Eigentlich müsste Horst Seehofer derzeit tiefenentspannt sein. Es geht auf Weihnachten zu, besinnliche Tage, und das neue Jahr beginnt mit der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth. Da steht der bayerische Ministerpräsident quasi gottgegeben im Mittelpunkt des politischen Geschehens, was Seehofer zu schätzen weiß. Auch das alte Jahr geht erfolgreich zu Ende: Gegen alle Widerstände hat die CSU das Betreuungsgeld in Berlin durchgesetzt und in Bayern nähert sie sich in Umfragen wieder der absoluten Mehrheit.

Nach einem besinnlichen Jahresausklang ist Seehofer trotzdem nicht. Nicht nur der Fall Mollath und die drohende Volksabstimmung über Studiengebühren missfallen dem CSU-Chef. Am meisten ärgert sich Seehofer ganz offensichtlich über die eigenen Parteileute.

Ausgerechnet das Weihnachtsessen mit den Journalisten der bayerischen Landeshauptstadt nutzte der Ministerpräsident zu einer "Generalabrechnung", wie es die Süddeutsche Zeitung beschrieb . Seehofer lästerte über den liberalen Koalitionspartner, über die Medien, aber vor allem über seine eigene Partei und deren vermeintliches Spitzenpersonal.

Erst bekamen seine Vorgänger an der Parteispitze ihr Fett weg, die "alte CSU" von Erwin Huber und Günther Beckstein . Dann war der Nachwuchs dran: Noch nicht überall sei verstanden worden, was eine moderne CSU bedeute, sagte Seehofer beim Tischgespräch den Medienvertretern. "Manche glauben immer noch, dass die Mitmach-Partei bedeutet, dass man gegen den Parteivorsitzenden etwas organisieren muss."

Seehofer wird persönlich

Dann wurde Seehofer persönlich. Als "Zar Peter" verspottete er Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer . Den ehemaligen CSU-Shootingstar und früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg bezeichnete er abfällig als "Glühwürmchen", dessen Leuchten ebenso wenig von langer Dauer gewesen sei wie das von Norbert Röttgen . Der ehemalige Umweltminister hatte als CDU-Spitzenkandidat die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen krachend verloren.

Richtig gemein wurde der bayerische Sonnenkönig aber erst, als es um einen ging, der bislang als sein Kronprinz galt. Dem bayerischen Finanzminister Markus Söder bescheinigte Seehofer einen "pathologischen Ehrgeiz", er halte ihn für "vom Ehrgeiz zerfressen". Söder habe "charakterliche Schwächen" und leiste sich "zu viele Schmutzeleien", lautete die küchenpsychologische Analyse des CSU-Chefs. "Mal ist man oben, mal unten. Und der Markus ist eben wieder unten."

Seehofer ist bekannt für markige und zur Überheblichkeit neigende Sprüche. "Wo wir sind, ist oben", hatte er beim Politischen Aschermittwoch in Passau definiert. Auch dass er gerne gegenüber Medien über Parteifreunde lästert, ist nichts Neues. "Das können Sie alles senden", hatte er dem ZDF gesagt , nachdem er recht brachial mit dem NRW-Wahlverlierer Röttgen abgerechnet hatte.