CDU-Parteitag Wider die Arroganz der Homo-Ehen-Verfechter
Die Gegner der Gleichstellung homosexueller Ehen werden als Ewiggestrige abgetan. Dabei müssen sie so ernst genommen werden wie alle anderen, kommentiert L. Jacobsen.
©Peter Kneffel/dpa

Ein homosexuelles Trachtlerpaar auf der Schwulen- und Lesbenparade in München (Archivbild)
Ach, die gibt’s ja immer noch. Diese Fortschrittsfeinde und Ewiggestrigen, diese verklemmten Homophoben, die sich gegen die Gleichstellung der Homo-Ehe wehren. Na, die werden es auch noch verstehen.
So oder so ähnlich tönt es jetzt wieder aus den vermeintlich progressiven und linken Parteien und den Kommentarspalten fast aller Zeitungen, weil die Union sich so schwer damit tut, gleichgeschlechtliche Partnerschaften auch finanziell mit normalen Ehen gleichzustellen.
Es soll hier nicht darum gehen, ob die steuerrechtliche Angleichung richtig ist oder nicht. Darüber streiten Parteien in der Öffentlichkeit und werden Juristen an Gerichten entscheiden. Worum es hier gehen soll, ist die Art der Debatte.
Elitäres Politikverständnis
Wie über die Gegner der Gleichstellung gesprochen wird, ist ungehörig und bevormundend. Ihre politische Vertretung, der konservative Flügel der Union, ist für diejenigen, die sich als moderne aufgeklärte Menschen verstehen, ein skurriles Reservat fortschrittsfeindlicher Spießer. Ein letzter Rückzugsraum der Ewiggestrigen, die sich doch eigentlich nur zurücksehnen in die biederen fünfziger Jahre. Wo an der Wand ein röhrender Hirsch hängt und das Grammophon Heimatmelodien spielt.
Die sind alle alt und leben nicht mehr lang, denken sich manche. Und mit ihnen wird auch der Widerstand gegen die Gleichbehandlung von Homosexuellen langsam, aber sicher verschwinden. Der gesellschaftliche Fortschritt, er wird darüber hinweggehen.
Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt.
- Datum 04.12.2012 - 17:25 Uhr
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"So oder so ähnlich tönt es jetzt wieder aus den vermeintlich progressiven und linken Parteien und den Kommentarspalten fast aller Zeitungen..."
Und solch eine Erkenntnis in der Zeit, die doch sonst für genau so eine Haltung bekannt ist.
...spricht schließlich für eine Zeitung, wenn sie verschiedene Meinungen abbildet.
...spricht schließlich für eine Zeitung, wenn sie verschiedene Meinungen abbildet.
Möglicherweise erschließt sich mir ein Teil des Problems nicht, aber geht es bei der "Gleichstellung" nicht vor allem um finanzielle Vorteile, namentlich das Ehegattensplitting, Erbrecht etc.? Eingetragene Lebenspartnerschaften sind ja bereits anerkannt und andere Unterschiede zur Ehe als die obengenannten fallen mir gerade nicht ein.
Im Überschwang der individuellen Liberalisierung vergessen wir gerne die Motive des Kollektivs, in diesem Fall dem Staat. Fragen wir uns: Was sind die Gründe für finanzielle Vorteile wie Ehegattensplitting? Freut der Staat sich so sehr, dass 2 Menschen sich lieben, dass er ihnen Geld schenken möchte?
Nein, die Interessen werden eher darin liegen, Menschen auch finanziell dazu zu motivieren, eine feste Lebensgemeinschaft zu gründen und Kinder zu kriegen. Ehegattensplitting ist kein Geschenk an Staatsbürger, sondern eine Investition in zukünftige Steuerzahler. Man mag hier zurecht einwenden, dass diese Investition zielgerichteter wäre, wenn statt des Ehegattensplittings ein höherer Steuervorteil für Eltern eingeführt würde, aber da eine Ehe zwischen Mann und Frau mehrheitlich in der Zeugung mindestens eines Kindes resultiert ist auch diese "Investition" des Staates indirekt zielführend.
Schon die Ehe ist grundgesetzlich geschützt; und zwar nicht der Kinder wegen, sondern ihrer selbst wegen.
