CDU-ParteitagMerkel, die alternativlose Chefin

Merkel schwört in ihrer Rede auf schwierige Zeiten ein. Subtext: Nur ich kann Deutschland durch die Krise führen. Die CDU sieht das genauso. von 

98 Prozent Zustimmung . Zum siebten Mal Parteivorsitzende. Traumhaft ist dieser Wahlkampf-Auftakt für Angela Merkel , zehn Monate vor der Bundestagswahl. Aber auch ein bisschen vorhersehbar. Merkel freut sich trotzdem. Einige Minuten lang kann sie nicht sprechen, weil die 1.000 Delegierten ihr vehement zuklatschen. Die Kanzlerin wirkt ziemlich gerührt, als sie sagt: "Ich bin platt und bewegt." Dann dankt sie fürs Vertrauen und denkt – wieder nordisch-gefasst – sofort ans Weiterackern: "Ran an den Speck, wir haben viel vor!"

Das fulminante Wahlergebnis – es ist Merkels bestes in den zwölf Jahren als Vorsitzende – unterstreicht eindrucksvoll: Die Kanzlerin ist mehr denn je alternativlos für ihre Partei. Acht Prozentpunkte mehr als noch vor zwei Jahren bekommt sie bei ihrer Wiederwahl. Keiner übt auf dem Parteitag wirklich Kritik an ihrer Arbeit – auch in der Aussprache nach Merkels einstündiger Rede nicht. "Wen haben wir denn außer sie?", fragt eine niedersächsische Delegierte, die in ihrer Kanzlerinnen-Bewunderung stellvertretend für viele andere steht. "Sie macht das einfach prima."

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Prima und präsidial. Eine nüchterne Rede mit wenig Wahlkampfgetöse hatte Merkel am Morgen dem Parteitag präsentiert. Im dunklen Jackett, lediglich aufgepeppt durch einen ockerfarbenen Kragen, trat die CDU-Vorsitzende vor die Delegierten, die Miene ernst und konzentriert. Schnell sprach sie über viele Herausforderungen, die zu stemmen seien: Euro-Krise, Arabischer Frühling, demografischer Wandel: "Wir leben in turbulenten Zeiten", sagte Merkel schon in Minute zwei ihrer Rede.

Merkel: Zusammenarbeit mit Seehofers CSU ist "spitze"

Die etwas abgenutzte Metapher von der stürmischen See, die hat es Merkel derzeit angetan. Im Ostseebadeort Göhren sei eine Inschrift in einen Stein graviert, die sie sehr berühre, sagte die Kanzlerin: "Gottes sind Wogen und Wind, aber Segel und Steuer sind Euer." Das Schiff CDU segele sicher und mit "klarem Kompass" durch eine schwierige Zeit, stellte Merkel klar. Mit ihr am Steuer, versteht sich. "Starkes Deutschland", prangte es hinter ihr auf der Leinwand – das Parteitagsmotto der Christdemokraten.

Arbeitsplätze geschaffen, die Energiewende angegangen, die Bundeswehr reformiert: Für Merkel sind dies die Hauptgründe dafür, dass man ohne weiteres von der "erfolgreichsten Bundesregierung " seit der Wiedervereinigung sprechen kann. Mehrfach wiederholte sie am Dienstag diese Zuschreibung, die sie zuletzt erstmals im Bundestag gebraucht und die ihr von der Opposition so viel Spott eingebracht hatte. Mit "Bundesregierung" meint die Kanzlerin vor allem die Union. Mit der CSU von Horst Seehofer sei die Zusammenarbeit "spitze", behauptet sie.

Auf Kosten des kleinen Koalitionspartners hingegen erlaubte sich Merkel erst mal einen kleinen Witz. Einem Satiremagazin habe sie folgenden Spruch entnommen, sagte Merkel: "Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen." Doch Merkel fing das Minimum an Spott sofort wieder auf. Noch zehn Monate seien es zur Bundestagswahl, sagte sie mit seriöser Miene. Sie hoffe sehr und glaube daran, dass die Liberalen sich bis dahin wieder berappeln könnten.

