Mitgliederentscheid : Grüne erzielen hohe Urwahl-Beteiligung

Knapp 62 Prozent der Grünen-Parteimitglieder haben sich an der Kür ihres Wahlkampf-Spitzenduos beteiligt – mehr als erwartet. Ergebnisse soll es am Samstag geben.
Eine Helferin öffnet Briefe mit Stimmen der Grünen-Urwahl. © Clemens Bilan/dapd

An der Urwahl für das Wahlkampf-Spitzenduo der Grünen haben sich 61,6 Prozent der knapp 60.000 Parteimitglieder beteiligt, das teilte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke mit. Die innerparteiliche Demokratie sei gestärkt, sagte Lemke. Nach Abschluss der Auszählung solle das Ergebnis am Samstag verkündet werden.

Als wahrscheinlich gilt, dass Fraktionschef Jürgen Trittin und eine der Bewerberinnen Claudia Roth , Renate Künast oder Katrin Göring-Eckardt das Rennen machen. Auch zwei Frauen sind als Spitzen-Duo möglich. Zudem hatten sich mehrere bis dato kaum bekannte Grünen-Mitglieder beworben.

Die Grünen sind die erste Partei in Deutschland, die ihre Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl mit einer Urwahl bestimmt. Erwartet wurde eine Beteiligung von 50 bis 60 Prozent.

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Kommentare

9 Kommentare Kommentieren

Wahlbeteiligung

Kann irgendjemand erklären, wie es sein kann, dass diese Wahlbeteiligung so lächerlich tief ist?
Das ist schließlich nicht etwa die Wahlbeteiligung der gesamten, an Politik teilweise desinteressierten Bevölkerung sondern der eigenen Parteimitglieder!
Wie kann es so viele Mitglieder in einer Partei geben, die da nicht abstimmen? Wozu bitte, ist man denn Mitglied einer Partei, wenn man sich noch nichteinmal mit einer Stimme an der Entscheidung über Parteiprogramm bzw -kandidaten beteiligen möchte?

Ich bin schockiert, aber mehr noch verblüfft. Bitte, kann mir das irgendjemand plausibel machen?

Danke!

Viele sind

einfach unentschlossen, oder es ist für sie nicht von großer Bedeutung, da der Inhalt des Programms vom Kandidaten unabhängig sein muss auf Bundesebene. Es ist doch nicht ungewöhnlich, wenn um die 60% wählen.
Vergessen sollten Sie auch nicht die "stillen" Mitglieder, die man in jeder Vereinigung hat. Quasi Karteileichen. Wenn man diese Gruppen alle zusammenzieht, dann ist das ein ordentliches Ergebnis.
Ich würde es spannend finden, wie eine solche Wahl bei der FDP ausgehen würde, also wie stark aktuell der Rückhalt für unseren Vizekanzler ist, der eine Partei von 18% auf 4% gebracht hat, aber keinerlei Schuld bei sich sieht.

Karteileichen

Sie haben wohl recht.

Bei der FDP wäre das gewiss spannend - allerdings - gerade die mögliche Frustration mit Rösler wäre doch eine Motivation für viele Mitglieder, abzustimmen - um ggf. einen anderen Spitzenkandidaten durchzusetzen.

Oder aber es könnte sich zeigen, dass Rösler innerhalb der FDP vielleicht doch mehr Rückhalt genießt als man denkt - ein solches Signal könnte auch nach außen gewiss nicht schaden.

Grundsätzlich stimme ich #2 zu: Es ist schlimm genug, wie groß der Einfluss der Parteien ist, wie wenig Wahlfreiheit dem Wähler da letztlich noch bleibt, bzw. wie wenig Einfluss. Da ist es eindeutig zu begrüßen, wenn zumindest innerhalb der Parteien nicht alles innerhalb der Vorstände entschieden wird, sondern "basisdemokratisch".

Spitzenkandidatur - als was???

Was macht ein grüner Spitzenkandidat/eine grüne Spitzenkandidatin eigentlich? Haben vielleicht 38% der Mitglieder der Partei kapiert, dass dieses "Amt" völlig lächerlich ist? Er/sie wird nicht Kanzler/-In und als Doppelspitze auch nicht Vize. Die Grünen brauchen weiter gute Inhalte - aber keine inhaltsleere Pöstchen wie eine "Spitzenkandidatur". Auch für die Grünen finden nächstes Jahr Wahlen mit 16 Landeslisten statt mit jeweils eigene/n SpitzenkandidatInnen! Was mich irritiert: 62% der Grünen-Mitglieder haben bei dieser Farce mitgemacht!!!! Ich habe sie für klüger gehalten!

Das ist ein

wirklich guter Schritt, den die Grünen hier gegangen sind, von denen andere Parteien durchaus lernen könnten, wie z.B. der potentielle Koalitionspartner.
Und doch sollte man stets bedenken, dass man am Ende eine Partei wählt und kein Gesicht. Man wählt ein Programm und die Frage ist, welcher Kandidat dieses am eloquentesten, transparentesten und bürgernah vertreten und erklären kann.

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Liebe Zeit-Redaktion,

seit einiger Zeit verfolge ich die Beiträge über die Grünen genauer als sonst. Mir ist aufgefallen, dass die Grünen in der Regel recht positiv - nicht 100% positiver aber mehrheitlich - in der "Zeit" wegkommen.

Auch dieser Artikel zeugt von dieser Parteilichkeit. Man nehme einmal an, in der CDU oder der FDP würde ein Mitgliederentscheid durchgeführt werden und die Wahlbeteiligung liegt bei 62%: Zerstrittenheit, fehlende Alternative, Unzufriedenheit. Damit hätten sie die FDP beschrieben. Führen die Grünen eine entsprechende Wahl durch, ist die Welt voller Sonnenschein.

Unseriös. So würde ich diesen "Vorwahlkampf" der Zeit beschreiben. Journalistische Unabhängigkeit? Nur auf dem Papier. Nichts gegen Grüne-Journalisten in Ihrer Redaktion - aber dann titulieren Sie doch die Beiträge auch entsprechend und führen den Wähler nicht dumm an der Nase herum.

Viele Grüße aus Berlin

PatrickR