Claudia Roth am Montagmorgen © Tobias Schwarz/Reuters

Claudia Roth gibt nicht auf. Erneut will die Grünen-Bundeschefin für einen der beiden Chefposten kandidieren, obwohl sie bei der Urwahl der Basis für die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2013 eine deutliche Abfuhr erhalten hatte. Auf ihre Standhaftigkeit haben viele in der Partei mit Erleichterung reagiert. Als Roth am frühen Montagmorgen vor die Presse trat, hatten einige befürchtet, sie könnte sich aus der Parteispitze zurückziehen.

Roths Co-Vorsitzender Cem Özdemir sagte, er könne Roths Enttäuschung über ihr schlechtes Abschneiden bei der Urwahl zur Bundestagsspitzenkandidatur verstehen. Umso mehr freue er sich, dass sie beim Parteitag am Wochenende in Hannover trotzdem wieder für den Vorsitz kandidieren wird. Fraktionschef Jürgen Trittin räumte ein, dass es für Roth eine "sicherlich existenziell schwierige Entscheidung" gewesen sei, erneut zu kandidieren. Er freue sich über ihre Entscheidung. Roth werde für den bevorstehenden "harten Wahlkampf" gebraucht, sagte die Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt .

Bei der Mitgliederabstimmung über die Spitzenkandidaten hatte die Parteilinke nur den vierten Platz erreicht – hinter Trittin, Göring-Eckardt und Fraktionschefin Renate Künast .

Candystorm flaut nicht ab

Danach war das gesamte Wochenende über unklar, ob sie Parteichefin bleiben will. Roth sagte, viele Parteifreunde hätten sie am Samstag und Sonntag ermuntert, doch weiterzumachen. "Die Rückmeldungen aus der Partei waren sehr deutlich", sagte Özdemir.

Roth war in der Urwahl auf 26 Prozent Zustimmung gekommen – nur jeder vierte Teilnehmer wollte ihr die Verantwortung für den Bundestagswahlkampf und die mögliche Regierungsarbeit übertragen . Offensichtlich weit mehr Grüne wollen dagegen, dass sie die Partei weiter zusammenhält. Ein von Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck entfachter Candystorm im Netz soll Roth ermutigt haben, wieder zu kandidieren.

Aus vielen Richtungen vernahm Roth Anerkennung. Er sei "sehr froh", sagte der Grünen-Energiepolitiker Thilo Hoppe, der seine Partei aber auch zu Geschlossenheit mahnt. Er wünsche Ihr ein gutes Ergebnis in Hannover "und uns Grünen jetzt vor allem Teamgeist". Trittin äußerte sich "ziemlich zuversichtlich", dass sie ein gutes Ergebnis bekomme.

Kritische Reaktionen

Der Candystorm im Netz flaute am Montag nicht ab, euphorisch bedankten sich Grüne und ihre Sympathisanten. Roths langjähriger Weggefährte Hans-Christian Ströbele schrieb: "Danke, liebe Claudia Roth!" Und ergänzte im Stil des US-Präsidentschaftswahlkampfes: "For more years: yes you can!" Die Bundestagsabgeordnete Monika Lazar schrieb, wenn der Tag mit Claudia Roths Weitermachen beginne, "dann war der Montagmorgen gut".

Viele meldeten sich aber auch kritisch zu Wort. Vom "Rückzug auf Raten" war die Rede, andere warfen ihr fehlende Konsequenz vor : Jetzt sei Machterhalt wichtiger als Aufrichtigkeit. "Schade Frau Roth", meldete sich ein Twitter-Nutzer.

Ähnliches war aus dem Lager der politischen Gegner zu vernehmen. Die Twitter-Nutzerin und CSU-Familienpolitikerin Dorothee Bär lästerte, wenn alle Grünen "Wir-wollen-Claudia-Jubler" in ihrer Twitter-Timeline Roth auch gewählt hätten, wäre sie jetzt Spitzenkandidatin. Der FDP-Finanzpolitiker Volker Wissing warf ihr indirekt vor , das Abstimmungsergebnis nicht zu akzeptieren. Roth hatte nach dem Bekanntwerden des Urwahl-Ergebnisses gesagt: "Direkte Demokratie kann auch mal schiefgehen."