Leserkommentare
  1. Dieses Wort, warum wird es Im Titel benutzt. Unsäglich

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    • sioux
    • 04. Dezember 2012 18:26 Uhr

    Na, weil es in diesem Fall zutrifft. Nachdem Merkel erst die SPD und jetzt die FDP ins Nichts befördert hat, wird nach ihrer Zeit die CDU den tiefen Absturz erleben, weil es weder Inhalte noch Personen gibt. Es steigt nur Nebel aus den CDU-Wiesen. Solange die CDU-Leute an ihren Posten hängen, sind sie auf Gedeih und Verderb und alternativlos von Merkel abhängig.

    • xpol
    • 04. Dezember 2012 18:25 Uhr

    ... ein blamables Ergebnis für die CDU:

    Überall Staatsbankrott und hier keine Neuverschuldung.

    Eine so vorsichtige Aussenpolitik, dass wir problemlos Industriegüter und Waffen überallhin verkaufen können usw.
    - und da gibt es tatsächlich noch 30 Deligierte, die Merkel nicht wählen ...

    8 Leserempfehlungen
    • sioux
    • 04. Dezember 2012 18:26 Uhr

    Na, weil es in diesem Fall zutrifft. Nachdem Merkel erst die SPD und jetzt die FDP ins Nichts befördert hat, wird nach ihrer Zeit die CDU den tiefen Absturz erleben, weil es weder Inhalte noch Personen gibt. Es steigt nur Nebel aus den CDU-Wiesen. Solange die CDU-Leute an ihren Posten hängen, sind sie auf Gedeih und Verderb und alternativlos von Merkel abhängig.

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    als wie die Grünen von Claudia Roth, die nun gerade noch ein Viertel der Mitglieder hinter sich hat.

  2. Euro bzw. Deutsches Volksvermögen versenkt,
    dafür gleichzeitig für Niedrigzinspolitik mit verantwortlich => Inflation, größte Unsicherheit für private Rentenvorsorge aller Zeiten, Immobilienpreise in die Höhe getrieben,
    ebenso Energiepreise 45 % über EU-Durchschnitt etc...

    War es nicht Frau Merkel, die letztens erst erklärte, dass ihre derzeitige Regierung die beste seit 1990 sei?

    Versucht nicht gerade die aktuelle Regierung dem Volk gerade immer das Märchen zu erzählen, dass alles "läuft"?

    Man kommt sich als neutraler(!) politischer Beobachter von der Regierung schlichtweg verunglimpft vor. Man hat den Eindruck, dass diese Regierung die Realitäten schon längst nicht mehr zur Kenntnis nimmt. Das ganze Handeln ist nur noch auf Verschleppung und Verzögerung ausgerichtet. Dass der große ökonomische Knall irgendwann kommt, ist sicher.

    Und Deutschland hat sicher nicht vom Euro profitiert, weil somit angeblich der Export gesteigert werden konnte. Bei dem Export handelt es sich größtenteils um Güter, die durch nunmehr uneinbringbare Kredite letztendlich verschenkt wurden. Und da traut sich die Regierung noch dem Volk das Märchen vom Euroerfolg zu erzählen?

    In dem gesamten Verhalten der CDU/CSU (aber auch der FDP) gibt es leider sehr viele Parallelen, die an einstige diktatorische Regime erinnern. Offensichtlich sehen das hier viele Kommentatoren so und dies sollte man sehr ernst nehmen!

    Man sollte sich immer daran erinnern, wie Unrechtsstaaten einst entstanden sind.

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  3. Nicht, dass ich sie für besonders fähig halte, aber sie ist fähiger als ihr Gegner. Nicht, dass ich ihre Politik mag. Sie verdummt die Menschen ebenso wie Steinbrück, aber sie bleibt stets sachlich und beherrscht.
    Einen besseren Kandidaten hat Deutschland nicht hervorgebracht.
    Schade.

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    • S0T86
    • 04. Dezember 2012 19:26 Uhr

    Dann nennen sie mir doch bitte ein Beispiel ihrer Fähigkeiten. Ich kann keines rekonstruieren - außer ihre Fähigkeiten sich zu verkaufen und über Tatsachen hinwegzumoderieren.

    Kein einziges sinnvolles Projekt ist in ihrer Regierungszeit durchgekommen. Eine solche Situation für kompetent zu halten, alle Achtung - ihre Propaganda hat wohl schon gewirkt.