Gäbe es die ehelichen- und nachehelichen Unterhaltspflichten nicht, hätten wir in Deutschland eine erhebliche Menge mehr Hartz IV Empfänger.
Das Bundesverfassungsgericht hat in ständiger Rechtsprechung entschieden, daß nach dem Gleichheitsgrundsatz in Art. 3 GG "wesentlich Gleiches gleich, und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln ist".
Das Ehegattensplitting knüpft an den Begriff "Ehe" und nicht an den Begriff "Familie" an. Schließlich reicht es aus, verheiratet zu sein, um in den Genuß des Splittings zu kommen.
Steuerlich belohnt wird, daß Menschen sich durch Eheschließung verpflichten, füreinander wirtschaftlich einzustehen (z. B. durch wechselseitige Unterhaltsleistungen). Kinder bekommen wird durch Kindergeld und Steuerfreibeträge gesondert finanziell und steuerlich "belohnt".
Da auch eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften sich verpflichten, wie Ehegatten wirtschaftlich füreinander einzustehen, sind sie gegenüber Ehen "wesentlich gleich" und müssen in Sachen Ehegattensplitting somit gleich behandelt werden. Da dürfte es eigentlich überhaupt keine zwei Meinungen geben. M. E. ist daher der Entschluß, gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften das Steuersplitting zu verweigern, ein bewußter und geplanter Verfassungsbruch.
... dass das Splitting *irgend* etwas mit Kindern zu tun hat, also an einer Stelle davon abhängt, lese ich Ihren Kommentar zu Ende.
Das Ehegattensplitting ist weder Belohnung noch Subvention .
Es trägt schlicht dem Tatbestand Rechnung dass 2 Menschen in der Ehe auch eine "Wirtschaftsgemeinschaft" bilden.
Das gemeinsame Einkommen kommt in einen Topf, wird halbiert und 2 mal mit den allgemeinen Steuersätzen des versteuert. Wo ist das Problem ?
Konsequent zur Förderung der Familie wäre dann ein analoges Familiensplitting das die Kinder mit einbezieht.
Schon die Ehe ist grundgesetzlich geschützt; und zwar nicht der Kinder wegen, sondern ihrer selbst wegen.
Gäbe es die ehelichen- und nachehelichen Unterhaltspflichten nicht, hätten wir in Deutschland eine erhebliche Menge mehr Hartz IV Empfänger.
Das Bundesverfassungsgericht hat in ständiger Rechtsprechung entschieden, daß nach dem Gleichheitsgrundsatz in Art. 3 GG "wesentlich Gleiches gleich, und wesentlich Ungleiches ungleich zu behandeln ist".
Das Ehegattensplitting knüpft an den Begriff "Ehe" und nicht an den Begriff "Familie" an. Schließlich reicht es aus, verheiratet zu sein, um in den Genuß des Splittings zu kommen.
Steuerlich belohnt wird, daß Menschen sich durch Eheschließung verpflichten, füreinander wirtschaftlich einzustehen (z. B. durch wechselseitige Unterhaltsleistungen). Kinder bekommen wird durch Kindergeld und Steuerfreibeträge gesondert finanziell und steuerlich "belohnt".
Da auch eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften sich verpflichten, wie Ehegatten wirtschaftlich füreinander einzustehen, sind sie gegenüber Ehen "wesentlich gleich" und müssen in Sachen Ehegattensplitting somit gleich behandelt werden. Da dürfte es eigentlich überhaupt keine zwei Meinungen geben. M. E. ist daher der Entschluß, gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften das Steuersplitting zu verweigern, ein bewußter und geplanter Verfassungsbruch.
... dass das Splitting *irgend* etwas mit Kindern zu tun hat, also an einer Stelle davon abhängt, lese ich Ihren Kommentar zu Ende.
Das Ehegattensplitting ist weder Belohnung noch Subvention .
Es trägt schlicht dem Tatbestand Rechnung dass 2 Menschen in der Ehe auch eine "Wirtschaftsgemeinschaft" bilden.
Das gemeinsame Einkommen kommt in einen Topf, wird halbiert und 2 mal mit den allgemeinen Steuersätzen des versteuert. Wo ist das Problem ?
Konsequent zur Förderung der Familie wäre dann ein analoges Familiensplitting das die Kinder mit einbezieht.
