FDP-VorsitzNiebel fordert Gegenkandidaten für Rösler

Die Attacken auf den FDP-Vorsitzenden Rösler mehren sich: Der Spitzen-Liberale Niebel plädiert für eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz. von afp, dpa und reuters

Entwicklungsminister Dirk Niebel (Archiv)

Entwicklungsminister Dirk Niebel (Archiv)  |  ©REUTERS/Antonio Bronic

FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel hat die Debatte um Philipp Röslers Zukunft als Parteichef weiter verschärft: Niebel schlug eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz vor. An ihr sollten sich mehrere Kandidaten beteiligen Es sei "ein Zeichen von innerparteilicher Demokratie", wenn sich beim FDP-Bundesparteitag im Mai mehrere Kandidaten um das Amt bewerben würden, sagte der Entwicklungsminister dem Tagesspiegel .

Zugleich bekräftigte Niebel seine Wertschätzung für den Anfang 2011 abgelösten Parteichef Guido Westerwelle . Er glaube weiterhin, dass die FDP unter dem Vorsitz Westerwelles "die erfolgreichste Zeit der Partei überhaupt erleben durfte".

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Es ist nicht die erste Attacke Niebels auf den Parteivorsitzenden   in den Tagen vor dem FDP-Dreikönigstreffen. Am Mittwoch hatte er die Rolle Röslers als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl im Herbst infrage gestellt. Der Parteivorsitzende müsse nicht automatisch auch Spitzenkandidat sein.

Rösler reagiert verhalten

Darauf hatte Rösler nur verhalten reagiert: "Außer einigen wenigen beschäftigen sich die meisten in der Partei nicht mit der Frage", sagte er im ZDF . Abermals appellierte Rösler an seine Partei, alle Kraft auf die Landtagswahl in Niedersachsen am 20. Januar zu konzentrieren. Jeder sei "herzlich eingeladen, sich eher über die anstehenden Wahlen Gedanken zu machen als über diese Frage". Seine eigene politische Zukunft hatte der 39-Jährige offengelassen.

Niebel, der als parteiinterner Widersacher Röslers gilt, hatte wegen der von ihm angezettelten Führungsdebatte auch von Parteikollegen Kritik einstecken müssen. Neben ihm facht Schleswig-Holsteins FDP-Chef Wolfgang Kubicki die Diskussion immer wieder neu an . Zuletzt hatte er die Rolle Röslers in der Euro-Krise kritisiert. Die von Niebel geforderte Kampfabstimmung um den Parteivorsitz dürfte Kubicki freuen: Er hatte mehrmals deutlich gemacht, dass er Rösler nur dann wählen würde, wenn es keinen Gegenkandidaten gebe.

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Leserkommentare
    • lib-dem
    • 29. Dezember 2012 21:57 Uhr

    ... zur Zeit läuft ja eigentlich recht viel auf die FDP zu: Die SPD hat einen Spitzenkandidaten, der sich lieber von der Partei absetzen als mit ihr zusammen Wahlkampf machen möchte.
    Ausserdem hat er einige recht unpopuläre Fragen bezüglich seiner Einkünfte zu beantworten.

    Die SPD möchte massiv Steuern erhöhen, die Grünen fordern im Zweifelsfall noch stärkere Erhöhungen der Sozialausgaben als die SPD.

    Es dürfte einige Wähler in Deutschland geben, die Frau Merkel gerne als Kanzlerin behalten würden und das nicht im Rahmen einer großen Koalition.
    Da treibt man als FDP doch schnell mal ein oder zwei Prozentpunkte auf, oder?

    Es müsste der FDP nun darum gehen, das Profil zu schärfen und den Wählern zu erklären, was sie denn erwarten können, wenn die FDP mit der CDU weiterregiert nach den letzten Jahren. Das wird schwer genug! Das letzte was die Partei braucht, ist eine Fortsetzung der Personaldebatte.

    Und nun kommt mal wieder Herr Niebel!
    (Herrn Kubicki nimmt in der FDP eh kaum jemand ernst).