    Der Kontinent Europa ist so zerrissen wie noch nie. Der Wirtschaftsaufschwung, auf dem sie sich tatenlos ausruht ist rot-grün zu verdanken (Stichwort Spätindikator Arbeitslosenzahl). Stattdessen bekommen wir Plagiatoren in Überzahl, Anschläge auf die Pressefreiheit (CSU), Sendung von Abwehrraketen in die Turkei (ohne Not), eine unsägliche Klientelpolitik plus systematische Demontage der Umweltpolitik.

    Halleluja! Die liebe Mutti macht grandiose Politik und offenbar ist sie alternativlos - so sagt sie zumindest und wir glauben es eifrig.

    • nelson2
    • 04. Dezember 2012 23:15 Uhr

    Ich hoffe sehr, dass wir in der nächsten Wahl mindestens zwei Kandidaten haben werden. Einer davon muss unbedingt Peer Steinbrück sein, weil er im positiven Sinne des Wortes aus der Reihe tanzt.

    hat entweder Merkel schon im Vorfeld hinausgeekelt oder sie sind unter ihrer Fuchtel feiwillig gegangen.

  4. als wie die Grünen von Claudia Roth, die nun gerade noch ein Viertel der Mitglieder hinter sich hat.

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    beruht ihr Kommentar auf eine eigene Meinung? Ich glaube nein, sonst wüßten Sie, dass Frau Roth 87% bekommen hat....

    Zum Demokratieverständnis:

    Frau Roth hat nur 25% bekommen, richtig.

    Allerdings waren da auch reichlich Gegenkandidatinnen. Und bei dem Votum haben nicht 75% gesagt: "Wir wollen keine Claudia Roth." Die haben gesagt: "Wir wollen die andere(n) Dame(n) lieber."

    Wie hoch Roths Zustimmung bei einer 1-Kandidaten-Abstimmung gewesen wäre, können Sie überhaupt nicht abschätzen. Also hören Sie endlich auf, darauf herumzuhacken.

    Übrigens sehe ich wie Sie keine Demokratieverdrossenheit beim Großteil der Bevölkerung, wohl aber eine Politikerverdrossenheit.

    Denn wenn ich mich unter den zur Wahl stehenden Kandidaten umschaue... Wen soll ich da guten Gewissens wählen? Wenn Wahlprogramme alle Jahre wieder gleich bei der Koalitionsbildung völlig ignoriert werden, der "Regierungsrealität" oder irgendeiner anderen Worthülse geschuldet? Ich sehe einfach keine Kandidaten, denen ich trauen kann, die MEINE Interessen vertreten, von persönlicher Eignung für den jeweiligen Posten ganz zu schweigen.
    Stattdessen muss ich im Vier-Jahres-Takt ein Pöstchengeschacher mitansehen, dass an organisierte Kriminalität grenzt.
    Ich kann nicht sicher sagen, wann ich bei einem Minister das letzte mal dachte: "Endlich einer, der für das jeweilige Amt entsprechend qualifiziert ist." - Röttgen vielleicht. Pofalla als persönlicher Butler und Zuckerbläser von Frau Merkel ist da die eine Ausnahme.

    Dazu Gesetzestexte, die kein normaler Bürger durchschaut. DAS soll bürgernahe Politik sein? Ein trauriges Armutszeugnis!

  5. Merkel schwört in ihrer Rede auf schwierige Zeiten ein. Subtext: Nur ich kann Deutschland durch die Krise führen. Die CDU sieht das ganz genauso.

    Nur ich kann den deutschen Steuerzahler zu Gunsten der finanzindustrie ausnehmen und werde wiedergewählt.

    So sieht's doch aus!

    Aber hey. In anderen Ländern werden Politiker wie Bush oder Netanjahu wiedergewählt.

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  6. beruht ihr Kommentar auf eine eigene Meinung? Ich glaube nein, sonst wüßten Sie, dass Frau Roth 87% bekommen hat....

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    dass die Parteimitglieder der Grünen in einer Urwahl Viertrangigkeit bescheinigt haben. Weil Frau Roth dieses Basis-Misstrauensvotum missachtete, wurde sie von den Parteitagsbonzen gehypt. Man hatte keine Alternative zu der in einer Urwahl in den Senkel gestellten und blamierten Vorsitzenden Roth. Es besteht ganz klar ein Dissenz zwischen Grünen-Basis und Funktionärsschicht bezüglich der Parteivorsitzenden. Da beißt keine Maus den Faden ab.

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  • Schlagworte Angela Merkel | CDU | Horst Seehofer | Bundesregierung | CSU | FDP
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