... und daraus bezieht er ja auch seine Existenzberechtigung. Überrascht wäre ich, wenn auch Gauweiler, Bosbach und Co. für die steuerrechtliche Gleichstellung der Homo-Ehe wären, weil ich ihnen ihren Konservativismus nicht mehr abkaufen würde. Insofern kann ich der Grundaussage des Artikels zustimmen: Hier werden niemandem Menschenrechte aberkannt, sondern der steuerpolitische Umgang mit einer konkreten Lebensform verhandelt. Und das muss demokratisch geschehen. Das heißt, dass auch die Konservativen mitreden dürfen, ob ich will oder nicht.
greetz, BG
wird:
"[...]Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt."
Tut mir herzlich Leid, aber dahingehend wurde ich seit meiner Einschulung trainiert - man hat es sich in der BRD seit ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben, all jenen, die einer Minderheit eine Extra-Gesetzgebung bzw. weniger Rechte angedeien lassen wollen keinen Platz in der politischen Debatte einzuräumen. Das geht bis dahin, dass Parteien, die derartiges Fordern/nur andeuten verboten werden sollen. In diesem Umfeld läuft es zwangsläufig genau so - und das aus gutem Grund!
wird:
"[...]Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt."
Tut mir herzlich Leid, aber dahingehend wurde ich seit meiner Einschulung trainiert - man hat es sich in der BRD seit ihrer Gründung auf die Fahnen geschrieben, all jenen, die einer Minderheit eine Extra-Gesetzgebung bzw. weniger Rechte angedeien lassen wollen keinen Platz in der politischen Debatte einzuräumen. Das geht bis dahin, dass Parteien, die derartiges Fordern/nur andeuten verboten werden sollen. In diesem Umfeld läuft es zwangsläufig genau so - und das aus gutem Grund!
Wieder ein Argument, dass sich hervorragend über den Lackmus-Test "Ersetze 'Ehe zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts' durch 'Ehe zwischen Personen unterschiedlicher Hautfarbe'" entlarven lässt:
Mit genau den Worten dieses Beitrags hätte man in den 50ern (oder früher, je nach Land) auch die neumodischen Verfechter konfessions- oder rassenverschiedener Ehen kritisieren können -- "Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren".
Die Diskriminierung ist die Grundlage der Freiheit. Das Recht für sich und in einer Demokratie für das Kollektiv mit zu entscheiden, was man will oder nicht, darf nicht angetastet werden. Man kann sich darauf einigen das Gleiches nicht ungleich behandelt werden sollte, es wiederspricht aber dem Gerechtigkeitsempfinden wenn grundsätzlich Ungleiches, gleichgestellt werden soll und mehr als das, per Ordre de Mufti gleich bewertet werden muss.
Was die Menschen in ihren 4 Wänden tun geht den Staat einen feuchten Kehricht was an, so lange es sich um Erwachsene handelt. Wollen sie aber Staatliche Leistungen oder Vergünstigungen bekommen, so müssen sich die "neuartigen Partnerschaftsformen" gefallen lassen, dass die Frage aufgeworfen wird, ob eben diese neue "Partnerschaftsformen" zu fördern wären.
Ich persönlich sehe keinen Grund dafür gleichgeschlechtliche Partnerschaften den heterosexuellen rechtlich gleichzustellen. Ich übe so mein Recht auf politische Diskriminierung aus. Mein Recht etwas als gut oder schlecht, als gesellschaftlich nützlich oder nutzlos zu bewerten und mich dementsprechend politisch zu artikulieren.
"Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren".
Sie meinen, alleine durch den Gebrauch von Kampfbegriffen wie "Diskriminierung" sei das schon geregelt? Ist alles, was eine Gesellschaft ablehnt, "Diskriminierung"? Dann sind aber vermutlich 95 Prozent der Menschen auf dieser Welt Diskrimierer - und insbesondere die Homosexualität wird ja nun von gefühlt 80 oder 90 Prozent der Menschen dieser Welt abgelehnt.
Für mich ist das eine ziemlich deutsche Arroganz, nach dem Motto "An unserer Libertas soll die Welt gefälligst mal genesen".
Ihre Sichtweise ist zwar nicht unverständlich, aber leider ignorieren sie völlig die eigentliche Aussage dieses sehr gelugenen Artikels:
"Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt."
