BundestagswahlKristina Schröder liebäugelt mit Schwarz-Grün

Die Grünen-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt kommt in Teilen der CDU so gut an, dass neue Koalitionsoptionen erwogen werden. Kanzlerin Merkel lehnt Schwarz-Grün aber ab. von dpa und dapd

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ( CDU ) zeigt sich offen für ein Bündnis der Union mit den Grünen nach der Bundestagswahl 2012. "Ich kann mir Schwarz-Grün prinzipiell schon seit Langem vorstellen", sagte die CDU-Politikerin dem Radiosender hr1 .

Es komme aber sehr auf die handelnden Personen an: "Wenn die Optionen so wären, müsste man drüber reden, und dann sollte man vorurteilslos schauen", sagte Schröder. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt , sei eine "kluge Frau" und stehe durchaus "für bürgerliche Werte".

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Kanzlerin Angela Merkel dagegen erteilte nach einem Focus -Bericht schwarz-grünen Gedankenspielen eine Absage. Sie habe in einer CDU-Präsidiumssitzung auf große inhaltliche Differenzen mit den Grünen hingewiesen, berichtete das Magazin. Zudem habe Merkel vor den machtpolitischen Folgen gewarnt, die ein Regieren mit den Grünen erschweren würden: "Dann hätten wir null Stimmen im Bundesrat."

Die Kanzlerin habe sich erstaunt gezeigt, dass die Nominierung von Göring-Eckardt als grüne Spitzenkandidatin von Parteifreunden als Signal für Schwarz-Grün gedeutet worden war. Das allein verändere nichts, sagte Merkel dem Bericht zufolge.

CSU sieht keine Schnittmenge mit den Grünen

Auch die Schwesterpartei CSU lehnt Schwarz-Grün ab. CSU-Chef Horst Seehofer sagte, es gebe gravierende Unterschiede zwischen der Union und den Grünen. Dies gelte unabhängig vom jeweiligen Spitzenpersonal der Grünen.

Dem schloss sich die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe Gerda Hasselfeldt an: "Denen aus der CDU, die jetzt über Schwarz-Grün schwadronieren, empfehle ich dringend, die Beschlüsse des grünen Parteitags nachzulesen." Die Unterschiede zwischen der Union insgesamt und den Grünen seien groß, die Unterschiede zwischen CSU und Grünen noch größer, sagte die CSU-Politikerin der Welt . "Da gibt es wirklich keine Schnittmenge."

Hasselfeldt warf den Grünen einen programmatischen Linksruck vor. "Die Grünen haben eben nicht den leistungsbereiten Bürger im Blick, sondern planen eine Umverteilungsorgie, die sie mit Steuererhöhungen finanzieren wollen." Der Grünen-Plan, Hartz IV um mehr als zehn Prozent zu erhöhen, sei eine Ohrfeige für jeden Arbeitnehmer genau wie die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen.

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Leserkommentare
    • vonDü
    • 24. November 2012 19:56 Uhr

    Blendet man das Farbenspektrum und die damit verbundenen Etiketten aus, dann sieht man zwei bürgerliche Parteien mit deutlichen Gemeinsamkeiten bei den Wählerprofilen.

    Vieles vom Trennenden der Anfangszeit ist längst Geschichte. Fundamentale "No Go's", die CDU/CSU und Grüne prinzipiell und unüberwindbar an einer Zusammenarbeit hindern würden, gibt es nicht mehr wirklich.
    Dass eine junge Konservative, die ohne antiquiertes Familienbild und ohne linkes Feindbild aufgewachsen ist, keine Berührungsängste kennt und Gemeinsamkeiten entdeckt, halte ich nicht für sensationell. Dass die "alten Hasen" in beiden Lagern, diesem Kurs in naher Zukunft folgen, halte ich aber eher für zweifelhaft.

    Eine Leserempfehlung
  1. "Nachgerade Schreikrämpfe muss bekommen, wer Steffi Lemke hörte, die KGE als "Anwältin der Armen" bezeichnete. Schauen wir genau hin, denn hinter den Schlagwörtern der KGE ist zwar von Generationengerechtigkeit, Nachhaltigkeit und "Gedöns" die Rede, aber konkret armutsbekämpfende Forderungen sind nicht darunter."

    Wenn es konkret wird, sind die Grünen weg. Es geht um ihre Posten, nicht um Inhalte. Es geht um das Spiel mit den Scheininhalten. Armut wird also verurteilt, aber nicht bekämpft. Daher sind auch die Grünen eine harte Hartz-Partei und keineswegs politisch limks. Sie sind in ihrer Wirkung eher rechts als links, eine Klientelpartei der Bürokratie. Sie sind Ideologen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Endlich!"
  2. ist, gelinde gesagt, bedeutungslos.

    >>Schröder (CDU) zeigt sich offen für ein Bündnis der Union mit den Grünen nach der Bundestagswahl 2012. "Ich kann mir Schwarz-Grün prinzipiell schon seit Langem vorstellen"<< Artikel Auch diese Vorstellung zeigt, dass Fr. Sch. sehr viel in ihrer Fantasiewelt unterwegs ist, nicht besonders viel versteht von den realen Dingen des Lebens und von Politik noch weniger.

    Denn G.-E. hat sich sehr deutlich ausgedrückt: die schwarzen Wähler an Land ziehen, doch mit den Schwarzen regieren keineswegs.

    Auch wenn auf kommunaler Ebene viele Bündnisse zwischen Union und Grüne realpolitisch gut funktionieren, weil man sich eben an den konkreten Dingen orientieren muss, würden die Grünen massenhaft Wähler verlieren, würden sie mit den Schwarzen m Bund koalieren wollen.

  3. Es ist kaum zu glauben, dass die Gruenen umschwenken werden und mit der Union ein Buendnis schliessen. Taeten sie das, verloeren sie ihre Glaubwuerdigkeit unter ihren Waehlern. Also Frau Schroeder sollte, waere sie klug genug zu verstehen, dass ohne die FDP wuerde sie bald auf der Oppositionsbank landen. Es waere ratsam,wenn sie sich fuer die Fortsetzung der jetzigen Koalition einsetzen wuerde. Bitte seien Sie pragmatisch, Frau Schroeder.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, rav
  • Schlagworte Angela Merkel | Grüne | Bundestagswahl | CDU | CSU | Gerda Hasselfeldt
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