"Mein Name ist Wolfgang Schäuble , ich bin siebzig Jahre alt. Ich bin Rechtsanwalt." Mit diesen dürren Worten begann am Freitagmittag eine der schwierigsten Konfrontationen, die der NSU-Ausschuss bislang erlebt hat: die Zeugenvernehmung des Bundesfinanzministers , der von 2005 bis 2009 als Bundesinnenminister amtierte – in einer Zeit also, in der die Zwickauer Terrorzelle drei ihrer zehn Morde beging.

Der Ausschuss kreiste wieder um die Frage, die ihn von Anfang an beschäftigt: Warum hat man, in den Worten des Grünen Obmanns Wolfgang Wieland "in all den Befragungen nicht eine einzige Institution, nicht einen einzigen Verantwortlichen gefunden, der in der Sache NSU gut gearbeitet hat – kein Innenministerium , keine Landespolizei, keinen Staatsanwalt". Warum haben die zuständigen 32 Behörden all die 14 Jahre, in denen das Trio mordete, raubte und sprengte, nicht die Idee eines rechtsextremistischen Hintergrunds verfolgt, sondern immer nur nach dem "Organisierten Verbrechen" gesucht.

Wolfgang Schäuble ist bekannt dafür, gelegentlich sehr schneidend und kühl auftreten zu können. Sein Schlagabtausch mit dem Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy ( SPD ), überraschte dann aber doch viele der Zuhörer. Edathy wollte von Schäuble wissen, warum er damals als Innenminister die "Ceska-Mordserie" nicht an das Bundeskriminalamt übergeben habe . Die Bedenken des BKA über die schlecht laufenden Ermittlungen in den Bundesländern seien dem Innenministerium doch seit 2006 bekannt gewesen. 

"Ich bin hier als Zeuge geladen"

Edathy erinnerte Schäuble an eine gemeinsame Debatte über Rechtsextremismus im Bundestag 2001, in der Schäuble gesagt habe: "Wir sollten den Rechtsextremismus vielleicht weniger beachten, und etwas mehr verachten." Ob er im Nachhinein nicht auch der Meinung sei, man hätte doch etwas mehr beachten sollen?

Scharf erwiderte Schäuble daraufhin: "Ich dachte, ich bin hier als Zeuge geladen. Ich habe nicht die Absicht, mit Ihnen eine politische Debatte vor dem Untersuchungsausschuss zu führen." Fehler geschähen leider. An vieles könne er sich auch nicht mehr erinnern. In der entscheidenden Sitzung der Innenministerkonferenz sei es vor allem um die Frage gegangen, ob das Bundesinnenministerium die Belohnung erhöhen wolle, die auf die Ergreifung der Täter ausgesetzt worden sei.