Und:
"Was Fortschritt ist und wohin eine Gesellschaft will, wird immer wieder neu verhandelt. Das ist Demokratie."
Dem Autor geht es um demokratietheoretische Fragestellungen, besonders um das Thema des gegenseitigen Respekts unter politisch gleichberechtigten Bürgern. Und dass dieser Respekt in der tat Mangelware im politischen Diskurs unseres Landes ist, haben diverse Diskussionen zu sozio-politischen Themen in der jüngsten Vergangenheit gezeigt.
Nr. 4 Gleusche: Zitat: "Mit genau den Worten dieses Beitrags hätte man in den … auch die neumodischen Verfechter konfessions- oder rassenverschiedener Ehen kritisieren können -- "Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren"."
Klingt nur auf den ersten Blick schlüssig. Auf den zweiten Blick allerdings bedenklich: Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man heute unter Diskriminierung nur einen negativen, moralisch verwerflichen Vorgang. In dieser Logik ist dieser „Test“ ein „Totschlag-Argument“.
„Diskriminierung“ leitet sich vom lateinischen Wort discrimen ab, was „das Unterscheidende“ oder „das Trennende“ bedeutet. Ob wir wollen oder nicht, in der gesellschaftlichen Diskussion geht es immer genau darum: die Unterschiede zwischen verschiedenen Sachverhalten zu erkennen, zu bewerten und mehrheitlich Regeln für den Umgang mit diesen Unterschieden festzulegen.
Im steuerlichen Bereich [hier Ehegatten-Splitting] werden aus unterschiedlichen Gründen vielfältige Diskriminierungen vorgenommen, die im günstigen Fall den gesellschaftlichen Mehrheitswillen abbilden [z.B. Km-Pauschale], im schlechtesten Fall das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit sind [z.B.: Umsatzsteuersatz für Hotelübernachtungen]. Eine offene Diskussion unter Einbeziehung aller gesellschaftlich relevanter Standpunkte über solche Unterscheidungen ist in jedem Fall ehrlicher als eine durch die politische Korrektness verkürzte Meinungsbildung.
@gleusch
Zitat Anfang:
"Wieder ein Argument, dass sich hervorragend über den Lackmus-Test "Ersetze 'Ehe zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts' durch 'Ehe zwischen Personen unterschiedlicher Hautfarbe'" entlarven lässt:
Mit genau den Worten dieses Beitrags hätte man in den 50ern (oder früher, je nach Land) auch die neumodischen Verfechter konfessions- oder rassenverschiedener Ehen kritisieren können -- "Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren"."
Zitat Ende
Ich bin so froh und dankbar für diesen Beitrag.
erstens steht das splitting eh in der kritik, da viele ehepaare keine kinder mehr bekommen,
es sollte also grundsätzlich an die ankunft des nachwuchses geknüpft sein und nicht an die eheschließung.
ab diesem moment wären homopaare auch gleichgestellt, wenn sie ein kind bekommen oder adoptieren.
doch das ganze aus dem zusammenhang lösen und diskriminierung brüllen ist meiner ansicht nach ziemlich billig und macht in meinen augen die redaktionsempfehlung unerklärlich.
Aber die Ehe zwischen Personen unterschiedlicher Hautfarbe war doch meines Wissens in den 50er Jahren nicht verboten und vor dem Gesetz der Ehe zwischen Personen gleicher Hautfarbe gleichgestellt?
Verstehe weder Ihr Argument noch die Redaktionsempfehlung dafuer.
Mein Vater hat einen protestantischen Hintergrund, meine Mutter einen katholischen. Ja, als sie heirateten, gab es gewisse Widerstaende von Seiten der Kirchen, aber mit dem Gesetz sind sie auch damals nicht in Konflikt geraten.
Die Diskriminierung ist die Grundlage der Freiheit. Das Recht für sich und in einer Demokratie für das Kollektiv mit zu entscheiden, was man will oder nicht, darf nicht angetastet werden. Man kann sich darauf einigen das Gleiches nicht ungleich behandelt werden sollte, es wiederspricht aber dem Gerechtigkeitsempfinden wenn grundsätzlich Ungleiches, gleichgestellt werden soll und mehr als das, per Ordre de Mufti gleich bewertet werden muss.
