Peter StruckLoyal, witzig, wirkungsvoll

Er wollte nicht die Karriereleiter hinauf, er wollte Aufgaben erledigen: Peter Struck war 30 Jahre ein wichtiger Strippenzieher der deutschen Politik. von 

Um das Besondere an Peter Struck zu beschreiben, könnte man einfach sagen: Er war ein Typ, wie es sie in der Politik heutzutage nicht mehr oft gibt: kantig, ehrlich, direkt, witzig, pflichtbewusst.

Man kann Struck aber auch einfach mit seinem Vorgänger und seinem Nachnachfolger als Verteidigungsminister vergleichen, um ihn zu erklären: Rudolf Scharping ( SPD ) und Karl-Theodor zu Guttenberg ( CSU ), die beiden zielstrebigen Ehrgeizlinge. Der eine, der Sozialdemokrat, hatte seine große Chance schon gehabt als Kanzlerkandidat, der andere, der Christsoziale, konnte die seine kaum erwarten.

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Peter Struck war sehr anders. Der gelernte Jurist und Anwalt strebte nicht nach oben wie Scharping und zu Guttenberg. Erfolg bestand für ihn nicht als erstes darin, die Karriereleiter möglichst schnell und weit hinaufzuklettern. Sein Ehrgeiz war anderer Natur: Er wollte die Aufgaben, die ihm gestellt waren, erledigen. Probleme lösen. Schwierigkeiten überwinden. Im Ernstfall hieß das: Schaden vom Staat und von der Demokratie abwenden.

Strucks Leben auf der großen politischen Bühne begann im Bonn der 1980er Jahre. Dort war er eine der zentralen Figuren im Flick-Ausschuss. Dieses Bundestagsgremium untersuchte die skandalöse Parteispendenaffäre der alten Bundesrepublik. Seine gelegentlich etwas holzschnittartig direkte Art, den vorgeladenen, vorwiegend konservativen Stützen der Gesellschaft auf den Zahn zu fühlen, setzte Maßstäbe. Als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion in den dürren Jahren der Opposition gegen den unverrückbaren Kanzlerriesen Kohl war Struck der stille Netzwerker innerhalb einer frustrierten und daher schwer zu führenden SPD-Fraktion.

Und plötzlich ein Kärrner-Job

Danach, in der rot-grünen Zeit, wurde er für Kanzler Gerhard Schröder als Fraktionsvorsitzender zur unentbehrlichen Stütze: kein Konkurrent mit eigener Agenda, keiner, der auf seine eigene Chance zum Sprung an die Macht wartete, aber zugleich ein Politikmanager, der "den Laden" – also die Fraktion – unter schwierigen Bedingungen zusammen hielt. Vor allem in der Frage des Militäreinsatzes in Afghanistan .

Und dann der plötzliche Notfall, als es hieß: den gefeuerten Scharping ersetzen, das Verteidigungsressort in den Griff bekommen, der Truppe – vor allem den Soldaten, nicht nur den Generälen – moralisch den Rücken stärken, die Partei als Minister ruhig halten und die zunehmend skeptischen Wähler davon überzeugen, dass Deutschlands Sicherheit "auch am Hindukusch " verteidigt werde. Ein Kärrner-Job, wenig verlockend für einen, dem die Parlamentsarbeit zum Elixier geworden war. Der das damit verbundene politische Hintergrundspiel der Eingeweihten perfekt beherrschte und damit zu einer Symbolfigur für einen funktionierenden Parlamentarismus geworden war.

Leserkommentare
  1. Vor allem Peter Strucks Einstellung zu sozial Schwachen, als dieser den vermeintlichen Missbrauch von Sozialleistungen wie bei Hartz IV angeprangerte "Das Menschenbild, das wir hatten, war vielleicht zu positiv", Zitat Struck.

    Das ging sogar Hardlinern wie Edmund Stoiber (CSU) oder Guenther Oettinger (CDU) zu weit und distanzierten sich. Allenfalls Parteikollegen wie Franz Müntefering oder Kurt Beck (beide SPD) konnten drüber lachen.

    Das war noch vor der unlimitierten Banken-, sorry, "Griechenlandrettung". Deutschland hat sich seit Struck, Schröder & Co. ja leider vom Soziialstaat in eine Art Gratis-Allroundversicherung für Investmentbanker, korrupte Regierungen, Vermögende und andere Zocker verwandelt.

    Und das find' so manch anderer wiederum furchtbar lustig.

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    So ärgerlich diese Aussage ist, bezweifele ich, daß es einen anderen Grund für die Distanzierung Stoibers (O-Ton: "Deutschland verraßt") et alii gab als den, die Vorlage des pol. Gegners für Wählerstimmenerwerb zu nutzen. Und das Mitkichern von Beck und Müntefering ist wohl auch der Parteiräson zu verdanken.
    Garstig bleibt es trotzdem.

    .... nach diesen Tiraden am Todestag für einen besseren Menschen als Struck, dem es gestattet wäre, so von oben herab zu urteilen?

    Ich Sie nicht.

    • ST_T
    • 19. Dezember 2012 22:15 Uhr

    Können Sie nicht einmal am Todestag stillhalten?
    Muss eine solche Debatte um den tragischen Tod eines jungen Menschen noch am selben Tag sein?

    Ich finde ihren Kommentar zwar richtig, aber zu diesem Zeitpunkt reichlich pietätlos!

    • Legatus
    • 19. Dezember 2012 22:16 Uhr

    Verlogen bis zum geht nicht mehr.

    "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt."
    Wohl Strucks berühmtester Satz, schade, dass man ihn damit immer in Verbindung bringen wird.
    Für mich einer der wenigen sympathischen Politiker. Ruhe in Frieden.

