OB-Wahl KarlsruheDie CDU verliert die nächste Großstadt

Nach Frankfurt und Stuttgart hat die CDU auch die Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe verloren. Die Erste Bürgermeisterin spricht von einem "Weckruf" für ihre Partei. von dpa

Der SPD-Politiker Frank Mentrup wird neuer Oberbürgermeister in Karlsruhe . Der 48-jährige gewann die Wahl am Sonntag gegen sechs Mitbewerber mit überraschend klarer Mehrheit. 

Er holte nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 55,25 Prozent der Stimmen. Damit konnte sich der SPD-Politiker gegen seinen aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU , den Bundestagsabgeordneten Ingo Wellenreuther (52), durchsetzen. Wellenreuther kam auf 35,41 Prozent.

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"Das war's dann endgültig als Großstadtpartei", sagte der SPD-Parteivorsitzende und Finanzminister Nils Schmid am Wahlabend. Mit der CDU verbinde kaum noch jemand Vielfalt, Modernität und Urbanität.

Debatte über Großstadttauglichkeit der CDU

In der Tat ist die Niederlage kurz vor Beginn des Bundesparteitags für die CDU ein weiterer Tiefschlag. Nach 42 Regierungsjahren geht ihr nicht nur Karlsruhe verloren – sie stellt auch ansonsten in keiner Großstadt im Süden mehr den Oberbürgermeister. Im März hatte der SPD-Kandidat Peter Feldmann die langjährige Frankfurter CDU-Oberbürgermeisterin Petra Roth abgelöst , in Stuttgart gewann im Oktober der Grünen-Politiker Fritz Kuhn .

Damit dürfte die Debatte in der CDU weitergehen, wie man in Großstädten wieder punkten kann. Karlsruhes Erste Bürgermeisterin Margret Mergen, die bei der internen Kandidatenkür gegen Wellenreuther unterlegen war, mahnte, das Ergebnis als "Weckruf für die CDU" zu werten. "Die CDU muss darüber nachdenken, wie sie in der Stadt wieder attraktiver werden kann. Wir müssen uns öffnen und den Dialog auch mit Andersdenkenden suchen", sagte Mergen.

Mentrup, der bis vor einem Jahr als Kinderpsychiater gearbeitet hat, war als gemeinsamer Kandidat von SPD , Grünen , Piraten und Karlsruher Liste ins Rennen gegangen. Er zog mit dem Slogan "Zuhören, verbinden und gestalten" in den OB-Wahlkampf und will nun im Rathaus einen neuen Politikstil etablieren. Die Wahlbeteiligung lag bei 42,2 Prozent und war damit höher als bei der letzten Karlsruher OB-Wahl im Jahr 2006.

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Leserkommentare
    • weme
    • 03. Dezember 2012 12:34 Uhr

    dass die CDU/CSU für die konservative Wählerschicht einfach nicht mehr wählbar ist und deshalb bei Wahlen lieber zu Hause bleiben. Es macht wahrlich keinen Sinn, den schon traditionell linken Parteien eine Kopie derer hinzuzufügen. Ausserdem werden in den Großstädten (je größer desto mehr) die Schicht der Transferempfänger eine immer bedeutsamere Größe und die werden einen Teufel tun, eine Partei, die am wenigsten ihre Interessen vertritt, auf den Chefsessel zu hieven. Insofern ist es kein Schaden, dass sich die CDU aus den Großstädten verabschiedet. Sollen doch die Sozialromantiker mit den Folgekosten fertig werden.

  1. Endlich mal wieder ein Sieg für die SPD. Und das meine ich nicht zynisch. Diese Partei hat die letzten Jahre konsequent an sich gearbeitet. Ich finde, es gehört auch zur Pflicht der Wählerschaft, das wenigstens zu erkennen und sich es nicht in überholten Vorurteilen gemütlich zu machen.

    • xpeten
    • 03. Dezember 2012 14:24 Uhr

    Zitat: "vor allem von guten Kandidaten ab". Diese Kandidaten zu finden, sei aber "äußerst schwierig - besonders für die CDU."

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

    • radwal
    • 03. Dezember 2012 15:31 Uhr

    Als Nicht-Karlsruher kann ich mich nur wundern,mit welchen unsäglichen Methoden selbst sog.Größen der CDU in der Stadt den schließlich auf den Schild gehobenen Kandidaten öffentlich abgelehnt haben.Abgesehen davon,dass sie mit ihrer Ablehnung - wie die Wahl zeigt - Recht hatten,war es Unvermögen der CDU,einen für die Belange der Stadt best geeigneten Kandidaten aus ihrer Mitte zu wählen,standen doch 6 Bewerber zur Verfügung!Außerdem wusste man,als CDU gegen alle anderen Parteien erfolgreich sein zu müssen.Das Alles kann man nur als kleinkariert einstufen,so ist es nicht verwunderlich,dass ein Bewerber der SPD aus Mannheim,unterstützt von den 3 anderen Parteien im Stadtrat,von der Mehrheit der Wähler die Stimmen bekam.Das muss für die Stadt kein Manko sein,denn in ihrer langen OB-Verantwortung hat die CDU vermutlich auch nachhaltigen Ärger bei Wählern hinterlassen!

