FamilienpolitikKaum einer nimmt Pflege-Auszeit

Die Pflege-Auszeit – seit einem Jahr gibt es sie, nicht mal 200 Beschäftigte haben sie genutzt. Kritiker sprechen von einem überflüssigen Gesetz der Ministerin Schröder. von afp

Seit Beginn des Jahres 2012 können Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren, um nahe Angehörige zu pflegen . Doch das Angebot wird spärlich genutzt: Nicht einmal 200 Beschäftigte haben in den vergangenen zwölf Monaten eine Pflege-Auszeit genommen, berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine vorläufige Statistik des Familienministeriums.

Die Regelung ermöglicht es Beschäftigten, ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche zu reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Um in dieser Phase finanziell abgesichert zu sein, hatte das Ministerium von Kristina Schröder kalkuliert, dass der Arbeitgeber einen Gehaltsvorschuss zahlt – der dann vom Arbeitnehmer nach Ende der Pflegezeit wieder ausgeglichen wird, indem er zu entsprechend geringeren Bezügen arbeitet.

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Für die Aufstockung erhalten die Firmen einen zinslosen Kredit. Nötig ist außerdem eine Ausfallversicherung – für den Fall, dass ein Beschäftigter den Vorschuss nicht selbst abarbeiten kann.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer finden eigene Lösungen

In Deutschland werden mehr als 1,6 Millionen Menschen von Angehörigen und ambulanten Diensten zu Hause gepflegt. Die allermeisten Unternehmen unterstützen pflegende Mitarbeiter jedoch in Eigenregie – ohne staatliche Hilfe.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Regelung: "Die Zahlen belegen, dass das Gesetz nicht notwendig ist", sagte ein Sprecher. Auch die stellvertretende DGB-Chefin Ingrid Sehrbock sagte, weil Schröder keinen Rechtsanspruch durchgesetzt habe, fehlten dem Gesetz die soziale Prägekraft und der soziale Mindeststandard. Zudem enthalte es "überkomplexe Regelungen", sagte Sehrbock.
 

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Leserkommentare
  1. "...Kritiker sprechen von einem überflüssigen Gesetz der Ministerin Schröder..."

    Ein überflüssiges Gesetz von einer überflüssigen Ministerin.

    30 Leserempfehlungen
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    • cfweber
    • 28. Dezember 2012 13:59 Uhr

    ...wie die Praxisgebühr: die Ministerin allein ist es nicht - die Regierung der zankenden Elstern ist überflüssig wie ein Kropf!

    • Gerry10
    • 28. Dezember 2012 8:26 Uhr

    ...und gut ist.
    Man hat "etwas" für die Angehörigen von Pflegebedürftigen getan.
    Da das Gesetz keinen Rechtsanspruch enthält und - typisch Deutsch - kompliziert genug ist um nur von Experten verstanden zu werden, ist es genau das was die Kritiker sagen: unnötig.

    13 Leserempfehlungen
  2. das nicht nutzen ist sicherlich der Tatsache zu Schulden, dass man dann auch schon älter ist und man Angst um den Arbeitsplatz hat. (siehe auch Elternzeit http://www.google.de/url?...) über den Reallohnverlust und die in D so wichtigen Rentenansprüche bzw deren durch das geringere Entgelt reduzierte Höhe (Entlastung für den Staat gar nicht erst zu reden).

    Auch ist die Versicherung nicht klar, da der Firma mMn kein Risiko entsteht, denn der zinslose Kredit kann ja nur vom Staat kommen. Also sieht das mal wieder nach einer netten Nebeneinnahme für die Versicherungsbranche aus.

    Was jedoch nicht ganz klar ist, wenn ein Gesetz dazu erlassen wurde, warum hat das dann keine Rechtskraft repsektive Rechtsanspruch (siehe letzten Absatz)? Lebe nicht mehr in D, aber kann mir das nicht so richtig vorstellen.

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  3. über das Vorlesen für Kleinstkinder machen. Wegen diskriminierender Begriffe und so. Lässt sich alles wunderbar und ganz diffizil regeln. Ein gutes Arbeitsfeld!

