Luftangriff auf TanklasterKundus-Opfer reichen weitere Schadenersatzklagen ein

Dutzende Menschen waren bei dem Luftangriff der Bundeswehr im afghanischen Kundus 2009 ums Leben gekommen. Die Hinterbliebenen haben nun weitere Sammelklagen eingereicht. von dpa

Hinterbliebene des Luftschlags von Kundus fordern von Deutschland in weiteren Schadenersatzklagen insgesamt 3,3 Millionen Euro Entschädigung. Zehn Sammelklagen gingen am Donnerstag beim Landgericht Bonn ein.

Die Klagen richten sich gegen die Bundesrepublik, vertreten durch das Verteidigungsministerium , sagte Rechtsanwalt Karim Popal in Bremen . Gerichtssprecher Michael Bräuer bestätigte den Eingang der Klagen, ohne nähere Angaben machen zu können.

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Am 4. September 2009 waren bei einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklastwagen im Norden Afghanistans zahlreiche Menschen getötet und verletzt worden. Der damalige Bundeswehr-Kommandeur von Kundus , Oberst Georg Klein, hatte das Bombardement veranlasst. Die Bundeswehr geht von 91 Toten und elf Verletzten aus, macht aber keine Angaben zu dem Anteil von Zivilisten.

Popal hatte bereits im Herbst 2011 eine erste Sammelklage für vier Personen eingereicht. Diese Klage ist nach seinen Angaben noch anhängig. 79 Kläger seien in den nun eingereichten zehn Sammelklagen vertreten; hinter ihnen stünden zahlreiche weitere Hinterbliebene.

Die Höhe der jeweils geforderten Entschädigungszahlungen liege zwischen 20.000 und 75.000 Euro. Das Verteidigungsministerium hatte im Sommer 2010 jeder betroffenen Familie 5.000 US-Dollar (3.600 Euro) Entschädigung zugestanden.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Mich würde mal interessieren, wie die Amis bei ihren Fällen mit den Schadensersatzansprüchen der Hinterbliebenen umgehen. Z.B. bei den vergurkten Drohnenangriffen oder den Kollateralschäden. Zahlen die auch? Kennt da jemand eine Quelle?

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    Sollten wir uns wirklich an diesen Kriegsverbrechern orientieren? Wem eifern wir dann als nächstes nach? Nordkorea?

  2. wenn das so ist, hätten einiger Hamburger noch Ansprüche aufgrund der "Operation Gomorrha" aus dem 2. Weltkrieg.

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    "es ist Krieg"
    Und mit dieser lapidaren Bemerkung soll dieses Verbrechen gerechtfertigt sein?
    Im Gegensatz zu all den ausländischen Soldaten im Afghanistan hat das Land selbst niemals irgend ein anderes Land überfallen oder besetzt. Auch wurden diese Menschen nie gefragt, ob sie diesen Krieg überhaupt wollen. Und ganz gewiss haben sie die zivilen Opfer auch nicht verschuldet.
    All das kann man von den Besatzungstruppen nicht behaupten.
    Die Schuld mit einer Geldforderung beglichen zu sehen, ist von den betroffenen Afghanen jedenfalls sehr entgegenkommend, human und nachsichtig, denn es wäre ihr gutes Recht, gegen die gewaltsame Besetzung ihres Landes und vor allem gegen die Ermordung ihrer Angehörigen zu kämpfen. Das wäre dann halt: 'es ist Krieg'.

  3. 3,3 Millionen, eigentlich nicht viel für Menschenleben. Eine Hälfte für die Anwälte,die andere Hälfte für die Taliban. Was bekommen aber die Hinterbliebenen?

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls

  5. ...gibt es keine "Sammelklagen", bitte korrigieren.

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    tatsächlich aber schon.

    Wenn mehrere Kläger identische Klageschriften einreichen, kann man das schon laienhaft als Sammelklage bezeichnen.

    Wenn das Gericht diese Klagen zur gemeinsamen Entscheidung verbindet

    http://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__147.html

    trifft der Ausdruck Sammelklage schon den Kern der Sache.

  6. "es ist Krieg"
    Und mit dieser lapidaren Bemerkung soll dieses Verbrechen gerechtfertigt sein?
    Im Gegensatz zu all den ausländischen Soldaten im Afghanistan hat das Land selbst niemals irgend ein anderes Land überfallen oder besetzt. Auch wurden diese Menschen nie gefragt, ob sie diesen Krieg überhaupt wollen. Und ganz gewiss haben sie die zivilen Opfer auch nicht verschuldet.
    All das kann man von den Besatzungstruppen nicht behaupten.
    Die Schuld mit einer Geldforderung beglichen zu sehen, ist von den betroffenen Afghanen jedenfalls sehr entgegenkommend, human und nachsichtig, denn es wäre ihr gutes Recht, gegen die gewaltsame Besetzung ihres Landes und vor allem gegen die Ermordung ihrer Angehörigen zu kämpfen. Das wäre dann halt: 'es ist Krieg'.

    Antwort auf "es ist Krieg"
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    ich bin Kriegsdienstverweigerer und ich halte es für falsch, dass wir überhaupt da sind. Das ist aber eine andere Diskussion. Nun sind wir aber dort und können nicht für jede abgeschossene Patrone (auch für eine fehlgeleitete) bezahlen. Sollen die Soldaten mit dem Gesetzbuch unter dem Arm agieren? Das ist wohl kaum möglich.

  7. Sollten wir uns wirklich an diesen Kriegsverbrechern orientieren? Wem eifern wir dann als nächstes nach? Nordkorea?

    Antwort auf "[...]"
  8. ich bin Kriegsdienstverweigerer und ich halte es für falsch, dass wir überhaupt da sind. Das ist aber eine andere Diskussion. Nun sind wir aber dort und können nicht für jede abgeschossene Patrone (auch für eine fehlgeleitete) bezahlen. Sollen die Soldaten mit dem Gesetzbuch unter dem Arm agieren? Das ist wohl kaum möglich.

    Antwort auf "Es ist Krieg"
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    sondern exakt gezielte Bomben, die von amerikanischen Piloten zielsicher und absichtlich platziert wurden. Dies allerdings entgegen ihren Befehlen, weil sie von einem deutschen Oberst, trotz ihrer wiederholt geäußerten Bedenken, genötigt wurden.

    Die Piloten wurden dafür bestraft, der Oberst zum General befördert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Verteidigungsministerium | Bundeswehr | Entschädigung | Euro | Familie | Georg Klein
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