UmfrageWowereit sinkt auf Piraten-Niveau

Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit ist nur noch an 13. Stelle der beliebtesten Politiker der Stadt. Die Berliner SPD leidet unter dem Verlust des Wowereit-Bonus. von Ulrich Zawatka-Gerlach

CDU und Grüne im Aufwind, die SPD im Sinkflug. Seit der Abgeordnetenhauswahl im Herbst 2011 haben die Sozialdemokraten nicht mehr viel zu lachen. Die Sozialdemokraten, seit 2001 größte Regierungspartei, leiden unter dem Liebesentzug der Wähler. Und ihr Spitzenmann, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit , gehört seit dem Desaster um den Großflughafen BER zu den unbeliebtesten Politikern Berlins. Es gibt auch keine Anzeichen, dass er sich von dem Schock wieder erholen könnte.

In einer neuen Meinungsumfrage des Forschungsinstituts Forsa liegt Wowereit an 13. Stelle, hinter ihm nur noch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und zwei Piraten. Er kann sich nur damit trösten, dass der CDU-Landeschef und Innensenator Frank Henkel auf Platz 11 kaum eine bessere Figur macht. Der Wowereit-Bonus ist aufgebraucht, das spürt die Hauptstadt-SPD schmerzlich. Sie kommt nur noch auf 24 Prozent, der Koalitionspartner CDU hat mit 27 Prozent die Nase vorn und die Grünen holen mächtig auf. Sie liegen bei 22 Prozent, auch die Linke verzeichnet mit zwölf Prozent einen Aufschwung, während die Piraten mit sechs Prozent das schlechteste Umfrageergebnis seit der Berliner Wahl 2011 verdauen müssen.

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Seit Wowereit regiert, standen seine Sozialdemokraten nur zwei Mal ähnlich dumm da wie jetzt. Das war im Bundestagswahlkampf 2009, als die Bundespartei völlig orientierungslos einem katastrophalen Wahlergebnis entgegentaumelte und sich erst im Frühjahr 2010 wieder fing. Auch Wowereit bekam damals den Unmut der Wähler ab. Sie empfanden ihn als lustlos und abgehoben, doch es gelang dem Regierenden Bürgermeister, sich als engagiertes und volksnahes Stadtoberhaupt neu zu erfinden. Außerdem rückte er zum Vize-Chef der personell erneuerten Bundes-SPD auf, das war ein wohltuender Prestigegewinn.

Auch 2004 musste die Berliner SPD eine längere Durststrecke überwinden, verbunden mit einem zeitweiligen Beliebtheitsknick Wowereits. Es kriselte in der Bundespartei, die harte Sparpolitik Thilo Sarrazins machte viele Bürger zornig und im April 2004 nahm der SPD-Landeschef Peter Strieder im Zuge der Tempodrom-Affäre seinen Hut. Schon damals witterten Union und Grüne mit sehr guten Umfragewerten (33 und 18 Prozent) Morgenluft. Aber dann zogen sich die Sozialdemokraten an den eigenen Haaren aus dem Sumpf, das Führungs-Duo Wowereit und Michael Müller (als Fraktions- und Landeschef) brachte neue, dauerhafte Stabilität.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • mugu1
    • 29. Dezember 2012 14:16 Uhr

    Klingt vielleicht hart, wenn ich das schreibe, aber: Und da gehört er m.E. auch hin!

    Irgendwann ist es halt vorbei mit "Sexy". Im realen Leben, wie in der Politik.

    Was Berlin dann bleibt? Ganz klar: Aber arm.

    Ich bin nur froh, dass ich in der Provinz lebe, fast so weit weg von Berlin wie möglich. Diese ist auch arm (=überschuldet). Aber definitiv schöner. Und erheblich sauberer, in vielerlei Hinsicht.

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    • andand
    • 29. Dezember 2012 14:41 Uhr

    ich wundere mich immer wieder in den verschiedensten zusammenhängen, wieso menschen bei anderen menschen, die sie belügen und betrügen (das ist jetzt etwas kurz gefasst, aber weitere differenziertheit würde hier den rahmen sprengen) das nicht sehen wollen und sich über die maßen scheuen, konsequenzen aus diesem handeln zu ziehen,das vorgibt das gegenteil von dem zu sein, was es ist.

    ich beobachte, dass es am besten funktioniert, wenn das leugnen der realität einfach mit ständigem lächeln kombiniert wird und damit, nie direkt "nein" zu sagen.
    und dem verweis, dass die umstände schwierig seien. oder andere menschen schuld.