Was die Menschen in ihren 4 Wänden tun geht den Staat einen feuchten Kehricht was an, so lange es sich um Erwachsene handelt. Wollen sie aber Staatliche Leistungen oder Vergünstigungen bekommen, so müssen sich die "neuartigen Partnerschaftsformen" gefallen lassen, dass die Frage aufgeworfen wird, ob eben diese neue "Partnerschaftsformen" zu fördern wären.
Ich persönlich sehe keinen Grund dafür gleichgeschlechtliche Partnerschaften den heterosexuellen rechtlich gleichzustellen. Ich übe so mein Recht auf politische Diskriminierung aus. Mein Recht etwas als gut oder schlecht, als gesellschaftlich nützlich oder nutzlos zu bewerten und mich dementsprechend politisch zu artikulieren.
"Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren".
Sie meinen, alleine durch den Gebrauch von Kampfbegriffen wie "Diskriminierung" sei das schon geregelt? Ist alles, was eine Gesellschaft ablehnt, "Diskriminierung"? Dann sind aber vermutlich 95 Prozent der Menschen auf dieser Welt Diskrimierer - und insbesondere die Homosexualität wird ja nun von gefühlt 80 oder 90 Prozent der Menschen dieser Welt abgelehnt.
Für mich ist das eine ziemlich deutsche Arroganz, nach dem Motto "An unserer Libertas soll die Welt gefälligst mal genesen".
Ihre Sichtweise ist zwar nicht unverständlich, aber leider ignorieren sie völlig die eigentliche Aussage dieses sehr gelugenen Artikels:
"Solches Reden zeugt von einem elitären und letztlich schädlichen Politikverständnis. Denn da werden Bürger nicht mehr als gleichwertige Stimme im politischen Diskurs akzeptiert, sondern belächelt."
Und:
"Was Fortschritt ist und wohin eine Gesellschaft will, wird immer wieder neu verhandelt. Das ist Demokratie."
Dem Autor geht es um demokratietheoretische Fragestellungen, besonders um das Thema des gegenseitigen Respekts unter politisch gleichberechtigten Bürgern. Und dass dieser Respekt in der tat Mangelware im politischen Diskurs unseres Landes ist, haben diverse Diskussionen zu sozio-politischen Themen in der jüngsten Vergangenheit gezeigt.
Nr. 4 Gleusche: Zitat: "Mit genau den Worten dieses Beitrags hätte man in den … auch die neumodischen Verfechter konfessions- oder rassenverschiedener Ehen kritisieren können -- "Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren"."
Klingt nur auf den ersten Blick schlüssig. Auf den zweiten Blick allerdings bedenklich: Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man heute unter Diskriminierung nur einen negativen, moralisch verwerflichen Vorgang. In dieser Logik ist dieser „Test“ ein „Totschlag-Argument“.
„Diskriminierung“ leitet sich vom lateinischen Wort discrimen ab, was „das Unterscheidende“ oder „das Trennende“ bedeutet. Ob wir wollen oder nicht, in der gesellschaftlichen Diskussion geht es immer genau darum: die Unterschiede zwischen verschiedenen Sachverhalten zu erkennen, zu bewerten und mehrheitlich Regeln für den Umgang mit diesen Unterschieden festzulegen.
Im steuerlichen Bereich [hier Ehegatten-Splitting] werden aus unterschiedlichen Gründen vielfältige Diskriminierungen vorgenommen, die im günstigen Fall den gesellschaftlichen Mehrheitswillen abbilden [z.B. Km-Pauschale], im schlechtesten Fall das Ergebnis geschickter Lobbyarbeit sind [z.B.: Umsatzsteuersatz für Hotelübernachtungen]. Eine offene Diskussion unter Einbeziehung aller gesellschaftlich relevanter Standpunkte über solche Unterscheidungen ist in jedem Fall ehrlicher als eine durch die politische Korrektness verkürzte Meinungsbildung.
@gleusch
Zitat Anfang:
"Wieder ein Argument, dass sich hervorragend über den Lackmus-Test "Ersetze 'Ehe zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts' durch 'Ehe zwischen Personen unterschiedlicher Hautfarbe'" entlarven lässt:
Mit genau den Worten dieses Beitrags hätte man in den 50ern (oder früher, je nach Land) auch die neumodischen Verfechter konfessions- oder rassenverschiedener Ehen kritisieren können -- "Es gibt Leute, die diskriminieren wollen, also muss es legitim sein, auch zu diskriminieren"."
