Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem 25. Bundesparteitag der CDU in Hannover© Jochen Lübke/dpa

98 Prozent Zustimmung . Zum siebten Mal Parteivorsitzende. Traumhaft ist dieser Wahlkampf-Auftakt für Angela Merkel , zehn Monate vor der Bundestagswahl. Aber auch ein bisschen vorhersehbar. Merkel freut sich trotzdem. Einige Minuten lang kann sie nicht sprechen, weil die 1.000 Delegierten ihr vehement zuklatschen. Die Kanzlerin wirkt ziemlich gerührt, als sie sagt: "Ich bin platt und bewegt." Dann dankt sie fürs Vertrauen und denkt – wieder nordisch-gefasst – sofort ans Weiterackern: "Ran an den Speck, wir haben viel vor!"

Das fulminante Wahlergebnis – es ist Merkels bestes in den zwölf Jahren als Vorsitzende – unterstreicht eindrucksvoll: Die Kanzlerin ist mehr denn je alternativlos für ihre Partei. Acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren bekommt sie bei ihrer Wiederwahl. Keiner übt auf dem Parteitag wirklich Kritik an ihrer Arbeit – auch in der Aussprache nach Merkels einstündiger Rede nicht. "Wen haben wir denn außer sie?", fragt eine niedersächsische Delegierte, die in ihrer Kanzlerinnen-Bewunderung stellvertretend für viele andere steht. "Sie macht das einfach prima."

Prima und präsidial. Eine nüchterne Rede mit wenig Wahlkampfgetöse hatte Merkel am Morgen dem Parteitag präsentiert. Im dunklen Jackett, lediglich aufgepeppt durch einen ockerfarbenen Kragen, trat die CDU-Vorsitzende vor die Delegierten, die Miene ernst und konzentriert. Schnell sprach sie über viele Herausforderungen, die zu stemmen seien: Euro-Krise, Arabischer Frühling, demografischer Wandel: "Wir leben in turbulenten Zeiten", sagte Merkel schon in Minute zwei ihrer Rede.

Merkel: Zusammenarbeit mit Seehofers CSU ist "spitze"

Die etwas abgenutzte Metapher von der stürmischen See, die hat es Merkel derzeit angetan. Im Ostseebadeort Göhren sei eine Inschrift in einen Stein graviert, die sie sehr berühre, sagte die Kanzlerin: "Gottes sind Wogen und Wind, aber Segel und Steuer sind Euer." Das Schiff CDU segele sicher und mit "klarem Kompass" durch eine schwierige Zeit, stellte Merkel klar. Mit ihr am Steuer, versteht sich. "Starkes Deutschland", prangte es hinter ihr auf der Leinwand – das Parteitagsmotto der Christdemokraten.

Arbeitsplätze geschaffen, die Energiewende angegangen, die Bundeswehr reformiert: Für Merkel sind dies die Hauptgründe dafür, dass man ohne weiteres von der "erfolgreichsten Bundesregierung " seit der Wiedervereinigung sprechen kann. Mehrfach wiederholte sie am Dienstag diese Zuschreibung, die sie zuletzt erstmals im Bundestag gebraucht und die ihr von der Opposition so viel Spott eingebracht hatte. Mit "Bundesregierung" meint die Kanzlerin vor allem die Union. Mit der CSU von Horst Seehofer sei die Zusammenarbeit "spitze", behauptet sie.

Auf Kosten des kleinen Koalitionspartners hingegen erlaubte sich Merkel erst mal einen kleinen Witz. Einem Satiremagazin habe sie folgenden Spruch entnommen, sagte Merkel: "Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen." Doch Merkel fing das Minimum an Spott sofort wieder auf. Noch zehn Monate seien es zur Bundestagswahl, sagte sie mit seriöser Miene. Sie hoffe sehr und glaube daran, dass die Liberalen sich bis dahin wieder berappeln könnten.