CDU-ParteitagMänner brauchen die Frauenquote

Die CDU wird sich wohl einer harten Frauenquote verweigern. Das schadet der Wirtschaft. Und der Emanzipation der Männer, kommentiert K. Polke-Majewski. von 

Nun haben sich die CDU-Frauen also doch ergeben: Am Dienstag beginnt der Parteitag der CDU und wenn es nach dem Bundesvorstand geht, werden die Delegierten dort ohne größere Debatte dafür stimmen, dass eine Flexi-Frauenquote eingeführt wird. So opfern die konservativen Politikerinnen ihr Selbstbewusstsein dem Parteifrieden und lassen mutwillig ein zentrales Zukunftsthema fahren.

Das ist ein Fehler. Denn eine feste Quote ist längst keine Frauensache mehr. Vielmehr wäre sie ein wichtiger Emanzipationsschritt unserer Gesellschaft, der junge Männer ebenso sehr betrifft.

Bei der Frauenquote geht es nicht nur darum, die Geschlechter in den Führungsetagen der Wirtschaft quantitativ gleichzustellen. Vielmehr ist sie der Hebel, um das geschlossene System altherrenhafter Breitbeinigkeit aufzubrechen, dass immer noch vielerorts Wirtschaft und Gesellschaft dominiert. Dieses System benachteiligt nicht nur Frauen. Es schreckt auch viele junge Männer ab, die das überkommene Rollenmodell ihrer Väter nicht mehr leben wollen und können.

Männer stellen sich nämlich heute Karrierefragen, die lange nur Frauen zugeordnet wurden: Wie lässt sich ein gerechter Ausgleich zwischen beruflicher und familiärer Verantwortung herstellen, gerade wenn beide Partner beruflich erfolgreich sein wollen? Was ist mit Eltern- und Auszeiten angesichts eines immer länger werdenden Berufslebens? Wie kann der vor dem Hintergrund digitaler Technik zunehmend absurde, aber in vielen Unternehmen dennoch gepflegte Anwesenheitskult gebrochen werden? Kann man in Teilzeit arbeiten und trotzdem Führungsverantwortung übernehmen?

Karsten Polke-Majewski
Karsten Polke-Majewski

Karsten Polke-Majewski ist Leiter Investigativ/Daten von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Schon der zunehmende Fachkräftemangel sollte Unternehmen und Politik dazu zwingen, diese Fragen schnell zu beantworten. Doch so ist es nicht. Denn das Umdenken fällt Menschen erwiesenermaßen schwer. Noch schwieriger ist es, moderne Lebens- und Arbeitsmodelle für sinnvoll und richtig zu erachten, wenn der eigene Erfolg auf 14-Stunden-Tagen und durchgearbeiteten Wochenenden aufgebaut ist.

Um solche Denkmuster aufzubrechen, braucht es starke Impulse von außen. Die harte Frauenquote ist ein solcher Impuls . Schon die Drohung damit hat Unternehmen dazu gebracht, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen.

Wo Frauen in wirksamer Anzahl aufrücken, dort lassen sich neue Rollenbilder etablieren . Sie verändern auch die Männer. Wissenschaftlich belegt ist beispielsweise, dass Leistung und Qualität männlicher Führungskräfte steigen, wenn sie mit Frauen zusammenarbeiten.

Man muss deshalb kein Freund von Alice Schwarzer s Fundamentalfeminismus sein, um dieses CDU-Geschenk zu ihrem 70. Geburtstag für vergiftet zu halten. Wieder einmal agiert die Partei an den Interessen einer wichtigen Klientel vorbei. Welcher junge, gebildete Wähler soll in der Union da noch den Vertreter seiner Interessen erkennen?

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Leserkommentare
  1. Wie traurig, dass es Frauen braucht, damit Mann besser arbeitet.
    Und sich zum Gockel macht..
    Und jeden Tag unecht und unehrlich ins Büro geht.
    Warum können Männer und Frauen nicht einfach ohne Vorschriften, ohne Quote, vernünftig zusammenarbeiten?

    6 Leserempfehlungen
    • jagu
    • 03. Dezember 2012 13:40 Uhr

    wie Frauen an den Tag legen - weil sie ausschließlich von Frauen erzogen wurden - betrifft das Thema auch neuerdings Männer.

    Dass es dennoch starke soziale Unterschiede zwischen Frauenn und Männern gibt, wird keiner abstreiten, der mal reine Frauen- und Männergruppen bei der Arbeit gruppendynamisch beobachtet hat.