    so funktioniert das auch bestens seit langen jahren für herr wowereit (wulff, guttenberg ...), der nach seiner rede (lächelnd) demokratisch und sozial sei, in realität aber undemokratisch und asozial/verantwortungslos/skrupellos agiert.

    ich wundere mich, wie lange er damit durchkommt. und ich wundere mich auch, wie manche menschen diese fassaden-lächel-schauspiel-show als charismatisch bezeichnen können. ich habe das angebliche charisma auch bei wulff und guttenberg nie sehen können. ich fand und finde, diese beiden ebenso wie wowereit nur große angeber, die vorgeben, etwas zu sein und zu tun, was sie nicht sind. und ich wundere mich, wie viele menschen sehr gewillt sind, das zu glauben. und zu wählen.

    wenn sich das blatt nun für wowereit wendet, kann ich das nur begrüssen. aber ich habe leider nicht die große hoffnung, dass das insgesamt viel ändert.

  1. In Wirklichkeit ist er auch nicht schlimmer oder besser als andere sogenannte Spitzenpolitiker. Ich behaupte sogar, dass Frau Merkel, wäre sie der Bürgermeister von Berlin, genauso wenig geändert hätte, der Flugplatz BER wäre genauso in die Hosen gegangen, die S Bahn wäre wie sie ist usw.

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  2. Bitte ändern sie ihre Headline. Die Piraten und Herrn Wowereit in einem Satz zu nennen, beleidigt die Piraten.

    Das haben sie nicht verdient. Herr Wowereit steht für sich allein für seine "Leistungen". Das hat keine Vergleich.

    • matbhm
    • 29. Dezember 2012 15:46 Uhr

    Wo haben Sie her, dass für den Flughafen ein Bundes-Bayer zuständig sei. Mehrheitsanteilseigner sind die Länder Berlin und Brandenburg - und zwar mit deutlichem Abstand. Und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft ist Wowereit (übrigens: Aufsichtsrat hat etwas mit "Aufsicht" zu tun - aber Wowereit könnte man die Problem direkt auf den Frühstücksteller legen und er würde sie nicht erkennen). Und auch für das S-Bahn-Desaster ist, soweit es um die Auschreibung von Strecken geht, Berlin und hier vorrangig Wowereit verantwortlich. Denn Wowereit hat ewige Zeiten die Entscheidung, die Auschreibungen vorzunehmen, hinausgezögert. Man hatte deswegen schon vor einiger Zeit gemutmaßt, dass die Zeit nicht reichen werde. Darüber hinaus hat er die verpasste Chance zu verantworten, dass man nach den Winterdesastern der S-Bahn nicht längst den Vertrag mit der Bahn gekündigt hat.

    Im Übrigen gilt: Man sollte Mal fragen, was Woweireit für Berlin an Bedeutendem erreicht hat! Und die Antwort lautet: Nichts! Stattdessen hat er mit kessen Sprüchen aufgewartet. So z. B. mit seinen Kommentaren im letzten großen Winter, in dem die Leute reihenweise sich flachgelegt haben, weil die Stadt nicht in der Lage war, den Schnee anständig zu räumen und das Glatteis zu bekämpfen (alte Leute mussten tagelang zu Hause bleiben um nicht Leib und Leben zu riskieren - und das in Berlin als größter deutscher Rentnerstadt)!

    • Calato
    • 29. Dezember 2012 18:27 Uhr

    Um seine Zukunft braucht sich jemand wie Wowereit kaum Gedanken zu machen.

    Ich denke da zum Beispiel an: "Kölle Alaaf!!!"

  3. Wie sich die Bilder gleichen und auch die Phänomene: In WIEN regiert seit vielen Jahren mit Dr. Michael Häupl (SPÖ) ein Parteifreund Wowereits wie ein "Landesfürst", gemeinsam mit den Grünen. Allerdings steht Wien durch solide Budgetpolitik finanziell deutlich besser da als das chronisch finanzmarode Berlin. Und dass Totgesagte (Wowereit, wieder einmal) länger leben, dürfte wohl hier wie dort bekannt sein...

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  4. falls Du noch so etwas wie ein Gewissen hast, so geh ganz schnell und ganz lautlos, die Worte "Wir sind das Volk" sind sehr laut und nicht mehr fern. Schalte Dein Gewissen ab und
    genieße das abgesahnten Geld. BY.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
  • Schlagworte Klaus Wowereit | SPD | CDU | Grüne | Michael Müller | Bundestagswahlkampf
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