Élysée-Vertrag"Der Rahmen für tiefe Freundschaft"

Frankreichs Präsident Hollande und Kanzlerin Merkel haben die deutsch-französische Aussöhnung gewürdigt. Sie feiern mit ihren Parlamenten 50 Jahre Élysée-Vertrag.

Kanzlerin Merkel begrüßt Frankreichs Präsident Hollande im Bundestag.

Kanzlerin Merkel begrüßt Frankreichs Präsident Hollande im Bundestag.  |  © Odd Andersen/AFP/Getty Images

Bei einem Festakt im Bundestag zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags haben Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande die Bedeutung des Abkommens hervorgehoben. Es habe die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf eine völlig neue Grundlage gestellt, sagte Merkel. Der Vertrag "bildet für uns heute den Rahmen für tiefe Freundschaft".

Zu der Feier versammelten sich im Berliner Reichstag die Abgeordneten von Bundestag und der französischen Nationalversammlung. Damit hat der Bundestag erstmals ein komplettes ausländisches Parlament zu Gast. Hollande betonte, dass die deutsch-französische Freundschaft niemanden ausschließe, sie sei untrennbar verknüpft mit der europäischen Integration.

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Deutschland und Frankreich seien es aber, "die zeigen müssen, wohin der Weg geht". So müsse alles daran gesetzt werden, dass sich die europäische Wirtschafts- und Währungsunion zu einer politischen Union weiterentwickele.

Aus der engen Verbindung zwischen Frankreich und Deutschland ergebe sich auch eine besondere Verantwortung, sagte der französische Präsident. "Man muss alles daran setzen, um Europa aus der derzeitigen Krise herauszuführen." Dafür sei man auf einem guten Weg, "aber wir müssen wachsam bleiben".

"Auch die größten Probleme können überwunden werden"

Merkel schlug bei ihrer Rede einen Bogen von den Anfängen der Aussöhnung zwischen den beiden einstigen Erzfeinden hin zur derzeitigen Lage in Europa: "Was lernen wir aus 50 Jahren deutsch-französischer Freundschaft? Auch die größten Probleme können überwunden werden, wenn wir uns auf die Kraft von Frieden in Freiheit besinnen und wenn wir den Mut für Veränderungen haben."

Wichtig sei vor allem, das Interesse für andere Staaten und ihre Bürger nicht zu verlieren. "Denn wer nicht neugierig ist, dem kann man es auch durch einen Vertrag nicht befehlen, sich für den anderen zu interessieren", sagte die Kanzlerin und erinnerte daran, dass "die Bürger Süd- und Nordeuropas, West- und Osteuropas in der Europäischen Union zu unserem Glück" vereint seien.

Zuvor hatte einer gemeinsamen Sitzung des Bundesrates mit dem französischen Senat auch der Präsident der Länderkammer Winfried Kretschmann die Bedeutung der deutsch-französischen Freundschaft gewürdigt. Sie sei auf einzigartige Weise gewachsen. "Wir sind echte Freunde geworden", sagte der Ministerpräsident Baden-Württembergs.

Sein französischer Amtskollege Jean-Pierre Bel hob hervor, dass die Aussöhnung zwischen den einstigen Erbfeinden eine Vorbildfunktion habe. "Wir tragen eine Botschaft des Friedens in die ganze Welt", sagte der Senatspräsident.

Unterzeichnet von Adenauer und de Gaulle

Mit dem Élysée-Vertrag hatten die beiden einstigen Kriegsgegner am 22. Januar 1963 ihre Aussöhnung besiegelt. Unterzeichnet wurde er im Élysée-Palast, dem französischen Präsidialamt, vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer und vom damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle. Über die Regierungskontakte hinaus gibt es zwischen beiden Ländern inzwischen mehr als 2.200 Städtepartnerschaften. Mehr als acht Millionen Deutsche und Franzosen nahmen seit 1963 an Austauschprogrammen teil.

