WeihnachtsanspracheGauck fordert mehr Solidarität

Der Bundespräsident hat in seiner Weihnachtsansprache wachsende soziale Ungleichheit, Gewalt und Rassismus kritisiert. Nötig seien Engagement und menschliche Zuwendung.

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck

Bundespräsident Joachim Gauck hat die Deutschen in seiner ersten Weihnachtsansprache zu einem solidarischen Miteinander aufgerufen. Ein Teil der Menschen in Deutschland sei "verunsichert angesichts eines Lebens, das schneller, unübersichtlicher, instabiler geworden ist", sagte er in der Ansprache, die am Dienstag im Fernsehen ausgestrahlt werden soll.

Zwar habe Deutschland die Krise bisher gut gemeistert, den meisten gehe es wirtschaftlich gut und radikale Parteien hätten von der Verunsicherung nicht profitiert. Doch gehe die Schere zwischen Arm und Reich auseinander, der Klimawandel erfordere ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft. "Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben."

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Gauck empfahl eine Besinnung auf die menschliche Zuwendung zueinander. "In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität. In der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe. In den Gefühlen der Menschen: Liebe."

Deutschland wolle ein Land sein, in dem Alte und Junge, Alteingesessene und Neuzugezogene miteinander leben können. "Ja, wir wollen ein solidarisches Land sein", sagte Gauck. Es brauche daher nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger. Er habe bei seinen zahlreichen Begegnungen in den vergangenen Monaten erfahren, dass es viel mehr Menschen gebe, die Gegenwart und Zukunft zum Besseren gestalten wollten, als Gleichgültige.

Ausdrücklich mahnte Gauck einen großzügigen Umgang mit politisch Verfolgten an. "Zwar werden wir nie alle Menschen aufnehmen können, die kommen", sagte er. "Aber: Verfolgten wollen wir mit offenem Herzen Asyl gewähren und wohlwollend Zuwanderern begegnen, die unser Land braucht."

Lob für die europäische Idee

Gauck würdigte den Einsatz deutscher Soldaten und Zivilhelfer in Afghanistan. Seine Reise in das Land habe ihm vor Augen geführt, wie kostbar der Frieden sei, der seit über sechzig Jahren in Europa herrscht. "Gesichert hat ihn die europäische Idee." Zu Recht habe die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhalten. Jetzt gehe es aber in Europa um die Frage, ob der politische Wille alles das wird zusammenhalten können, "was ökonomisch und kulturell so unterschiedlich ist".

Der frühere Pfarrer Gauck nahm mehrfach Bezug auf die Bibel. Für Christen sei Weihnachten "das Versprechen Gottes, dass wir Menschen aufgehoben sind in seiner Liebe". Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten sei es "ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest, das verbindet, wenn Menschen sich besuchen und beschenken".

 
Leserkommentare
  1. So "politisch korrekt" seine Ansprache ist, so intensiver sollte man sie zwischen den Zeilen lesen.

    Was kommt dann dabei heraus?

    Es heißt also: "Zwar habe Deutschland die Krise bisher gut gemeistert, den meisten gehe es wirtschaftlich gut und radikale Parteien hätten von der Verunsicherung nicht profitiert. Doch gehe die Schere zwischen Arm und Reich auseinander ..."

    Auf Deutsch: Deutschland hat die Krise nicht gemeistert, die Politik hat versagt, es geht einem beachtlichen Teil der Bevölkerung wirtschaftlich schlecht, wobei sich das Lage zukünftig weiter verschärfen wid, so dass unliebsame Parteien anfangen, Wählerstimmen zu sammeln.

    Weiter dann: "... der Klimawandel erfordere ebenso neue Antworten wie eine alternde Gesellschaft."

    Auf Deutsch: Die Energiewende steckt voller Risiken ungeahnter Größe und die bisherige Bevölkerungs- bzw. Einwanderungspolitik ist gescheitert.

    Und dann noch: "Sorge bereitet uns auch die Gewalt: in U-Bahnhöfen oder auf Straßen, wo Menschen auch deshalb angegriffen werden, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Haut haben."

    Anders gesagt: Keine Sorge bereitet uns die zunehmende Migrantengewalt, die wir halt als condition sine qua non unserer Einwanderungspolitik vor dem Hintergrund des "demografischen Wandels" auszuhalten haben.

    Nichts anderes sagt der Mann.

    6 Leserempfehlungen
  2. Bis 1969 hat der Bundeskanzler die Weihnachtsansprache gehalten, und der Bundespräsident war für die Neujahrsansprache verantwortlich. Wenn hier wieder zurückgetauscht würde, könnte die damit einhergehende Modifizierung des Themas sich eventuell belebend auf den Inhalt auswirken. - Auch im Vereinigten Königreich macht man sich Gdanken, wie man alten Ritauaalen neues Leben einhauchen kann. Die Weihnachtsansprache Königin Elisabeths wird in diesem Jahr erstmals in 3D zu sehen sein. Das soll sogar ohne 3D-Brille funktionieren, wenn die Heimelektronik technisch auf dem neuesten Stand ist.

    Da mein Fernsehgerät noch Röhre ist, werde ich mir bis zur Neujahrsansprache der Kanzlerin noch eine Röntgenbrille besorgen, um tiefere Einblicke gewinnen zu können. Nach der parlamentarischen Sommerpause 2013 wünsche ich mir dann Reden von Bundespräsident und -kanzlerin zum Thema "Wie ich meine Ferien verbrachte".

    4 Leserempfehlungen
  3. "Herr Gauck hat aus meiner Sicht keine einzige der Vorschuß-Lorbeeren verdient..."@O-Denker")

    "Verdient" hat er dagegen ganz "solidarisch" mit Peer Steinbrück Ende 2010 von den Stadtwerken Bochum ein 25000-Euro-Honorar für eine Gesprächsrunde (nicht einmal für einen längeren Vortrag) genau wie der jetzige SPD-Kanzler-Kandidat.
    http://www.tagesspiegel.d...

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Erstaunliche Forderung"
  4. >> Seine Reise in das Land habe ihm vor Augen geführt, wie kostbar der Frieden sei, der seit über sechzig Jahren in Europa herrscht. <<

    ... Erkenntnis musste er erst nach Afghanistan reisen? Naja, der eine lernt es früher, der andere später.

    Vor kurzem kritisierte er noch, dass tote Soldaten für unsere "glückssüchtige Gesellschaft" schwer zu ertragen sind und forderte mehr Offenheit für Auslandseinsätze.

    3 Leserempfehlungen
  5. Nur, unser BP, der noch vor kurzer Zeit ganz anders sprach, überzeugt nicht mit seiner angepassten Kanzel-Rhetorik.
    Damals war die Freiheit der Marktwirtschaft sein Credo.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ich gehe hier..."
  6. Zitat: "Verbirgt sich hinter @Maryfragt eine(r) der Redenschreiber (innen) des Bundespräsidenten ???"

    Es gibt noch andere Möglichkeiten:
    a) eine gute Satirikerin
    b) ein ziemlich einfältiger Mensch

    3 Leserempfehlungen
  7. Ich ertrage diese repetierenden Lügen und Heucheleien einfach nicht mehr.

    4 Leserempfehlungen
  8. verbirgt sich ausgesprochen geschickt hinter dem vordergründigen Lob.

    Respekt und gleichfalls Frohe Weihnachten!

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Kommentare 131
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  • Schlagworte Joachim Gauck | Solidarität | Europäische Union | Reise | Alte | Asyl
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