Über solche Argumente kann Antragssteller Lukcak nur den Kopf schütteln: "Kein Ehepaar wird schlechter gestellt, kein einziges Kind wird weniger geboren", sagte er in der Debatte. Mit Blick auf seinen Wahlkreis, den bei Schwulen beliebten Berliner Bezirk Schöneberg, mahnte er: "Gerade bei Menschen in großen Städten" führe die verhaltene Haltung der CDU dazu, "dass kein Verständnis für unsere Politik da ist."

Deutlicher wurde der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn, ebenfalls Mitglied der Wilden 13. Ihn störten die Begrifflichkeiten in der Debatte, sagte der bekennende Schwule: Homosexuelle Partnerschaften seien nicht  ein leichtfüßiger Lebensentwurf, sondern ein zutiefst konservatives Füreinander-Einstehen. Kein Homosexueller sehe die eingetragene Partnerschaft als bloße, womöglich vorübergehende Selbstverwirklichung, wie in der Partei immer mal suggeriert werde:  "Ich bin ich", schloss Spahn seine Ausführungen und bekam respektvollen Applaus. Zuspruch erhielt der Abgeordnete von der früheren Wirtschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen , Christa Thoben . Niemand suche sich seine sexuelle Orientierung aus, betonte die 71-Jährige. Jeder habe ein Recht auf Gleichbehandlung.

CDU-Spitze fürchtet Dominoeffekt

Doch alle Argumente halfen nichts. Die Parteiführung um ihre unangefochtene Vorsitzende hat sich vorgenommen, in dieser Frage passiv zu bleiben – mit Verweis auf die Richter in Karlsruhe . Freimütig verweisen die CDU-Spitzen darauf, dass es bald ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Ehegattensplitting geben wird. Das wolle man in Ruhe abwarten, erst dann, so ihre Lesart, bestehe Handlungsbedarf.

Dabei liegt ein Kompromiss nahe: Viele befürworten ein Familien- statt ein Ehegattensplitting, also Steuererleichterungen für Haushalte mit Kindern, womit sich auch die Wilde 13 problemlos anfreunden könnte. Einige Politiker aus der CDU-Führung fürchten aber einen Dominoeffekt: nach der Gleichstellung das volle Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare beispielsweise. Das ist in der CDU im Gegensatz zur Homo-Ehe richtig umstritten. "Wir wissen gar nicht, was für ein Fass wir aufmachen würden", sagt ein weibliches Präsidiumsmitglied dazu.

Also duckt sich die CDU weg – und bringt Merkel in eine komfortable Situation. Spricht das Verfassungsgericht ein Urteil für die Gleichstellung, kann die Parteichefin gegenüber den Konservativen auf rechtliche Zwänge verweisen. Und die Partei weiter modernisieren .