Steinbrück wird Spitzenkandidat bleiben. Hinter vorgehaltener Hand reden einige Sozialdemokraten zwar davon, dass man angesichts der negativen Schlagzeilen um den Kanzlerkandidaten ja "noch gut weg gekommen“ sei.  Aber selbst die Linken in der Partei haben sich längst damit abgefunden, dass sie an ihn gebunden sind. Egal, wie sehr er ihnen auch zu schaffen macht.

Was folgt daraus für die kommenden Monate? Parteiintern dürfte der linke Flügel umso stärker werden, je weniger der Kandidat glänzt. Wenn Steinbrück die Wahlen nicht durch persönliche Beliebtheit gewinnen kann, muss eben die sozialdemokratische Programmatik überzeugen. Das scheint durch, wenn der Berliner Landesvorsitzende Jan Stöß sagt: "Die Wahl hat gezeigt, dass man dazugewinnt, wenn man auf linke Themen, wie bezahlbare Wohnungen und Mindestlohn, setzt.“

Die Bundes-SPD versucht jetzt, die vermeintlichen Probleme der Anderen zu ihren Stärken umzudeuten. Die FDP könne nicht mehr allein existieren, sondern nur noch dank "Fremdblutzufuhr“ durch die Union. Außerdem seien die Piraten gescheitert und die Linken in Westdeutschland auch. Deshalb, so argumentierte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Wahlabend, müsse "Rot-Grün wählen, wer einen Wechsel will“. Das ist nicht falsch. Aber es sagt einiges über die Situation der Sozialdemokraten, dass sie über die anderen Parteien spricht anstatt über eigene Stärken.

Seit diesem Sonntagabend hat sie, dank der erfolgreichen sozialdemokratischen Wahlkämpfer in Niedersachsen, eine erste kleine Erfolgsgeschichte, mit der sie in die Bundestagswahl ziehen kann. Jetzt muss Steinbrück, der so wenig dazu beigetragen hat, das Beste daraus machen.