    • cb81
    • 19. Dezember 2012 22:25 Uhr

    Es gehört sich nicht, am Todestag eines Menschen über seine Fehler im leben zu diskutieren. Auch deshalb kann man, wie von Angela Merkel geschehen, erstmal das positive hervorheben, wenn man überhaupt über einen leidlicherweise Dahingeschiedenen diskutieren sollte.

    finde ich nicht witzig, sondern erbärmlich. Und das am Todestag von Peter Struck

  2. So ärgerlich diese Aussage ist, bezweifele ich, daß es einen anderen Grund für die Distanzierung Stoibers (O-Ton: "Deutschland verraßt") et alii gab als den, die Vorlage des pol. Gegners für Wählerstimmenerwerb zu nutzen. Und das Mitkichern von Beck und Müntefering ist wohl auch der Parteiräson zu verdanken.
    Garstig bleibt es trotzdem.

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  3. wird schon nach seinen Erfolgen und Mißerfolgen gefragt.
    Da hätte man doch ein paar Tage warten können.

    Auch ich habe viel negatives beizutragen, werde es aber jetzt noch nicht tun. Nach seiner Bestattung bleibt noch genug Zeit.

    Jetzt ist erst einmal die Zeit der Ruhe und Stille.

    Nächstes Jahr kann man weitersehen.

    Jetzt ist Zeit der Achtung vor dem Toten.

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    Mit Peter Struck konnte ich zwar nicht immer politisch, übereinstimmen, ihn aber immer MENSCHLICH wertschätzen: Denn er erschien durch und durch authentisch, weil er wirklich meinte, was er sagte und worum er sich gradlinig nach Kräften bemühte - ohne mediale Effekthaschrei.
    Trotz seiner trockenen punktgenauen "Witzigkeit" wäre ich bei ihm nie auf Idee gekommen, ihn gewissen politischen "Sprücheklopfern" zuzuordnen.

    Selbst als Fraktionsvorsitzender war er sich nicht zu schade, am Freitagabend ganz selbstverständlich seinen Einkaufswagen durch den Supermarkt zu schieben und sich in lange Warteschlangen an der Kasse einzureihen. (Zweimal hatte ich direkt hinter ihm gestanden.)

    Er war ein Mensch ohne Berührungsängste, der Emotionen zeigte im offenen Minenspiel - einer von uns, einer mit uns, einer für uns:
    Ein richtiger Sozialdemokrat eben, aus echtem Schrot und Korn.
    Ich fürchte, Peter Struck war einer der letzten ...

  4. .... nach diesen Tiraden am Todestag für einen besseren Menschen als Struck, dem es gestattet wäre, so von oben herab zu urteilen?

    Ich Sie nicht.

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    Sie spielen auf charakterliche Eigenschaften an? Damit sollten Sie vielleicht noch etwas warten. Auf jeden Fall denke ich, dass Ihr Vorredner nicht Herrn Struck, als solchen, meinte, Kommentare zu seiner Rolle werde ich mir, zu dieser Zeit, auch enthalten, also dass er nicht auf den Tod Herrn Strucks anspielte, sondern auf eine Behauptung im Artikel retournierte. Wenn Sie wünschen, dass hier der Verstorbene nicht kritisiert wird, was ich auch befürworte, dann sollte man sich vielleicht dafür einsetzen, bei keiner gerade verstorbenen Person, deren charakterliche Eigenschaften überproportional zu betonen,weil auf diesem Gebiet wohl jede/r, auch Sie und ich, immer angreifbar sind. (Zur Aussage: Hartz IV hat tatsächlich Leid und Elend über Hunderttausende gebracht, da muss ich dem Vorredner beipflichten). Aber dies wäre wohl ein Appel an die Zeit und an die Medien pietatischer mit dem Andenken Verstorbener umzugehen, und sich jeder grabredenähnlicher Lobhudelei (aber auch jeder Kritik, die ist im Falle des Todes nicht mehr wichtig) zu enthalten.

    Insofern, auch von mir, eigentlich gar nichts dazu, außer, mein Beileid.

    • ST_T
    • 19. Dezember 2012 22:15 Uhr

    Können Sie nicht einmal am Todestag stillhalten?
    Muss eine solche Debatte um den tragischen Tod eines jungen Menschen noch am selben Tag sein?

    Ich finde ihren Kommentar zwar richtig, aber zu diesem Zeitpunkt reichlich pietätlos!

    8 Leserempfehlungen
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    • Legatus
    • 19. Dezember 2012 22:16 Uhr

    Verlogen bis zum geht nicht mehr.

    "Deutschland wird am Hindukusch verteidigt."
    Wohl Strucks berühmtester Satz, schade, dass man ihn damit immer in Verbindung bringen wird.
    Für mich einer der wenigen sympathischen Politiker. Ruhe in Frieden.

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  5. Man kann zu seiner Haltung stehen, wie man will. Ich habe Peter Struck immer als einen der wenigen klaren und aufrichtigen Menschen im politischen Betrieb der Bundesrepublik erlebt.
    Seiner Familie und allen die Ihm nahe standen gilt meine aufrichtige Anteilnahme. Ihnen wünsche ich die Kraft und Gelassenheit in Ruhe Abschied zu nehmen

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    • cb81
    • 19. Dezember 2012 22:25 Uhr

    Es gehört sich nicht, am Todestag eines Menschen über seine Fehler im leben zu diskutieren. Auch deshalb kann man, wie von Angela Merkel geschehen, erstmal das positive hervorheben, wenn man überhaupt über einen leidlicherweise Dahingeschiedenen diskutieren sollte.

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