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  4. Vermutlich nicht.
    Das ist wieder so ein verschwurbelter Gesetzestextes, den noch nicht einmal
    Frau Ministerin selbst erläutern kann.
    Und die Rahmenbedingungen sind auch nicht zur Inanspruchnahme geeignet.
    Viel Getöse um nichts.
    Wie so vieles, was aus Berlin kommt.
    Siehe Quote.

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  5. Was für ein Foto! Ich zerfließe.

    8 Leserempfehlungen
  6. würde den Leuten die Möglichkeit bieten, wieder etwas mehr als Menschen - mit richtigen zwischenmenschlichen Beziehungen! - zu leben, aber nein, obwohl um sie herum gerade das ganze Finanzsystem zusammenkracht, sind alle unerschütterlich überzeugt, dass das Heil weiter in der Selbstvermarktung liegen muss: jeder ein kleines Zahnrädchen und wenn ich mal alt bin, kümmert sich schon... ja wer eigentlich

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  7. Werren dass sich hier alle wieder über die Ministerin lustig machen? Dabei war die Intention des Gesetztes durchaus eine gute. Dass es dabei ein Vielzahl von unterschiedlichen Interessen zu verknüpfen galt, macht die Sache natürlich nicht einfacher, und handwerkliche Fehler in der Umsetzung tun dann ein Übriges.
    In meiner lokalen Tageszeitung kam heute ein großer Artikel über den Aufbau von Pflegeheimen in Osteuropa, in denen unsere alten Mitbürger dann bis zu ihrem Ableben gepflegt werden sollen.
    Gleichzeitig boomt ein grauer Markt für Pflegekräfte aus Osteuropa.
    Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Deutschen erst alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen gewillt sind, bevor sie auf die Alternative des sich selbst Kümmerns kommen.
    Es ist eben so, dass wenn die Eltern pflegebedürftig werden, sich jeder drückt so sehr er es kann. Da kommt solch ein Gesetz fast schon ungelegen, und es erleichtert dann ungemein, wenn man die Schuld der Ministerin oder der Bürokratie zuschieben kann.

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    Das Gesetz enthielt viel zu viel Haken und Ösen, um wirklich etwas an dem Problem ändern zu können. Der größte Teil der Bevölkerung muß heute arbeiten und kommt eher schlecht, als recht über die Runden. Da klopfen die obligatorischen Gehalteinbußen schon mächtig rein. Ein großer Teil der Pflegenden dürfte ebenfalls nicht mehr ganz jung sein. Wer sich in diesem Alter eine Auszeit für die Pflege nimmt, der muss sich nicht wundern, wenn dann der Arbeitsplatz durch eine jüngere Kraft belegt wird und der AG bei der Rückkehr von der Frührente spricht.

    Das eigentlich spannende für mich ist doch: Wer sind denn die 200, die dieses Angebot angenommen haben. Ich denke ein großer Teil hiervon dürften Staatsdiener sein, die wirklich einen Anspruch auf Rückkehr nach der Auszeit haben.

    Zitat: „...Es ist eben so, dass wenn die Eltern pflegebedürftig werden, sich jeder drückt so sehr er es kann....“

    Ganz so einfach kann man es sich auch nicht machen. Ich denke, die meisten „drücken“ sich nicht um die Pflege von Angehörigen aus egoistischen Gründen, sondern weil sie es sich finanziell einfach nicht leisten können – trotz dieses Gesetzes.

    Gesetze wie diese werden von Leuten gemacht, die keinerlei Ahnung von der Lebenswirklichkeit haben. Das hat man schon bei von der Leyen gesehen: Eine Millionärsgattin will Otto-Normalverbraucher die Welt erklären. So etwas kann nicht funktionieren. Und Frau Schröder lebt in einem ähnlichen Wolkenkuckucksheim: Hat beruflich noch nie was auf die Reihe gekriegt und ist frühzeitig in die Politik geflüchtet. Vom wahren Leben hat diese Dame auf jeden Fall auch noch nichts mitbekommen.

