Sachsensumpf-Prozess : Überfälliger Freispruch
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Wichtiger Schritt für die Pressefreiheit

Bemerkenswert auch: Als sich im Revisionsverfahren ein Freispruch für die beiden Journalisten andeutete, versuchte die Staatsanwaltschaft ganz offensichtlich, den Prozess in die Länge zu ziehen. Sie wollte plötzlich neue Zeugen hören, unter anderem Beatrix E., eine der Frauen, die in den neunziger Jahren in dem Leipziger Minderjährigenbordell anschaffen mussten – und gegen die ebenfalls ein Prozess wegen übler Nachrede läuft. ZEIT ONLINE hat kürzlich über diesen Fall berichtet .

Markus Horeld

Markus Horeld leitet die Ressorts Politik, Meinung und Gesellschaft bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Der Freispruch für Thomas Datt und Arndt Ginzel ist ein wichtiger Schritt. Für die beiden Journalisten, die sich endlich wieder ihrer Arbeit widmen können. Für die Pressefreiheit in Sachsen. Und vielleicht – längerfristig – auch für die Dresdner Justiz. Das Vertrauen in sie ist schwer erschüttert und bis es wieder ganz hergestellt ist, wird es dauern. Zu viel ist in den vergangenen Jahren passiert.

Und zu viel kann noch passieren: Möglicherweise gehen Staatsanwaltschaft und Nebenkläger in Revision. Dann beginnt alles wieder von vorne. Auszuschließen ist dieses Szenario keineswegs.

Zudem läuft in Dresden, wie erwähnt, noch der Prozess gegen die beiden ehemaligen Zwangsprostituierten Mandy Kopp und Beatrix E. Auch in diesem Fall strotzt die Anklage vor Merkwürdigkeiten. Die Staatsanwaltschaft hat sich in allerlei Widersprüche verwickelt. Derzeit ist dieser Prozess unterbrochen, beide Frauen sind verhandlungsunfähig. Sollten sie nicht freigesprochen werden, wenn er im kommenden Jahr wieder beginnt, wäre dies ein Skandal. 

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Kommentare

58 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Ein vages Gefühl

das Sie dennoch nicht täuscht.

Erstaunlicherweise stellten Sie die Parallele zu Bayern her. Auch das scheint nicht von ungefähr zu kommen:

Oberster Staatsanwalt und der Justizminister Sachsens sind aus Bayern, ziemlich kontinuierlich, nicht erst seit letzter Wahlperiode. Selbst der sächs. Staatssekr. für Justiz hat, obwohl in Schleswig- Holstein geboren, in Bayreut promoviert...