    Glaubt er wirklich, die FDP hätte eine bessere Chance bei der Wahl, wenn sie ihren Vorsitzenden austauschen würde?
    Gegen Sirtaki-Brüderle? Gegen Porsche-Lindner?
    Denkt er, er kann es selbst besser?
    Ich würde wirklich gerne wissen, was Herrn Niebel antreibt, aber ich komme nicht dahinter ...

    Eine Leserempfehlung
    • wawerka
    • 29. Dezember 2012 22:30 Uhr

    ...Silvana Koch-Mehrin sollte es machen. Kaum eine andere Person verkörpert die "Werte" der FDP typischer als sie.

    9 Leserempfehlungen
  1. ..Lieber Forist wawerka..!
    ..es Sylvia hat doch "versprochen" nie mehr ein "Amt"...

  2. eine Partei von 18 auf 4% rutschen kann.<<

    Nö, da wäre Guido Westerwelle der richtige Ansprechpartner.

    Rösler übernahm den Vorsitz, als die FDP schon die 5-%-Hürde unterschritten hatte. Er müsste erklären, wieso es ihm nicht gelungen ist, den Negativtrend der FDP zu brechen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Recht hat er"
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    • lxththf
    • 29. Dezember 2012 23:44 Uhr

    dann müsste er nichts erklären, denn dann ist die FDP stabil ;)

    • lxththf
    • 29. Dezember 2012 23:44 Uhr

    dann müsste er nichts erklären, denn dann ist die FDP stabil ;)

    2 Leserempfehlungen
  3. aber recht langsam.

    Allerdings sollte Rösler von sich aus abtreten, schon aus Gründen der Selbstachtung.

  4. In einer Partei sind ALLE die, die ein gleichartiges Verständnis von Politik haben, der Vorsitzende kann nur primus inter pares sein. Ich habe noch nie verstanden, warum die (Partei-)Meute so begeistert heult, wenn der ( große ) Vorsitzende eine "Ruck-Rede" abgesondert hat.
    Insofern sind die Umfrageprozentzahlen für die gesamte FDP charakteristisch, für das Politikverständnis aller FDPisten, der Vorsitzende kriegt nur die Prügel dafür, dass er sich hat nach vorne schieben lassen.

    • lib-dem
    • 30. Dezember 2012 5:10 Uhr

    Die FDP ist in Hamburg in die Bürgerschaft eingezogen ohne sich von der Bundespartei abzusetzen.
    Die Wahlen in Hamburg, Schleswig-Holstein und NRW haben jedoch etwas anderes gemeinsam: Eine schwache, abgenutzte Landes-CDU.
    Und dann wird doch plötzlich die FDP als Alternative gewählt (und irgendwann wird das auch im Bund wieder so sein.)

    Ausserdem ist die FDP (die nicht bei 18% sondern bei 15% in den Bundestag eingezogen ist) bereits vor Rößlers Amtsantritt als Vorsitzender in den Umfragen gefallen - das war ja der Grund, weshalb er Vorsitzender wurde.

    Hinzu kommt, dass ein Teil der Verluste sicher dem
    Verlust des Oppositionsbonuses geschuldet sind:
    Das passiert generell nach Bundestagswahlen, unabhängig vom Vorsitzenden oder sogar der Partei.
    So hat zum Beispiel Rot-grün gleich nach der Bundestagswahl die Landtagswahl in Hessen verloren und am Ende der Rot-grünen Bundestagskoalition gab es keine einzelne rot-grüne Landeskoalition mehr. Kein Wunder, dass jetzt auch die Zahl der Schwarz-gelben Landesbündnisse zurückgeht.

    Dieser Mechanismus basiert zum einen auf unrealistischen Heilserwartungen der Wähler und zum anderen am Focus der Presse auf die Bundespolitik. Am einfachsten hat es ein Bundesvorsitzender einer jeden Partei in der Opposition: Er wird an seinen Worten, nicht an seinen Taten gemessen.
    Und Guido Westerwelle hat sämtliche Erfolge gefeiert, während die FDP im Bund in der Opposition war. Sobald er Minister wurde, ging es mit ihm und der FDP bergab.

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    Antwort auf "Recht hat er"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, rav
  • Schlagworte Dirk Niebel | Guido Westerwelle | FDP | Wolfgang Kubicki | ZDF | Bundestagswahl
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