Piratenpartei : Weisband verzichtet auf Bundestagskandidatur

Piratenchef Schlömer sieht seine Partei in der Krise. Dazu gehört die Entscheidung von Piraten-Politikerin Weisband, nicht für den Bundestag zu kandidieren.

Die Piraten-Politikerin Marina Weisband will nicht Bundestagsabgeordnete werden . "Es war eine schwere Entscheidung. Ich habe mich jedoch nach reiflicher Überlegung gegen die Kandidatur entschlossen, denn ich sehe meinen Schwerpunkt in der politischen Bildung", sagte Weisband der Zeitung Die Welt .

Zunächst wolle sie ihr Psychologiestudium beenden und danach an Bildungskonzepten arbeiten, sagte Weisband weiter. Als Abkehr von den Piraten sei dies jedoch nicht zu verstehen: "Ich wende mich nicht von der Partei ab und glaube an ihren Erfolg."

Weisband enttäuscht die Hoffnungen vieler Piratenmitglieder, die auf eine Rückkehr der prominenten ehemaligen Geschäftsführerin in die Bundespolitik gehofft hatten. Nach öffentlichen Streitereien der Parteiführung und kleinen Affären und Skandalen sind die Umfragewerte für die Piraten rapide gesunken. Zuletzt lag die Partei bundesweit unter fünf Prozent .

Als Grund für ihren Verzicht nannte Weisband den massiven öffentlichen Druck. "Ich könnte sicherlich lernen, viel deutlicher Nein zu sagen oder wenig darauf zu achten, was andere Menschen über mich denken." Sie habe abgewogen, ob ihr eine Politikkarriere dies wert sei. Das sei es ihr jedoch nicht. Ihre gesundheitliche Verfassung sei schon immer etwas problematisch gewesen, weshalb sie sich große Stressbelastungen nicht erlauben könne. "Ich werde mich nicht aufopfern für die Partei."

Weisband kündigte trotzdem an, für den Einzug der Piraten in den Bundestag zu kämpfen. "Ich werde beim Wahlkampf mitmachen und mich auch weiterhin für die Piratenpartei engagieren, soweit meine Kräfte das zulassen", sagte sie.

Schlömer sieht Krise seiner Partei

Auch Piratenchef Bernd Schlömer äußerte sich zum öffentlichen Druck auf führende Parteimitglieder. "Es gibt im Moment kaum einen Piraten, der in der Öffentlichkeit präsent ist", sagte er Spiegel Online . "Wahrscheinlich will aus Angst vor Kritik niemand negativ auffallen."

Entsprechend sieht er seine Partei in der Krise. "Es gelingt derzeit nicht, uns stark zu positionieren." Schlömer räumte ein, dass die Piraten "die Trendwende in diesem Jahr nicht mehr geschafft" hätten.  "Ich habe das Gefühl, die Öffentlichkeit ist übersättigt von der Piratenpartei."

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Kommentare

38 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Bedauerlich, aber

vernünftig! Eine Kandidatur Weisbands hätte die Probleme der Piraten auch nicht lösen können. Der Schwarm ist tief gespalten und damit unfähig Entscheidungen zu treffen.

Zuviele Egomanen können aufgrund der piratischen Struktur die politische Entwicklung der Piraten lähmen. Freiwirte, Freebanker, Anhänger der Monetativen, Planwirtschaftler prallen aufeinander und fetzen sich schon mal recht saftig in den Foren. Die Shitstürme sind fatale Signale für die Außenwelt und ein Schlag ins Gesicht für Menschen die in den Arbeitsgruppen auf hohem fachlichen Niveau den Piraten Profil verleihen wollen.

Dabei dürfte ein sozial-liberales Vakuum für eine Partei "mit Internetanschluss" in D durchaus existieren.

ohne Not

Die Entscheidung ist vor allem richtig, wenn die Betroffene selbst das so empfindet.

Hier aber zu sagen, ohne Ausbildung mache sie sich angreifbar und erpressbar, halte ich wirklich für überzogen. Wer fachliche und soziale Kompetenz im nationalen Rampenlicht unter Beweis gestellt hat wie diese Frau, der findet auch ohne Ausbildung annehmbaren Job, selbst im biederen Deutschland. Was immer sie zu ihrer Entscheidung bewegt hat - Angst um ihre Zukunft war's hoffentlich nicht!

... Selbstvermarktung ...

... Frau W hat einiges geleistet: Sie ist als halbwegs gutausstehende, etwas strange wirkende Frau in einer Nerdkolonie aufgetreten, hat sich auf Podien und vor Kameras gesetzt, Bücher geschrieben, naive Blogs geschrieben, in denen sie naive Gedanken zum besten gab, Geld damit verdient, Herrn Ponader ertragen, andere Nerds ertragen.

Für eine 25jährige schon eine Leistung, die eine deutschlandweite mediale Beachtung sicherstellt. Wenn man darüber berichtet, dass Dieter Bohlen seine Zehnennägel lackiert oder dies in einer Kneipe in Hannover-Süd ankündigt, kann man auch über Frau W berichten.

Diese Art der Berichterstattung ist das Ärgernis, nicht Frau W., die ist nur der Steinbrück, d.h. Profiteur, davon...

sie ist halt ..

die einzige Person, an die man sich von den Piraten noch erinnert. Eigentlich sind die Piraten inzwischen weitgehend in der Versenkung verschwunden. Schade - hatte die auch schon mal gewählt.
Geblieben ist nicht viel in der Erinnerung. Querelen zwischen den Merkwürden in der Führungsriege vielleicht. Und sonst?

Am meisten verstört hat mich dieses allgegenwärtige PC-Getippsel und Tablet-Gewische auf den Parteitagen. Ähnlich abschreckend wie früher das Gestricke bei den 'Grünen'.
Man braucht in einer Partei Leute mit Persönlichkeit und keine dumpfen Anhängsel von Laptop-Tastaturen. Mit besserer Kommunikationskultur kämen sie weiter.