Zitat Ende
Ich bin so froh und dankbar für diesen Beitrag.
erstens steht das splitting eh in der kritik, da viele ehepaare keine kinder mehr bekommen,
es sollte also grundsätzlich an die ankunft des nachwuchses geknüpft sein und nicht an die eheschließung.
ab diesem moment wären homopaare auch gleichgestellt, wenn sie ein kind bekommen oder adoptieren.
doch das ganze aus dem zusammenhang lösen und diskriminierung brüllen ist meiner ansicht nach ziemlich billig und macht in meinen augen die redaktionsempfehlung unerklärlich.
Aber die Ehe zwischen Personen unterschiedlicher Hautfarbe war doch meines Wissens in den 50er Jahren nicht verboten und vor dem Gesetz der Ehe zwischen Personen gleicher Hautfarbe gleichgestellt?
Verstehe weder Ihr Argument noch die Redaktionsempfehlung dafuer.
Mein Vater hat einen protestantischen Hintergrund, meine Mutter einen katholischen. Ja, als sie heirateten, gab es gewisse Widerstaende von Seiten der Kirchen, aber mit dem Gesetz sind sie auch damals nicht in Konflikt geraten.
"Es wäre dramatisch, wenn diejenigen, die gegen die Gleichstellung sind, keine politische Vertretung mehr hätten. Egal, ob sie nun von Ängsten, Ressentiments oder harten Argumenten angetrieben werden."
"Ängste" und "Ressentiments" sind nicht besonders konstruktiv oder gar hilfreich in der politischen Gestaltung, im Gegenteil. Und "harte Argumente" ... welche waren das noch mal?
"Angst ist nicht gerade konstruktiv
...
Und "harte Argumente" ... welche waren das noch mal?"
Die Begriffe "Ehe" und "Homosexualität" liegen auf völlig anderen Ebenen und sind in der Tradition der Spezies Mensch völlig unterschiedlich geprägt worden, denn der Aspekt "Sexualität" ist nur ein kleiner Bereich des Begriffsinhalts "Ehe", steht aber bei HS per Bezeichnung im Vordergrund.
Die Aufzucht leiblicher Kinder ist etwas anderes als die Pflege fremder Kinder.
Die Wahrnehmung des Versammlungsrechtes gegen HS gestaltet sich als schwierig - und zeigt, daß dieses Thema so völlig locker nun doch wieder nicht ist.
Wer will in einer homosexuell geprägten Gesellschaft überhaupt noch Kinder in die Welt setzen?
http://www.sciencedirect....
Hat zu einen ziemlichen Sturm in den USA geführt.
"Angst ist nicht gerade konstruktiv
...
Und "harte Argumente" ... welche waren das noch mal?"
Die Begriffe "Ehe" und "Homosexualität" liegen auf völlig anderen Ebenen und sind in der Tradition der Spezies Mensch völlig unterschiedlich geprägt worden, denn der Aspekt "Sexualität" ist nur ein kleiner Bereich des Begriffsinhalts "Ehe", steht aber bei HS per Bezeichnung im Vordergrund.
Die Aufzucht leiblicher Kinder ist etwas anderes als die Pflege fremder Kinder.
Die Wahrnehmung des Versammlungsrechtes gegen HS gestaltet sich als schwierig - und zeigt, daß dieses Thema so völlig locker nun doch wieder nicht ist.
Wer will in einer homosexuell geprägten Gesellschaft überhaupt noch Kinder in die Welt setzen?
http://www.sciencedirect....
Hat zu einen ziemlichen Sturm in den USA geführt.
aber es geht sehr wohl um ein Grundrecht, nämlich das auf Gleichbehandlung und wir können froh sein, dass die Stimmen, welche genau dies untergraben wollen eben nicht gleichviel zählen, zumindest nicht vor dem Gesetz. Eine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung hat in einer aufgeklärten Gesellschaft schlicht keinen Platz!
