Gedanken ernsthaft ausführen zu können. Die Antwort für seriöse Politiker kann nur lauten: Nicht ins Musikanten Stadl gehen und auch nicht zu Klamauk-Barre.
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk
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