Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel will gegen das Betreuungsgeld eine Verfassungsklage einreichen. Der Zeitung Die Welt sagte Gabriel, es gebe viele Verfassungsrechtler, "die es völlig absurd finden, dass der Staat eine Leistung dafür zahlt, dass eine andere staatliche Leistung nicht angenommen wird".

Gabriel sagte, nach der Logik des Betreuungsgelds müsste jedem Geld überwiesen werden, der auf den Besuch eines staatlich subventionierten Theaters verzichte oder das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs nicht nutze. "Eltern Geld dafür zu geben, dass sie ihre Kinder nicht in den Kindergarten bringen, ist absurd." Auch das Land Hamburg will der Welt zufolge klagen, weil der Bund nicht die Gesetzgebungskompetenz für das Betreuungsgeld habe.

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte angekündigt, das Betreuungsgeld bei einem Wahlsieg der SPD als eine der ersten Regierungsmaßnahmen wegfallen zu lassen. Das Geld gehöre in den Ausbau von Kindertagesstätten.

Nach der Einschätzung des Staatsrechtlers Ulrich Battis von der Berliner Humboldt-Universität werden mögliche Klagen gegen das Betreuungsgeld "vor dem Bundesverfassungsgericht keinen Erfolg haben". "Nicht alles, was sich Frauen- oder Familienpolitikerinnen wünschen, ist auch verfassungsrechtlich geboten", sagte Battis der Passauer Neuen Presse . Das Grundgesetz lasse der Politik in der Familien- und in der Sozialpolitik einen sehr weiten Handlungs- und Gestaltungsspielraum. Es sei "legitim und verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden", wenn Eltern, deren Kinder keinen Kita-Platz in Anspruch nehmen, eine finanzielle Anerkennung erhalten", sagte Battis.

Am Freitag hatte der Bundestag das umstrittene Betreuungsgeld beschlossen . Auch Mitglieder der schwarz-gelben Koalition hatten die Unterstützung kritisiert. Ab dem 1. August 2013 soll das Geld an Eltern gezahlt werden, die ihr Kind nicht in eine Kindertagesstätte geben.