"Es tut mir leid,
aber es geht sehr wohl um ein Grundrecht, nämlich das auf Gleichbehandlung und wir können froh sein, dass die Stimmen, welche genau dies untergraben wollen eben nicht gleichviel zählen, zumindest nicht vor dem Gesetz."
Jedem Mann steht es frei sich eine Ehefrau zu nehmen. Insofern kommt Ihr Argument, dass keine Gleichbehandlung vorliege, bei der Homo"ehe" nicht zur Anwendung. Ehe ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Zwei Männer können das aus natürlichen Gründen nicht erreichen und das Gesetz sollte auf dieses Detail Rücksicht nehmen.
Ja, wir reden hier über "Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung", aber über positive Diskriminierung. Hier wird eine Gleichheit konstruiert, wo keine ist.
Und diese elementare Entscheidung ist eben noch nicht getroffen.
Gibt es das Ehegattensplitting, weil Partner in einer Ehe ein Treuegelübde abgeben in Zukunft füreinander zu sorgen? Oder gibt es ein Ehegattensplitting, weil mit der Ehe eine Institution gefördert wird, aus der zukünftige Generationen entspringen sollen?
Ist es Punkt 1, dann gibt es kaum Argumente gegen eine Gleichbehandlung.
Ist es Punkt 2, dann sollte man sich fragen, warum man die Ehe und nicht den Nachwuchs fördert.
Insbesondere kommt bei Punkt 2 eine weitere Gruppe von Paaren mit hinzu: heterosexuelle Paare, die keine Kinder zeugen können.
Das hat wenig mit Modernität oder homosexuellen Rechten zu tun.
Das Ehegattensplitting kann wahrgenommen werden, muss aber nicht. Es ist eine Bevorzugung, bzw. Förderung der heterosexuellen Ehe. Gleichstellung, im Sinne einer zusätzlichen Bevorzugung der homosexuellen Ehe, macht der Sinn der Förderung ja zu nichte.
Das bedeutet: Eine Gleichstellung der homosexuellen Ehe ist nur realisierbar, wenn das Ehegattensplitting abgeschafft wird. Eben die Bevorzugung gestrichen wird.
Das hat wenig mit Modernität oder homosexuellen Rechten zu tun.
Dennoch vermisse ich hier das Kernproblem bei der Homoehe:
Wenn wir unsere überkommenen Traditionen und Werte schon relativieren und teilweise über Bord werfen: Warum soll dann nur die Gruppe der Homosexuellen davon (=von einem neuen Extra-Privileg) profitieren?
Mit welchen Argumenten will man dann der Polygamie oder der Geschwisterliebe die Gleichstellung mit der traditionellen Ehe vorenthalten?
DAS ist für mich die Frage, die geklärt werden muß, bevor hier irgendetwas gleichgestellt wird!
Ich meine, nur weil es für die letzteren beiden Beispiele keine Lobby gibt, ist kein stichhaltiges Argument.
Und wenn wir noch einen Schritt weitergehen und die steuerlichen Vergünstigungen betrachten, die mit dem Ehestatus & Homo-Ehe-Status einhergehen: Was will der Staat mit dieser Vergünstigung / Förderung aussagen? Will er das Haben von Sex fördern?
Wenn nicht das, warum läßt er dann nicht auch andere, nicht-sexuelle Partnerschaften profitieren, sagen wir Wohngemeinschaften, gute Freunde, Geschwister oder Eltern-Kind-Beziehungen. Oder Singles!
Da müßten schon echte Begründungen her!
"Es tut mir leid,
aber es geht sehr wohl um ein Grundrecht, nämlich das auf Gleichbehandlung und wir können froh sein, dass die Stimmen, welche genau dies untergraben wollen eben nicht gleichviel zählen, zumindest nicht vor dem Gesetz."
Jedem Mann steht es frei sich eine Ehefrau zu nehmen. Insofern kommt Ihr Argument, dass keine Gleichbehandlung vorliege, bei der Homo"ehe" nicht zur Anwendung. Ehe ist eine Verbindung zwischen Mann und Frau. Zwei Männer können das aus natürlichen Gründen nicht erreichen und das Gesetz sollte auf dieses Detail Rücksicht nehmen.
Ja, wir reden hier über "Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung", aber über positive Diskriminierung. Hier wird eine Gleichheit konstruiert, wo keine ist.
