LangzeitsarbeitsloseFördergelder in Milliardenhöhe bleiben ungenutzt

Die Regierung finanziert etliche Förderprogramme, damit Langzeitarbeitslose wieder einen Job finden. Nun wurde bekannt: Ein guter Teil des Geldes wird gar nicht genutzt.

Der Bund spart in diesem Jahr rund 2,2 Milliarden Euro an Eingliederungshilfen für Langzeitarbeitslose, weil die Mittel nicht abgerufen werden. Das seien fast 15 Prozent der rund 15,4 Milliarden Euro, die für Eingliederungsmaßnahmen vorgesehen seien, berichtet die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf eine Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion. Deren Sozialexpertin Sabine Zimmermann forderte, die Mittel auf das nächste Jahr zu übertragen und nicht in die Kasse von Finanzminister Wolfgang Schäuble fließen zu lassen.

Schlecht läuft dem Bericht zufolge zum Beispiel die sogenannte Initiative zur Flankierung des Strukturwandels. Mit 247 Millionen Euro sei nur gut die Hälfte der zur Verfügung stehenden 400 Millionen Euro ausgegeben worden.

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Die Fördermaßnahme solle gering qualifizierten Arbeitslosen einen anerkannten Berufsabschluss verschaffen. Mit der Initiative sollen zum Beispiel die früheren Angestellten der pleite gegangenen Drogeriemarktkette Schlecker gefördert werden. Viele von ihnen sollen umgeschult werden und anschließend einen Arbeitsplatz in einem neuen Tätigkeitsfeld finden.

Zimmermann machte die strengen Vorschriften dafür verantwortlich, dass die Mittel so schlecht ausgeschöpft werden. Vielen Betroffenen seien zum Beispiel Fortbildungen verwehrt worden, weil formale Voraussetzungen fehlten. Die Linken-Politikerin forderte, die Fördervoraussetzungen zu lockern, damit die Gelder besser genutzt werden können.

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Leserkommentare
    • Goodman
    • 13. Januar 2013 19:13 Uhr

    Als Akademiker in einem "Seitenfach" hangele ich mich nun schon seit zwei Jahrzeehnten von einer Notbeschäftigung zur nächsten. Meine Familie konnte ich indes nur selten ohne staatliche Zuhilfenahme erhähren. In Deutschland fehlen Ingenieure, IT- und andere Spezialisten - ein Misstand, der eigentlich vor Jahren absehbar gewesen wäre. Gleichzeitig höre ich vom Arbeitsamt, dass sie mir keine Weiterbildungsmaßnahmen finanzieren dürfe - es wären ja Jobmöglichkeiten in der Zeit- und Leiharbeit vorhanden.

    Wenn man nun lesen muss, dass Milliardenbeträge, die sowohl zur Qualifizierung bildungshungriger Arbeitsloser als auch zur Linderung des Fachkräftemangels höchstwillkommen sein müssten, links liegen gelassen werden - unfassbar!

    Eine Leserempfehlung
  1. Alle sollten gefördert werden. Wie mein Vorredner anmerkte: es kann nicht sein, dass Menschen, die sich vormals auf eigene Kosten und Initiative weitergebildet haben und dann in Arbeitslosigkeit und gar Hartz 4 gerutscht sind, dann nicht gefördert werden.

    Das wirkt bei den Betroffenen wie eine Bestrafung für ihren vormaligen Einsatz in einem Land, das sie nun hängen lässt.

    DESOLAT !

    Man sollte sich auch bewusst machen, dass sehr oft, die übrig bleibenden Gelder den KOMMUNEN gutgeschrieben werden. Ein egoistisches Abwürgen berechtigter Förderungsgesuche wirkt sich dann fördernd auf die zielerreichenden Jobcenter Angestellten und die kommunalen Töpfe aus. Aus einer langfristigen, summarischen und menschlichen Perspektive sind solche Verwalter jedoch einfach nur Verwalter des Grauens.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Wolfgang Schäuble | Arbeitslose | Euro | Finanzminister | Geld | Regierung
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