Marina Weisband im Januar 2012 vor den Journalisten der Bundespressekonferenz ©Stephanie Pilick/dpa

Teile der Piratenpartei wünschen sich ein Comeback ihrer ehemaligen Geschäftsführerin Marina Weisband . Dies berichtet zumindest Marina Weisband selbst: "Die Rufe nach mir nehmen zurzeit sehr zu", sagte sie dem Spiegel . Weisband hatte sich vor einem halben Jahr aus gesundheitlichen Gründen von der Parteispitze zurückgezogen und eine mögliche Karriere als Berufspolitikerin "eine gefährliche Schiene" genannt.

Bis Anfang Januar wolle sie über eine Bundestagskandidatur entscheiden, sagte die 25-jährige Psychologiestudentin aus Münster. Eigentlich sei das nichts für sie, aber wenn sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden wolle, müsse sie es versuchen: "Für die Piraten wäre es wohl das Beste, wenn ich wieder antreten würde." Es gebe keine Fraktion, "die mich scheiße findet", und mit 33.000 Followern auf Twitter sei sie die Piratin mit der größten Reichweite.

Zwei Landesverbände der Piraten, die 2013 Landtagswahlen zu bestehen haben, würden eine Rückkehr Weisbands an die Parteispitze begrüßen. "Es wäre super, wenn Marina antreten würde, für den Bundestag oder ein Parteiamt", sagte der niedersächsische Piraten-Vorsitzende Andreas Neugebauer dem Spiegel . Der bayerische Landeschef Stefan Körner ergänzte: "Marina hat dafür gesorgt, dass die Piraten ein ansprechendes Gesicht hatten." Auf diesen Vorteil verzichte man ungern.

Allerdings bestritt Weisband noch am Sonntag, die Aussagen gegenüber dem Spiegel so getroffen zu haben. "Ich weiß nicht, ob ich für irgendwas kandidieren will, ich werde es auch bis zum Jahreswechsel nicht wissen und ich denke gerade nicht darüber nach", sei ihre Antwort immer wieder gewesen, schrieb Weisband in ihrem Blog . Das Magazin habe sie dann falsch zitiert: "Es sind hauptsächlich Mentions auf Twitter, in letzter Zeit schon mehr", sei ihre Aussage gewesen. Daraus habe die Autorin das Zitat "Die Rufe nach mir nehmen zu" gemacht. Dass sie ein Comeback erwäge, wie die Überschrift lautet, sei so ziemlich das Gegenteil von dem, was gerade passiere.

Im aktuellen Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstitut Emnid scheitern die Piraten derzeit allerdings an der Fünf-Prozent-Hürde. Sie verloren einen Prozentpunkt und kommen nur noch auf vier Prozent der Stimmen. Vor einem Jahr hatten sie noch zweistellige Werte.

Ende Oktober hatten die Vorstandsmitglieder Julia Schramm und Matthias Schrade ihren Rücktritt angekündigt . Schramm hatte wegen einer Buchveröffentlichung parteiinterne Kritik einstecken müssen; Schrade verwies zur Begründung auf seinen Konflikt mit dem Politischen Geschäftsführer Johannes Ponader.

Piraten können online anonym über Anträge abstimmen

Der Piraten-Bundesvorsitzende Bernd Schlömer sagte dem Tagesspiegel , er sei durch die Kritik von der Basis härter im Nehmen geworden, ohne diese Veränderung an sich zu mögen. "Aber als Führungskraft einer Partei wird man auch von ihren Mitgliedern geformt." Er wünsche sich einen respektvolleren Umgang miteinander, auch wenn ihn die Beschimpfungen nicht mehr persönlich träfen: "Es wird auch niemandem gelingen, mich rauszuekeln."

Mitglieder der Piratenpartei in Mecklenburg-Vorpommern können nun online verbindlich und unter Pseudonym über politische Anträge abstimmen. Die Mitgliederversammlung in Groß Laasch bei Ludwigslust beschloss am Samstag eine entsprechende Geschäftsordnung. Dazu wurde ein ständig tagender Online-Parteitag eingerichtet, in welchem die Mitglieder über die Software Liquid Feedback abstimmen dürfen.

Angehörige der Mitgliederversammlung können erfragen, wer sich hinter einem Pseudonym versteckt, dürfen dies aber keinem Außenstehenden mitteilen. Diese Form der politischen Beteiligung ist nach Angaben der Piraten bundesweit bisher einzigartig. Der bisherige Vorsitzende Michael Rudolph wurde im Amt bestätigt.

Hinweis: Wir haben den Artikel im Nachhinein aktualisiert und die Reaktionen Weisbands auf die Meldung berücksichtigt.