Und diese elementare Entscheidung ist eben noch nicht getroffen.
Gibt es das Ehegattensplitting, weil Partner in einer Ehe ein Treuegelübde abgeben in Zukunft füreinander zu sorgen? Oder gibt es ein Ehegattensplitting, weil mit der Ehe eine Institution gefördert wird, aus der zukünftige Generationen entspringen sollen?
Ist es Punkt 1, dann gibt es kaum Argumente gegen eine Gleichbehandlung.
Ist es Punkt 2, dann sollte man sich fragen, warum man die Ehe und nicht den Nachwuchs fördert.
Insbesondere kommt bei Punkt 2 eine weitere Gruppe von Paaren mit hinzu: heterosexuelle Paare, die keine Kinder zeugen können.
Das hat wenig mit Modernität oder homosexuellen Rechten zu tun.
Das Ehegattensplitting kann wahrgenommen werden, muss aber nicht. Es ist eine Bevorzugung, bzw. Förderung der heterosexuellen Ehe. Gleichstellung, im Sinne einer zusätzlichen Bevorzugung der homosexuellen Ehe, macht der Sinn der Förderung ja zu nichte.
Das bedeutet: Eine Gleichstellung der homosexuellen Ehe ist nur realisierbar, wenn das Ehegattensplitting abgeschafft wird. Eben die Bevorzugung gestrichen wird.
Das hat wenig mit Modernität oder homosexuellen Rechten zu tun.
Dennoch vermisse ich hier das Kernproblem bei der Homoehe:
Wenn wir unsere überkommenen Traditionen und Werte schon relativieren und teilweise über Bord werfen: Warum soll dann nur die Gruppe der Homosexuellen davon (=von einem neuen Extra-Privileg) profitieren?
Mit welchen Argumenten will man dann der Polygamie oder der Geschwisterliebe die Gleichstellung mit der traditionellen Ehe vorenthalten?
DAS ist für mich die Frage, die geklärt werden muß, bevor hier irgendetwas gleichgestellt wird!
Ich meine, nur weil es für die letzteren beiden Beispiele keine Lobby gibt, ist kein stichhaltiges Argument.
Und wenn wir noch einen Schritt weitergehen und die steuerlichen Vergünstigungen betrachten, die mit dem Ehestatus & Homo-Ehe-Status einhergehen: Was will der Staat mit dieser Vergünstigung / Förderung aussagen? Will er das Haben von Sex fördern?
Wenn nicht das, warum läßt er dann nicht auch andere, nicht-sexuelle Partnerschaften profitieren, sagen wir Wohngemeinschaften, gute Freunde, Geschwister oder Eltern-Kind-Beziehungen. Oder Singles!
Da müßten schon echte Begründungen her!
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Artikelthema. Danke, die Redaktion/jk
Die an den Haaren herbeigezogene "Argumentation" des Artikels (bildlich gesprochen kratzt sich der Autor beim Kopfstand mit dem kleinen Zeh am Rücken) kann auch für andere Anliegen verwendet werden.
Wie wär's mit der Wiedereinführunng des Dreiklassenwahlrechts (nur für Frauen)?
Eine neue NSDAP würde wieder versuchen die Demokratie abzuschaffen. Solange die breite Masse der Gegner der „Homo-Ehe“ nicht nachweislich die Absicht verfolgt Homosexualität an sich wieder unter Strafe zu stellen, hingt dieser Vergleich daher und ist nichts als dumme Propaganda.
Die an den Haaren herbeigezogene "Argumentation" des Artikels (bildlich gesprochen kratzt sich der Autor beim Kopfstand mit dem kleinen Zeh am Rücken) kann auch für andere Anliegen verwendet werden.
Wie wär's mit der Wiedereinführunng des Dreiklassenwahlrechts (nur für Frauen)?
Eine neue NSDAP würde wieder versuchen die Demokratie abzuschaffen. Solange die breite Masse der Gegner der „Homo-Ehe“ nicht nachweislich die Absicht verfolgt Homosexualität an sich wieder unter Strafe zu stellen, hingt dieser Vergleich daher und ist nichts als dumme Propaganda.
Verstehe, Intoleranz sollte im politischen Diskurs also den gleichen Stellenwert wie Toleranz haben. Sehr interessante Argumentationsweise ...