Außenminister Guido Westerwelle und der französische Außenminister Laurent Fabius äußerten gemeinsam Sorge über zunehmenden Nationalismus in Europa. "Wir wollen der Gefahr einer Erosion innerhalb der EU entgegenwirken", schrieben die beiden Politiker in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Die Neigung zu Populismus und Nationalismus hat im Laufe der europäischen Schuldenkrise bedenklich zugenommen. Dem stellen wir ein deutsch-französisches Bekenntnis für Europa entgegen."

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Leserkommentare
  1. Ich bin Franzose und ich bin sehr stolz auf die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich. Unsere beiden Länder haben eine gemeinsame Zukunft. Gemeinsam sind wir stärker.

    In den 1910er Jahren schrieb ein französischer Schriftsteller, Romain Rolland : "Frankreich und Deutschland sind die beiden Flügel des Westens. Wer einen davon verletzt, hindert zugleich den anderen am Fliegen". Die Welt hat sich verändert, aber ich glaube, das gilt heute noch.

    Die Franzosen lieben die Deutschen.

    Es lebe die deutsch-französische Freundschaft ! Vive l'amitié franco-allemande !

    Entschuldigen Sie bitte mein Deutsch.

    6 Leserempfehlungen
  2. Und jetzt bitte das Gleiche mit Polen!

    5 Leserempfehlungen
    • mcking
    • 22. Januar 2013 12:39 Uhr
    1. Danke!

    Ich bin froh, dass wir heute Freunde sind! Ich wollte nicht in Karlsruhe am Rhein wohnen und wissen dass jeder Zeit eine Rakete aus Frankreich in mein Haus einschlagen kann.
    In vielem sind wir uns ja auch sehr ähnlich, Gott sei dank aber nicht in allem.
    J'espere que l'Allemagne et la France restent ensemble pour toujours!

    3 Leserempfehlungen
  3. GENAU.

    Die EU-Gründungspropaganda lautete auch auf das Gegenteil von dem, was wir jetzt haben (eine Schuldenunion ESM).

    Immerhin löst nun ein Holländer den Eurogruppenchef Juncker ab. Holland ist das einzige Mitgliedsland, dass den Maastricht-Vertrag nur mal eben knapp verfehlt.

    Kein Wunder, dass die Schachtschneiders, Elsässers, Hankels, Schäfflers, Storchs etc. pp. im Kommen sind.

    Rechtsstaatlich denkende Menschen beharren eben auf Vertragserfüllung.

    3 Leserempfehlungen
  4. Frankreich ist ein Land, das sorglos mit der Atomkraft umgeht, auf die nationale Verfügungsgewalt von Atomwaffen besteht, jährlich bombastische Militärparaden abhält, mit denen allenfalls noch China und Nordkorea mithalten können, das mehrere Überseegebiete bis heute besitzt und Gebietsansprüche auf Teile der Antarktis erhebt, die international nicht anerkannt werden, das zahlreiche Militärbasen im Ausland unterhält, in seiner gefühlten afrikanischen Einflusssphäre willig auf Militärgewalt zurückgreift etc. In Deutschland würde ein solches Auftreten vielfach als "Wilhelminismus" gegeißelt. Man stelle sich vor, Deutschland würde sich wie Frankreich verhalten. Das Zeter und Mordio könnte ich mir gut vorstellen und es käme zu einem nicht geringen Teil von genau denjenigen Leuten, die sich als Freunde und Bewunderer Frankreichs ausgeben...

    Deutschland soll sich ständig mit allen und jedem absprechen und Kompromisse eingehen, während die Erbfreunde jenseits des Rheins grundsätzlich ohne jede Konsultation ihre große Politik verfolgen. Oder richtet Frankreich etwa seine Energiepolitik, seine Militärinterventionen oder die Frage der nuklearen Abrüstung - um nur drei Beispiele zu nennen - nach den Vorstellungen seiner EU-Partner aus? Was für Frankreich ganz normal ist, wird Deutschland als Großmachtstreben ausgelegt.