    schonmal einen demenzkranken Menschen gepflegt? Ich glaube wohl eher nicht. Da stößt man nämlich sehr schnell an seine Grenzen, vor allem dann, wenn man der einzige ist, der sich kümmern muß. Dabei ist vermutlich im Allgemeinen die körperliche Belastung weniger hoch - so habe ich es jedenfalls bei der Pflege von 2 demenzkranken Verwandten empfunden - aber die psychische Belastung ist enorm; Auseinandersetzungen mit dem zu Pflegenden finden tagtäglich statt und wenn Sie glauben, es mache Freude, sich mit seiner Mutter herumzustreiten, die aufgrund ihrer Situation garnicht in der Lage ist, die Realität zu erkennen, so irren Sie sich gewaltig. Dazu kommt noch, daß man bei manchen Menschen 24 Stunden am Stück aufpassen muß, daß sie nichts anstellen, weglaufen, den Herd anmachen, die Kaffeemaschine ohne Wasser in Betrieb setzen, so daß man Angst haben muß, die Bude fackelt ab. Und das kommt ja nun auch häufig genug vor - und die Meldungen, Herr oder Frau xy werde gesucht, kommt auch häufig genug im Radio.
    Von Kleinigkeiten will ich erst garnicht reden - daß man verlegte Dinge suchen muß etc.
    Im Normalfall kommt hinzu, daß der Pfleger selbst noch berufstätig ist, ebenfalls schon in etwas höherem Alter, darauf angewiesen, Geld zu verdienen und tatsächlich Angst um seinen Arbeitsplatz haben muß.
    Bevor Sie also solche Kommentare (aus Unkenntnis) ablassen, denken Sie lieber noch einmal nach.

    • Eusebia
    • 28. Dezember 2012 9:41 Uhr

    Von wegen "drücken". Die Realität sieht anders aus:

    http://www.tagesspiegel.d...

    Ein Auszug: "... Gezählt werden aber nur solche, die nach dem Pflegeversicherungsgesetz einer Pflegestufe zugeordnet wurden. 1,62 Millionen wurden zu Hause gepflegt, davon ein Drittel mit der Hilfe von Pflegediensten oder ausschließlich durch sie, zwei Drittel allein von Angehörigen. ..."

    Dazu kommen noch jene, die nicht erfasst sind.

    Aber gut gemeint war schon immer das Gegenteil von gut gemacht.

    und die Vielzahl der Antworten untermauert das sogar irgendwie. (Wie war das mit den getroffenen Hunden?)
    Sicher, das Gesetz könnte sicher verbessert werden mit Arbeitsplatzgarantie etc. aber ich glaube eins bleibt trotzdem:
    Die lieben Mitmenschen hätten auch dann keinen Bock, weil es ja eine anstrengende, unschöne Arbeit ist. Ich weiss wovon ich rede, habe jahrelang in der häuslichen Pflege gearbeitet. Selbst wenn Familienangehörige nicht arbeiten und den ganzen Tag zu hause sind, beauftragen sie lieber einen Pflegedienst, diese Arbeit zu übernehmen (Selbst wenn man dank Pflegestufe in vielen Fällen sogar Geld dafür bekommen würde.
    Zum Glück gibt es jedoch auch einige wenige Ausnahmen.
    Aber es bleibt wie es ist: In unserer egoistischen Gesellschaft hat da kaum einer Bock drauf - LEIDER!

    • liborum
    • 29. Dezember 2012 18:36 Uhr

    Dann machen Sie mal schön.
    (Und was machen Sie nach Ablauf der 2 Jahre wenn der Pflegebedürftige noch lebt??)

    Aber beschweren Sie sich nicht, wenn Sie noch vor Ablauf der 2 Jahre keinen Arbeitsplatz mehr haben.
    Und H4 ist auch ziemlich sch..... für die eigene Rente.

    P.S. Wir, mein Mann und ich "kümmern" uns seit ca. 18 Jahren. Erst um den Vater, jetzt um die Mutter. Und sind über 60 bzw. nahe an die 70. Und bei uns Beiden wäre der Job weg gewesen - es gibt schließlich Jüngere.

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