KanzlerkandidatSteinbrück beklagt "Parallelgesellschaften" der Armut

Der SPD-Kanzlerkandidat will ökonomische Ungleichheit ins Zentrum des Wahlkampfs rücken. Angela Merkel habe einen "Frauenbonus", aber Beliebtheit entscheide keine Wahl. von dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat erneut bekräftigt, dass er "die Gesellschaftspolitik ins Zentrum der Auseinandersetzung" des kommenden Bundestagswahlkampfs rücken will. "Die Wirtschaftsdaten in Deutschland mögen gut sein, aber die Menschen merken, dass da etwas auseinanderdriftet, dass es Parallelgesellschaften gibt", sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung .

"Die einen profitieren von der guten Wirtschaftslage, die anderen sind von Armut bedroht." Konkret kritisierte Steinbrück eine große Zahl von schlecht bezahlten, befristeten Arbeitsplätzen. Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit bekämen viele junge Menschen keine Kinder. 

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Der SPD-Spitzenkandidat hofft, durch den Fokus auf Armut und Ungleichheit das Profil seiner Partei zu schärfen. Im vergangenen Wahlkampf sei es Bundeskanzlerin Merkel gelungen, die SPD und ihre Wähler zu demobilisieren. "Unsere Wähler sind in den Wartesaal gegangen", sagte Steinbrück. "Im nächsten Wahlkampf werden wir eine klare Unterscheidung herstellen zwischen uns und der Union."

Der "Frauenbonus" der Kanzlerin

Angela Merkel habe allerdings einen "Frauenbonus". Weibliche Wähler würden ihre Durchsetzungskraft in hohem Maße anerkennen. Die Kanzlerin habe sich "in einer Männerwelt durchgesetzt, wirkt sehr unprätentiös und tritt bescheiden auf." Auch bei SPD-Wählern komme das gut an.

Sein eigenes Verhalten will Steinbrück aber nicht an den Vorteilen seiner Gegnerin ausrichten. Er werde nicht versuchen, sich grundsätzlich zu ändern oder in einem Kurs zu lernen, Beliebtheitspunkte zu sammeln. "Das würde ohnehin als Schauspielerei entlarvt", sagte Steinbrück.

Wahlen würden nicht nach Beliebtheit entschieden. 2005 sei er als Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens beliebter gewesen als sein damaliger Kontrahent Jürgen Rüttgers von der CDU und habe trotzdem die Landtagswahl verloren. 

Leserkommentare
    • andand
    • 30. Dezember 2012 14:12 Uhr

    ja, mir scheint auch, er hat ein frauenproblem. und noch viele andere probleme. verarmungswahn, schielen in ökonomischen fragen ... das ist leider nur teilweise als witz gemeint.

    ich frage mich ernsthaft, was dieser mensch als kanzlerkanditat der spd sagt und tut, das ist ja wirklich schon äusserst bedenklich.

    ich wundere mich auch über die spd, dass sie sich nach diesen äussserungen und geschehnissen keinen andere/n kandidaten oder kandidatin aussuchen. das wiederum sagt viel über die derzeitige spd. keine wahloption für einen menschen, der denken kann, keinen verarmungswahn hat und kein frauenproblem.

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  1. Und wieder schwingt Peer krachend die Abrissbirne.
    Gegen die eigene Partei.

    Von der Seite rufen sie:
    "Hey, Peer, hör' ma' auf damit!
    Halloooo .... Aufhören!!!"

    Aber Peer hört nicht.
    Peer merkt gar nichts mehr.

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  2. dass er gar nicht Kanzler werden will. Finanzminister unter Merkel und die alternativlose Politik kann weiter geführt werden wie bisher.

    Was mir stinkt ist, dass diese Politik nach meiner Auffassung in den Abgrund führt und das wird mir nach meiner Überzeugung wesentlich mehr weh tun, als wenn ich jetzt als Besserverdiener etwas mehr zahlen würde.

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    mehr wehtun, nicht nur Ihnen - und da steht auf eine Menge auf dem Spiel. Der noch vorhandene soziale Frieden in Deutschland kann sich schlagartig umkehren, da reichen manchmal schon Kleinigkeiten aus.

  3. Es geht doch gar nicht darum, dass Herr Ribery, Herr Löscher, Herr Fitschen und so weiter "unverdiente" Kohle scheffeln, so lange es ihnen reingeschoben wird.
    Es geht darum, dass ausgerechnet Herr Steinbrück diese Instinktlosigkeit an den Tag legt.
    Ausgerechnet Herr Steinbrück stößt das Thema Kanzlergehalt an.
    Eine Geschichte, die sooo einen Bart hat.
    Soll er doch lieber über aktuelle Themen reden. Bankenrazzia, Waffendeals usw.

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  4. mit ihrem 20 Stunden Job. Wenn bei soviel "Arbeit" so wenig rauskommt, dann sind die wohl nicht sehr fähig. Paradebeispiel: Europapolitiker
    Aber schön, dass es für solche hochgeistigen Ergüsse wie den Vergleich Profifussballer-Politiker eine Redaktionsempfehlung gibt.

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  5. Der Hartz-Mann Steinbrück
    frißt Kreide.

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  6. Zitat:
    Wenn der andere nicht mehr produziert, weil die Importe zu billig sind, dann ist das Importland unfähig zu kaufen. Wenn das Exportland dann gleichzeitig seinen Binnenmarkt uerstört hat, dann kann man sich ausmalen, wo es hinläuft."

    Das trifft für Deutschland nicht zu bzw. nicht in den von Ihnen (wahrscheinlich) gemeinten europäischen Ländern. Wir exportieren in diese Länder Spitzenprodukte, die im Importland kaum billiger sein können bei gleicher Qualität. Auch fehlt für einige Produkte auch die Kompetenz um es überhaupt gleichwertig herzustellen. Schließlich spielt auch das Image des Produktes eine Rolle.

    Anders gestaltet sich dies jedoch bei den Konsequenzen unseres hemmungs- und gedankenlosen Konsumverhaltens. Bsp.

    Durch extrem billige Exporte von Altkleidern (unterstützt auch von kirchlichen bzw. karitativen Organisationen) und von tiefgekühlten Billig-Hühnern (Resthuhn außer der hier gewünschten Hühnerbrust)werden z.B. in Afrika die einheimischen Markt zerstört. Aber wen interessiert schon Afrika. Hauptsache uns gehts gut.

    Das der Binnenmarkt hier in Deutschland seit knapp 15 Jahren nicht sein Potential entfalten kann, liegt wie von anderen und Ihnen schon erwähnt an den Maßnahmen die Schröder und Konsorten und alle danach in Ihrer fehlgeleiteten Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik getroffen haben. Leider ist keine Einsicht diesbezüglich zu sehen. Die Politik und (große) Wirtschaft brauchen die Konsequenzen ja nicht zu tragen.

    Antwort auf "Schön verkürzt..."
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    • AndreD
    • 30. Dezember 2012 15:26 Uhr

    Vergessen wir also nicht, dass die deutsche Produktivität bei gleicher Qualität die deutschen Preise bevorzugt.
    Die Bundesregierung könnte also über die Lohnentwicklung in Deutschland den anderen Staaten helfen.

    • TDU
    • 30. Dezember 2012 14:23 Uhr

    "Hier sind doch die wahren Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten!"

    Riberys Gehalt ist nicht durch das Gesetz festgelegt, und wenn er keien findet, der das bezahlt, bekommt er das auch nicht. Abgesehen davon, dass die Gewährer dieser Gehaltes auf Dauer gesehen erheblich mehr und sicher verdienen.

    Denken Sie also sie also an staatliche Lohnfestsetzung? Natürlich verdient ein Bundeskanzler viel zu wenig udn von mir aus könnte man das Gehalt verdoppeln.

    Aber dann der Unterbau. 16 Bundesländer, deren Minister hoch bezahlt sind, Abgeordnete, die nach 5 Jahren landtag 1.200 Euro Rente bekommen. Was würde sich ändern, wenn man Private deckelt? Nichts, denn Länder mit staatlicher Lohnfeststezung haben noch nie Wohlstand erzeugt. Ausser für eine ganz bestimmte Auswahl.

    Und was für andere tun? Keine der neuen Gesetzesmassnahmen kommt mir zugute. Ribery unterhält mich. Will man ihn nicht, kann man abschalten. Und wenn es Millonen machen,ist es zu Ende mit dem hohen Gehalt. Der Politiker verdient sein volles Gehalt auch bei einer Wahlquote von 40%. Vona ndern vergünstigungen ganz abgesehen.

    Da soll er auch, aber mein Einwurf galt nur der Gegenüberstellung.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, rav
  • Schlagworte Angela Merkel | SPD | Bundesregierung | CDU | Gerhard Schröder | Jürgen Rüttgers
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