Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die neuen Hilfen für Griechenland verteidigt. Sie wies zudem den Vorwurf der SPD zurück, den Bürgern nicht die Wahrheit über die anstehenden Belastungen hinsichtlich der Griechenland-Krise zu sagen. "Ich kenne meine Pflicht und sage deshalb den Bürgerinnen und Bürgern immer wieder, wie die Lage ist. Ich werde weiter das tun, was für Deutschland und Europa am besten ist und die finanziellen Folgen so gering wie möglich hält und uns keinen unzumutbaren Risiken aussetzt", sagte sie der Bild am Sonntag .

Gleichzeitig verstehe sie die Skepsis vieler Bürger. "Vieles von dem, was die griechische Führung versprochen hat, hat sie nicht eingehalten", sagte Merkel. Sie zeigte sich jedoch optimistisch, dass sich das nun ändern könnte. Die Hilfen für das von der Staatspleite bedrohte Land seien auch "im deutschen Interesse, denn alle Maßnahmen haben immer die ganze Euro-Zone im Blick und dienen damit jedem Mitgliedsland, auch Deutschland".

Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte Merkel vorgeworfen, den Bürgern bei der Rettung Griechenlands weiterhin nicht die "volle Wahrheit" zu sagen. Die Entscheidung über neue Hilfen als bloßen Zinsverzicht darzustellen, sei "nicht ehrlich". Viele Fragen seien nach wie vor offen. So wisse niemand, mit welchem Geld Griechenland wie geplant Staatsanleihen zurückkaufen solle, sagte Steinbrück.

Genscher: Es geht um die Rettung Europas

Unterstützung für ihren Kurs erhielt die Kanzlerin vom früheren Außenminister Hans-Dietrich Genscher ( FDP ). Die Popularität der Bundeskanzlerin beruhe zu beträchtlichen Teilen darauf, dass die Menschen fänden, "Angela Merkel beherrscht das Thema", sagte der 85-Jährige der Mitteldeutschen Zeitung . Zugleich sprach er sich mit einem Plädoyer für die Fortsetzung der Hilfe für Griechenland aus. "Es geht um die Rettung Europas", sagte Genscher.

Kritik übte Genscher an internationalen Rating-Agenturen, die mit ihren "erstaunlichen Urteilen" über europäische Länder für Verunsicherung sorgten. "Wir brauchen Transparenz und klare Regeln auf den Weltfinanzmärkten, damit gewissenlose Spekulanten nicht mehr ihre dunklen Geschäfte betreiben können", sagte Genscher.

Der Bundestag hatte am Freitag mit breiter Mehrheit die neuen Hilfen für Griechenland im Umfang von knapp 44 Milliarden Euro beschlossen . Am gleichen Abend senkte die Rating-Agentur Moody's die Bonitätsnoten für den Euro-Rettungsschirm. So wurde das Rating von ESM und EFSF – den Europäischen Stabilitätsmechanismus und den zeitlich begrenzten Rettungsschirm – von Aaa um eine Stufe auf Aa1 heruntergesetzt. Die Abstufung wurde unter anderem mit der schlechteren Bonität Frankreichs begründet.