    2 Leserempfehlungen
  5. Die Franzosen feiern bis heute den Waffenstillstandstag von 1918, legen allen Ernstes Kränze für Clemenceau nieder, verlangen von ihrer Lehrerschaft, auf die positiven Seiten der eigenen Kolonialherrschaft hinzuweisen, sie glauben immer noch daran, ihr Land habe eine besondere welthistorische Mission - hierin ähneln die Franzosen nicht den Deutschen, sondern den von ihnen so häufig im Bewusstsein der eigenen kulturellen und machtpolitischen Unterlegenheit neidvoll kritisierten "les anglo-saxonnes". Ein Teil der Europäer hat die eigene Geschichte schmerzvoll aufgearbeitet, der andere schwelgt dagegen unverändert in nationalen Mythen - einer von vielen Gründen, weshalb niemals eine gemeinsame europäische Identität entstehen wird.

    Deutschland sollte seine besondere Beziehung zu Frankreich, die nach dem 2. Weltkrieg notwendig war, jedoch politisch nie auf Gleichrangigkeit basierte, überdenken. Insbesondere in der heutigen EU der 27 darf sich Deutschland nicht mehr als westeuropäisches Land verstehen - was wir geschichtlich sowieso niemals waren - sondern muss sich um die Beziehungen zu seinen östlichen Nachbarn kümmern, Mitteleuropa kulturell und politisch um sich scharen und die Beziehungen der EU zu Russland entscheidend bestimmen. Das wäre eine deutsche Aufgabe anstelle des dauernden Nachäffens der atlantischen Westmächte Frankreich, Großbritannien und USA neben denen Deutschland außenpolitisch immer nur zum Bäckergesellen für militärische Hilfsdienste herabgewürdigt wird.

    2 Leserempfehlungen
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    • doch40
    • 22. Januar 2013 16:07 Uhr

    Wenn Sie Frankreich so hart kritisieren, wie muss dann erst Ihre Kritik über die von Ihnen favorisierten Diktaturen Weißrussland und Russland ausfallen?

    Westeuropa, Osteuropa, USA, Russland, böser Westen, guter Osten.... Mir scheint Sie denken noch immer in den Katgeorien des Kalten Krieges! Das was Sie da beschreiben ist doch mittlerweile schon obsolet. Zumindestens bei der jüngeren Generation ist das so.Da gibt kein West oder Osteuropa mehr, sondern nur noch die 27 Staaten der EU. Da wird nicht mehr differenziert oder die eine Seite der anderen vorgezogen. Wenn Sie das noch nicht bemerkt haben, dass wächst immer mehr zusammen. Damit meine ich nicht nur den politischen Aspekt sondern kann das auch in meinem Beruf und Privatleben feststellen.

    "sondern muss sich um die Beziehungen zu seinen östlichen Nachbarn kümmern, Mitteleuropa kulturell und politisch um sich scharen und die Beziehungen der EU zu Russland entscheidend bestimmen"

    Passiert doch schon seit Jahren. Inzwischen gibt es doch neben deutsch-französischen Regierungskonsultationen, auch deutsch-polnische und deutsch-russische Treffen auf dieser Ebene. Das diese Beziehung noch nicht so ausgeprägt sind wie die mit Russland oder Polen, liegt vielleicht daran das der "Élysée-Vertrag" schon 50 Jahre alt ist. Das Weimarer Dreieck sagt Ihnen doch bestimmt auch noch was.

    • scg
    • 22. Januar 2013 16:11 Uhr
    9. (...)

    Was mir zu dem Deutsch-Französischen Verältnis einfällt ist "separate but equal". Wir sind aufgrund der Geschichte grundverschieden, aber ebenso eng verbunden.Die Mentalitäten sind grundverschieden, und in manchen Dingen stehen die Meinungen der beiden Länder diametral gegenüber, aber dennoch sind wir wohl kaum einem anderen Land näher als den Franzosen.Ich hoffe, dass es auch weiter so bleibt. Scheppern tut es in den besten Familien. Aber unserer bester Freund darf nie wieder zum Erzfeind werden

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  6. Gemeinsame Kabinettssitzung.
    Gemeinsame Parlamentssitzung.
    Ein historischer Tag!
    Es stimmt mich froh Zeuge davon sein zu dürfen.

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