    • bauesel
    • 03. Dezember 2012 15:36 Uhr

    Auch wenn es so aussieht, als ob die CDU in Großstädten nicht mehr gewinnen kann, so beruhen die Erklärungen m. E. auf einem Irrglauben, so wie von Milchbubi Nils Schmid vermutet. Begründungen:
    1. Frau Merkel hat die Partei durchaus modernisiert, sie hat teilweise komplette Wendemanöver absolviert, wofür andere Parteien massiv abgestraft worden wären.
    2. Frau Merkel hat es in den letzten Jahren perfekt geschafft, alle e i n i g e r m a ß e n erfolgreichen CDU-Leute abzuservieren: Merz, Koch, von Beust, Müller, Mappus, Röttgen, Oettinger, Wulff......
    Was übrig bleibt, ist komplettes Mittelmaß und offensichtlich auch nicht geeignet, eine Großstadt zu "erobern".
    3. Wäre Merkel nicht Bundesvorsitzende und nicht Kanzlerin, bekäme die CDU höchstens 30% bei den Wahlprognosen. Da sie nicht klonbar ist, wird die CDU in den nächsten Jahren Dauerprobleme bekommen, im Bundesrat hat sie schon längst die Mehrheit verloren.
    4. Merke: Die Personen machen es, insbesondere bei einer OB-Wahl, und nicht das Parteibuch, das Turner in Stuttgart tunlichst gemieden hat, was ihm nichts genützt hat, weil er als Person schlichtweg kein Format für dieses Amt hat.

  2. Die CDU im Ländle zerlegt sich gerade selbst, genauso wie die FDP auf Bundesebene.

    Es haben insbesondere auf Kommunalebene (z. B. in den Kreistagen) noch so viele CDUler eine "Arroganz der Macht". Die verkennen immer noch, dass sie in Stuttgart nicht mehr regieren und inbesondere verkennen sie, dass auch ihr Einfluss in Gefahr ist.

    Man kann beide Parteien (Südwest-CDU und FDP) nicht einmal bemitleiden, sondern nur belächeln. Schließlich sind alle Probleme bekannt und die beiden Parteien schießen ein Eigentor nach dem anderen.

    Dass die gegenwärtige Landesregierung v. a. beim Postengeschacher für verdiente Parteisoldaten in den Ministerien allerdings nicht besser ist, wurde leider auch schon mehrfach demonstriert.

  3. Wellenreuther bereits vor ein paar Jahren bei der OB-Wahl in Mannheim kläglich scheiterte, ist der nächste Versuch ebenfalls gescheitert.

    Traurig ist zu sehen, dass die CDU-Kandidaten der letzten Jahre vorwiegend zum Kreis der "Emporkömmlinge" gehören.

    Solche Kandidaten scheitern eben in Gegenden, in denen gesunder Menschverstand vorherrscht.

    Alles Gute für Frank Mentrup !

    • ztc77
    • 03. Dezember 2012 20:00 Uhr

    Der wichtigste Kommentar in diesem Thread ist Kommentar 2 von Luboyera. Aber er beinhaltet mehr als im Text steht, - ich meine damit Grundlegendes für die CDU wie für alle (größeren) demokratischen Parteien.

    Die genannten Unstimmigkeiten von Luboyera kann ich als Karlsruher bestätigen.

    Das zugrundeliegende Prinzip ist aber folgendes, dass jeder windige Kandidat sich eine Pressure-Group zulegen kann (z.B. Fußballfans als Clubpräsident) um damit den Ortsverband einer Partei mit "Neumitgliedern" zu überschwemmen, sich damit als Kandidat eine Mehrheit schaffen und seriösere Kandidaten der gleichen Partei (wie Margret Mergen) ausbooten kann. Der Ortsverband scheint dem gegenüber machtlos. Margret Mergen wäre z.B. eine ernstzunehmende und damit chancenreiche CDU-Kandidatin gewesen, wurde aber ausgebootet. Erst dieser Hintergrund erklärt, warum viele Karlsruher CDU-Größen Wellenreuther abgelehnt haben.

    Diesen Punkt sehe ich als das eigentliche Problem, es übersteigt die vorgestellte Thematik CDU-Kandidat gegen SPD-usw-Kandidat.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte CDU | Grüne | SPD | Fritz Kuhn | Debatte | Finanzminister
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