Ach, die gibt’s ja immer noch. Diese Fortschrittsfeinde und Ewiggestrigen, diese verklemmten Homophoben, die sich gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe wehren. Na, die werden es auch noch verstehen.

So oder so ähnlich tönt es jetzt wieder aus den vermeintlich progressiven und linken Parteien und den Kommentarspalten fast aller Zeitungen, weil die Union sich so schwer damit tut , gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch finanziell mit normalen Ehen gleichzustellen.

Es soll hier nicht darum gehen, ob die steuerrechtliche Angleichung richtig ist oder nicht. Darüber streiten Parteien in der Öffentlichkeit und werden Juristen an Gerichten entscheiden. Worum es hier gehen soll, ist die Art der Debatte.

Elitäres Politikverständnis

Wie über die Gegner der Gleichstellung gesprochen wird, ist ungehörig und bevormundend. Ihre politische Vertretung, der konservative Flügel der Union, ist für diejenigen, die sich als moderne aufgeklärte Menschen verstehen, ein skurriles Reservat fortschrittsfeindlicher Spießer. Ein letzter Rückzugsraum der Ewiggestrigen, die sich doch eigentlich nur zurücksehnen in die biederen fünfziger Jahre. Wo an der Wand ein röhrender Hirsch hängt und das Grammophon Heimatmelodien spielt.

Die sind alle alt und leben nicht mehr lang, denken sich manche. Und mit ihnen wird auch der Widerstand gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen langsam, aber sicher verschwinden. Der gesellschaftliche Fortschritt, er wird darüber hinweggehen.

Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt.