Peer Steinbrück"Faire Löhne für gute Arbeit"

Vor seiner Kür zum Kanzlerkandidaten hat Peer Steinbrück den Schwerpunkt des SPD-Wahlkampfs festgelegt. Die Debatte um Gerechtigkeit soll im Mittelpunkt stehen. von afp

Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will das Thema Gerechtigkeit in den Mittelpunkt des Bundestagswahlkampfes rücken. "Die SPD tut gut daran, ihre unverkäuflichen Werte in den Vordergrund zu stellen – Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität", sagte Steinbrück der Süddeutschen Zeitung . Er werde sich im Wahlkampf für "faire Löhne für gute Arbeit" einsetzen.

Am Sonntag soll Steinbrück vom SPD-Parteitag zum Kanzlerkandidaten gewählt werden. Der 64-Jährige zeigte sich zuversichtlich, Angela Merkel im kommenden Jahr abzulösen. Die Kanzlerin sei zweifellos beliebt, aber mit Beliebtheit allein gewinne man keine Wahl, sagte Steinbrück. Der Kanzlerin und ihrer Partei fehle ein Wertekompass.

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Die CDU ließe zu, dass die deutsche Gesellschaft in Parallelgesellschaften zerfalle. Am unteren Ende fänden sich schlecht bezahlte Menschen, die sich ausgeschlossen fühlten und das Vertrauen in die Demokratie verlören. Am oberen Ende leisteten sich einige einen "schnöden Individualismus".

"Bindekräfte in dieser Gesellschaft" stärken

In einem Interview mit RTL sagte Steinbrück am Freitag, eine der zentralen Fragen seiner Nominierungsrede am Sonntag werde sein, wie "die Bindekräfte in dieser Gesellschaft" gestärkt werden könnten. Die schwarz-gelbe Bundesregierung habe "nach wie vor ein Gesellschaftsbild, das noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist". Die SPD habe "als einzige ein schlüssiges Rentenkonzept vorgelegt", sie rede nicht von einer Lebensleistungsrente, sondern über eine Solidarrente.

Zu seinem schwierigen Start als Kanzlerkandidat räumte Steinbrück ein, dass er auf die Diskussionen um seine Redeauftritte nicht vorbereitet gewesen sei und nicht bedacht habe, dass seine Nebentätigkeiten im Licht einer Kanzlerkandidatur öffentlich kritischer gesehen werden könnten.

Steinbrück hat es "ganz gut gemacht"

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte der Frankfurter Rundschau , Steinbrück hätte seine Bezüge schneller offenlegen müssen. Am Ende habe er es aber "ganz gut gemacht". Von Steinbrücks Rede am Sonntag erwarte er keine "spontane Wunderheilung", sagte Albig. Die Stimmung im Land werde sich erst im kommenden Jahr drehen, "wenn erkennbar wird, dass die anderen zwar eine starke Kanzlerin, aber keine starke Partei und keinen Koalitionspartner haben".

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), sagte der Passauer Neuen Presse , Steinbrück könne "niemand etwas vormachen". "Entscheidend ist sein politisches Kapital." Steinbrück überzeuge vor allem "bei den schwierigen Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik". SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte der Bild -Zeitung, Steinbrück sei der Beste, "um den Raubtierkapitalismus der Finanzmärkte energisch zu bändigen".

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Leserkommentare
  1. ... Erfinder des Niedriglohnsektors etwa zu höherer Einsicht gelangt sein?

    Immerhin - die Konkurrenz hat es immer noch nicht kapiert.

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    Steinbrück führt die SPD ins Wahldesaster.

    Die SPD macht die Kehrtwende nicht aus Überzeugung sondern aus Gefallsucht.

    Sie denkt sich "Wenn die Medien nun nicht mehr auf Deutschlands Umlagerente und Arbeiterschaft rumhackt, sondern auf den Bänkern, dann hängen wir uns halt da dran."

    Eben ganz modern: The Trend is your Friend.

    . .der übliche Wahlkampf. Wer Hoffnung ausleben will, der wählt Steinbrück ;-), ich etwas Anderes.

    • achimvr
    • 08. Dezember 2012 15:55 Uhr

    Zur damaligen Zeit war der Niedriglohnsektor noch kein Thema. Selbst Schröder hat gesagt daß man Fehlentwicklungen korrigieren müsse.
    Leider war das mit Merkel nicht möglich, einen Mindestlohn wollte die SPD schon während der schwarzroten Koalition.
    Übrigens hat bei Hartz4 auch die CDUCSU mitgewirkt, gerade an den arbeitnehmerfeindlichsten Errungenschaft sind die Schwarzen schuld.

    Das Problem ist daß es zu Merkel nur die Alternative Steinbrück gibt - und er ist das kleinere Übel. Das Positive sind die Sozialdemokraten u. ich hoffe daß die sich das nächste Mal nicht so vorführen lassen wie unter Schröder.

    • Bashu
    • 08. Dezember 2012 16:09 Uhr

    Steinbrück ist seine 100,000€ wert, möchte er sagen.

    von Einsicht keine Spur

  2. Steinbrück führt die SPD ins Wahldesaster.

    Antwort auf "Sollten die ..."
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    >> Allein: Mir fehlt der Glaube <<

    ... woher denn? Auf keinen Fall sind Sie damit allein ;-)

    Trotzdem geht ein Punkt für Einsicht an die SPD, null Punkte an die CDU.

    Die quäken zwar reflexartig "die SPD wars", wenn von Niedriglohn und Hartz IV die Rede ist, finden das aber nach wie vor alles super.

    Hätten sie Änderungsbedarf gesehen, hätten sie ändern können. Haben sie aber nicht.

  3. jetzt machen sich die Brandstifter schon selbst zum Feuerwehrmann.

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    Der damalige Bundesrat lieferte die Brandsätze, die Bereitstellung von Brandbeschleunigern wurde ebenfalls angeboten!

    wer SPD statt LINKE wählt, ist so doof wie Italiener, die wieder Berlusconi wählen werden.

    Bitte verzichten Sie auf beleidigende und unsachliche Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

  4. Man sollte eigentlich keine Wahlversprechungen abgeben, die man nicht halten kann. Aber man kennt es nicht anders.

  5. Der SPD glaube ich erst wieder was, wenn sie ihren schönen Worten auch Taten folgen lässt. Bis dahin sind sie aufgrund ihrer Verfehlungen im vergangenen Jahrzehnt nicht wählbar für mich.

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    Dazu muß man die SPD aber erst wählen. In der Opposition können sie das nicht beweisen. Mir scheint auch nicht sicher, ob die SPD wieder sozialer wird. Die Union ist und wird es aber sicher nicht.

    • sf2000
    • 08. Dezember 2012 17:00 Uhr

    ... ansonsten ist es nichts mit den Taten.

    Zuerst muss sich die SPD zu ihrem neoliberalen Sündenfall der Agenda-2010-Übertreibungen bekennen. Ohne Vergangenheitsbewältigung gehts nicht/geht nichts. Bis es soweit ist: LINKE wählen.

  6. Will dieser Herr noch mehr Geld für seine Vorträge bekommen?

    Irgendwie bezweifle ich das Steinbrück damit meint, dass man sich vor Billiglohnarbeitern aus dem Ausland schützen sollte. Denn anders werden die Produkte teurer, in Regalen aber würden Billigangebote (aus dem Ausland) stehen.

    Aber nichtmal das merkt man.

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    . .eh nicht auf dem Plan. Internationale Warenströme und Profite sind nicht zu unterbinden. Insoweit ist der Nationalstaatsgedanke unwichtig geworden.

    • dacapo
    • 09. Dezember 2012 19:07 Uhr

    Gehen Sie in die Politik, oder finden Sie Leute, die neben ihres Berufs, den die ja haben müssen (denn Hauptberuf Politiker gibt es noch nicht) in die Politik gehen. Dieses Geschwafel über die Nebenverdienste bringen uns alle nicht weiter, ausser einer persönlichen Sebstgefälligkeit aus dem Hintergund auf dem heimischen Sofa.

    Bei aller Kritik gegen Hartz4 sollte doch mal gesagt werden, wie die Reformen, die seinerzeit nach dem Nichtstun der Kohl-Regierung in 16 Jahren überfällig waren. Kein Mensch hat sich über das Nichtstun zu Kohls Zeiten aufgeregt, oder man war - zu jung (?), oder doch vergesslich?

  7. Wie seltsam, Peer Steinbrück war bisher in seiner politischen Laufbahn als Finanzminister und Ministerpräsident eher Fürsprecher der Banken als der kleinen Leute. Nun ist ja schon mancher vom Saulus zum Paulus geworden. Ob das aber bei Peer Steinbrück der Fall ist, bezweifle ich. Die SPD hätte bessere Leute dafür - etwa Thomas Oppermann - der braucht auch nicht zum Saulus werden!

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    " Die SPD hätte bessere Leute dafür -
    etwa Thomas Oppermann - der braucht
    auch nicht zum Saulus werden!"

    Der war aber noch nicht auf dem privaten Milliardärstreffen in St. Moritz, dem Herr Steinbrück nachweislich in 2011 seine Aufwartung machte. Und Oppermann wird da auch nicht eingeladen.

  8. >> Allein: Mir fehlt der Glaube <<

    ... woher denn? Auf keinen Fall sind Sie damit allein ;-)

    Trotzdem geht ein Punkt für Einsicht an die SPD, null Punkte an die CDU.

    Die quäken zwar reflexartig "die SPD wars", wenn von Niedriglohn und Hartz IV die Rede ist, finden das aber nach wie vor alles super.

    Hätten sie Änderungsbedarf gesehen, hätten sie ändern können. Haben sie aber nicht.

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    wedelt gerne mit der linken Hand, bevor sie mit der rechten Hand zuschlägt.

    Fast alle hier im Forum haben ja scheinbar begriffen, dass wir von der SPD nur an der Nase herumgeführt werden, und wir die CDU natürlich auch nicht besser finden. Jetzt gilt es nur noch, die Konsequenz daraus zu ziehen und KEINE von beiden zu wählen.
    Schade, irgendwie glaub ich nicht daran, dass das passiert.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, rav
  • Schlagworte Peer Steinbrück | SPD | Angela Merkel | Bundesregierung | CDU | Sigmar Gabriel
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