Sachsensumpf-ProzessÜberfälliger Freispruch

Zwei Journalisten wurde in Dresden wegen eines ZEIT-ONLINE-Artikels der Prozess gemacht. Nun wurden sie freigesprochen. Es war das einzig denkbare Urteil. von 

Eines muss man vorwegschicken: Wir sind in diesem Fall nicht unvoreingenommen. Wir waren es nie. Die beiden Journalisten Thomas Datt und Arndt Ginzel, die an diesem Montag in einem längst überfälligen Urteil freigesprochen wurden, standen vor Gericht wegen eines Artikels, den sie für ZEIT ONLINE geschrieben hatten.

Das war 2008, der Text ist immer noch online abrufbar . Datt und Ginzel hatten darin über den sogenannten Sachsensumpf geschrieben. Sie waren Gerüchten über angebliche Besuche zweier Richter in einem Minderjährigenbordell in Leipzig nachgegangen.

Anzeige

Dafür wurden sie von der Dresdner Staatsanwaltschaft angeklagt und Ende 2010 wegen übler Nachrede verurteilt. Nicht nur wir , auch andere Medien und Journalistenverbände sahen durch dieses empörende Urteil die Pressefreiheit in Sachsen in Gefahr.

Nun also der Freispruch im Berufungsverfahren. Es war das einzig denkbare Urteil in diesem merkwürdigen Fall.

Merkwürdig war erstens, dass nie presserechtlich gegen den ZEIT-ONLINE-Artikel vorgegangen wurde. Das wäre der normale Weg gewesen, hätte es in dem Text Fehler oder Unterstellungen gegeben. Doch nie wurde ZEIT ONLINE aufgefordert, den Text zu ändern oder gar offline zu nehmen. Stattdessen ging die Staatsanwaltschaft Dresden strafrechtlich gegen Datt und Ginzel vor.

Merkwürdig auch, welcher Satz im Artikel beanstandet wurde und 2010 zur Verurteilung führte. Es war ein Fragesatz. Er lautete: "Gerieten sie (gemeint sind zwei Polizisten. Anm. d. Red.) unter Druck, weil der einflussreiche Richter Dienstaufsichtsbeschwerde gegen sie erhob?" 2.500 Euro Strafe sollten Datt und Ginzel für diesen Satz bezahlen, weil er angeblich die beiden Polizisten verleumdete.

Merkwürdig drittens: Es gab zuerst keinen Kläger. Die beiden Polizisten wollten nicht klagen, auch nicht auf Anfrage der Staatsanwaltschaft. Deshalb tat es ein anderer für sie, der Polizeipräsident.

Leserkommentare
  1. dort schmort jemand in der Psychatrie. - Den Besuch könnte sie dem Horst nicht antun. -

  2. Das Politik und Wirtschaft in Sachsen besonders gut vernetzt ist sollte man nicht mit Korruption verwechseln.

  3. Klar dürfen sie mich zitieren. An besten mit dem ersten Satz: "Der Freispruch ist hier klar gerechtfertigt".

    Weiter: "Der investigative Journalismus ist eine gute Sache (s. FAZ und Fall Mollath). Doch der inflationäre Rhetorische-Frage-Journalismus schadet dem ernsthaften Journalismus." - hier der Umfeldhinweis.

    etc.

    Beitrag #33 hats verstanden.

    Sie haben etwas völlig anderes interpretiert, als ich geschrieben habe. Muss man denn jeden Gedankenschritt ausdeutschen, gewisse Dinge verstehen sich von selbst. Und "wieder einmal" bedeutet, dass mir in letzter Zeit auffällt, dass das allgemeine Leseverständnis erheblich nachgelassen hat.

    Antwort auf "Darf ich Sie zitieren?"
    • Jappie
    • 11. Dezember 2012 15:08 Uhr

    ... die 2 jungen Frauen, die damals, als Minerjährige, zur Prostitution gezwungen worden sind, wurden auf Grund dessen, dass Sie Ihre Kunden angezeigt haben, von denen wegen Verläumdung angeklagt worden.

    • Jappie
    • 11. Dezember 2012 15:17 Uhr

    Die Anklage der zwei, als Minderjährige zwangsprostituiert, empfinde ich als den wesentlich schlimmeren Skandal (womit ich das Unrecht gegenüber den beiden Autoren nicht abmildern möchte). Nur: Die beiden sind keine Mitglieder der Presse, haben damit weinger Fürsprecher, die sich mit für sie in den Ring werfen. Oder fällt das nur mir auf? :(

  4. 46. [...]

    Entfernt. Bitte wenden Sie sich mit Kritik an Moderationsentscheidungen an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "[...]"
    • claubro
    • 11. Dezember 2012 15:35 Uhr

    als ich das gestern gelesen habe. Ich gratuliere den Journalisten!!

  5. Finden Sie Ihren Einwand nicht ein wenig absurd, wenn ich es einmal vorsichtig ausdruecken darf? Was wollen Sie? Ihre primitiven Vorurteile bestaetigt sehen oder wie muss ich das verstehen? Sie koennen jederzeit als Journalist taetig werden und alles recherieren was Sie wollen und auch schreiben was Sie wollen, aber warum sollte jemand Drittes etwas tun, nur weil Sie es wollen?

    Antwort auf "rein theoretisch"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service