    Bei Merkel sieht man es genau: Frauen können einfach keine stabilen Netzwerke aufbauen, da gibt es nur die Hühnerleiter. Ausnahmen natürlich auch hier.

    Ob das für die erfolgreiche, langfristige Führung eines Unternehmens reicht, mag der bezweifeln, der diese Szenarien aus der Praxis kennt.

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    ... "neuerdings" von Frauen erzogen! Wie ist denn die Nachkriegsgeneration aufgewachsen, deren Vaeter im Krieg gefallen waren oder die erst nach Jahren der Kriegsgefangenschaft zurueckgekehrt sind? Erst seit es Elternzeit und flexiblere Arbeitszeitmodelle gibt, ist es fuer Vaeter doch ueberhaupt erst moeglich (!)einen signifikanten Anteil am aufwachsen ihrer Kinder zu haben.

  2. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

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  3. Ein "Impuls" der unsere Grundgesetz ad absurdum führt, wäre in jedem Fall ein Fehler.

    Frauen werden in jedem Fall nachrücken, da wir ja heute schon eine inoffizielle Frauenquote haben und Frauen immer besser ausgebildet sind. Kein größeres Unternehmen will sich den Diskrimnierungsvorwurf vorhalten lassen und Bewerberinnen gibt es inzwischen genug.

    Eine mich diskriminierende Quote, die im Zweifelsfall dafür sorgt, dass ich erst gar nicht in das geschlossene System altherrenhafter Breitbeinigkeit aufgenommen werde, stellt in meinen Augen keine Verbesserung dar.

    Und wieso sollten Frauen nicht auch 14 Stunden Tage und durchgearbeitete Wochenende haben? Ansonsten verstehe ich nicht, wie ein höherer Frauenanteil daran etwas ändern kann.

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  4. Was ist das eigentlich für eine unwirkliche Diskussion. Männer brauchen Frauenquote. Eine Frauenquote braucht das Land nicht. Jeder Unternehmer, jede Vorstandsetage usw. muss nach eindeutiger fachlicher Qualität handeln, wenn es um die Einstellung einer Person geht. Seit der Emanzipationbewegung wird von der weiblichen Seite nur mit Zwangsmechanismen auf die Leitungsfunktion reagiert. Qualität muss sich erarbeitet werden. Jeder Unternehmer, jede Organisation und alle Vorstandsgremien müssen selbst entscheiden dürfen. Wovor hat die Frauenwelt Angst - vor ihrer eigenen Qualität????

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    ...dass Vorstandschefs und Manager als Moegliche Nachfolger eher einen "Draht" zu denjenigen Mitarbeitern haben, die ihnen aehnlich sind, in denen sie sich selbst wiedererkennen. Und das sind in der Regele eben Maenner. Sie haben angst davor, dass stillschwiegend davon ausgegangen wird, dass die Frauen ein geringeres Gehalt benoetigen, daher nicht so weit aufsteigen "muessen", da sie ja nur "zuverdienen", sie haben Angst davor, dass ihre Leistung auch dann, wenn sie besser ist als die vieler Maenner, nicht entsprechend wahrgenommen wird, weil sie es nicht gelernt haben "cocky" zu sein und ueberall damit herumzuprahlen - und weil sie dieser Verhalten eben auch affig finden. Man koennte auf eine Frauenquote verzichten, wenn es fuer Befoerderungen ganz klare Regelungen gaebe, die diese psychologischen Faktoren aushebelten. Die gibt es aber meist nicht.

    • xpeten
    • 03. Dezember 2012 16:08 Uhr

    ist doch schon frauenfeindlich an sich, erweckt es doch den Anschein, dass immer die Männer es sind, welche die bessere fachliche Kompetenz haben und nur deshalb den vakanten Job besetzen - was natürlich grober Unfug ist.

    Männer stellen Männer ein, dieses ungeschriebene Gesetz hat uns die derzeitige geschlossene Macho-Gesellschaft beschert.

    Wäre die Hälfte der Bankvorstände Frauen, sähe unsere Welt anders aus.

  5. Mir wäre es 1.000 mal lieber, die Politik würde sich statt der Frauenquote in der Wirtschaft für die Frauen im realen Leben stark machen!
    Aber das ist ja mit Seehofers Herd-Prämie (Deckname Erziehungsgeld) leider nicht vereinbar. Hier geht es um Millionen von Frauen, die sich entscheiden müssen: Job - ja/nein.
    .
    Die Anzahl der Vorstands-Pöstchen für Karrierefrauen scheint mir da eher vernachlässigbar.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte CDU | Alice Schwarzer | Debatte | Drohung | Fachkräftemangel | Führungskraft
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