VerbotskulturDer Zwang, freiwillig vernünftig zu sein

Von einer Verbotskultur kann in Deutschland nicht die Rede sein. Beschränkungen erlegen wir uns im Streben nach Gesundheit und Leistung selbst auf. von 

Gibt es in Deutschland einen Hang zum Verbot? Darüber ist in den vergangenen Wochen allerlei geschrieben und diskutiert worden: Muss nach dem Rauchen in Kneipen auch der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verboten werden? Kennt der Deutsche auf Unvernunft stets nur eine Antwort – das Verbot?

Keineswegs. Denn mehr noch als eine Verbotskultur wirkt hierzulande eine Kultur der freiwilligen strengen Selbstkontrolle. Es gibt unzählige Vorsorgeuntersuchungen, Pässe, Scheine und Bonus-Heftchen, Körper und Geist stehen unter strenger Beobachtung. Doch geht es dabei nicht mehr wie früher um Sittenverfall und Zügellosigkeit, sondern um Gesundheit und Leistung. Überall stößt man auf Mahnungen und Warnungen, nicht nur auf Zigarettenpackungen. Dass Dinge wie Rauchen, Trinken, übermäßiger Zuckerkonsum oder schnelles Fahren gefährlich sind, weiß jeder. Muss man diese Binsenweisheiten erwachsenen Bürgern gegenüber ständig wiederholen?

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In Deutschland ist die Bevormundung längst von der Pädagogisierung abgelöst worden. Es geht nicht mehr um die autoritäre Durchsetzung von Zielen, sondern um die wohlmeinende Erziehung des Bürgers. Er soll verstehen und sich selbst bessern. Er soll nicht auf ärztlich-autoritäre Weisung hören, sondern aus tiefer eigener Erkenntnis seinen Lebenswandel korrigieren. Selbstoptimierung ist eines der Schlüsselwörter aus der modernen Manager- und Coach-Sprache. Dabei muss alles offengelegt werden, jeder sich selbst durchleuchten und am besten Listen führen: Wann habe ich wie viel getrunken? Wie viele ungesättigte Fettsäuren waren es heute schon? Habe ich schon die nötigen Obst- und Gemüseportionen erreicht? War ich schon 30 Minuten bei Tageslicht draußen? Und was trägt diese Portion Pommes zu meinem Säure-Basen-Haushalt bei?

Kein Genuss ohne Reue

Was geschieht, wenn die Intimsphäre unter dem Vorwand des Guten und Rechten öffentlich gemacht wird, damit hat sich der in Berlin lehrende Philosoph und Byung-Chul Han in seinem Buch Transparenzgesellschaft beschäftigt. Hans zentrale These ist: Die heutige Gesellschaft ist vom Dogma der Transparenz beherrscht, alles muss offenbart, erklärt, bewiesen werden. Die von Krebs zerfressene Lunge muss auch unbedingt für jeden sichtbar gemacht werden.

Dieses zwanghafte Offenlegen hat für den psychischen Zustand einer Gesellschaft eine große Bedeutung. Anstelle von Vertrauen und Vorstellungskraft setzt sie auf Information und Kontrolle. Genuss ohne Reue ist somit kaum mehr möglich, denn man weiß ja vorher, wie die Leber und die Lunge später aussehen werden. Die Kontrollgesellschaft vollendet sich dort, "wo ihr Subjekt sich nicht aus äußerem Zwang, sondern aus selbstgeneriertem Bedürfnis heraus entblößt", schreibt Han.

Und es wirkt ja. Auch ohne Rauchverbot weiß jeder Raucher, dass er Schlimmes tut und damit aufhören sollte. Kein Verbot erzeugt ein solches Gefühl.

In manchen Kulturen sind der Genuss von Alkohol oder der Verzehr bestimmter Fleischsorten untersagt. Hierzulande wird lieber gekennzeichnet, benannt, vorgesorgt, nachgesorgt, bewertet, informiert, offengelegt, enttarnt, mit einem Siegel versehen, mit einem Negativ-Preis geehrt und so weiter.

Die Autonomie des Individuums mit seiner Einwilligung zu untergraben, ist im Vergleich zur autoritären Erteilung von Befehlen oder Verboten die überlegene Führungsstrategie. Wenn es so weitergeht, wird Deutschland ein einziger großer Weight-Watchers-Club, in dem sich jeder selbst dauernd bewertet und überprüft. Und das auch noch freiwillig.

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Leserkommentare
  1. Mir ist nicht klar, warum sich der Staat in alles einmischen soll, aber der Wirtschaft einen Freiraum nach dem anderen gewährt.
    Warum kann der Wirt nicht selbst entscheiden, ob er er eine Raucherkneipe haben möchte oder nicht. Er soll das gut sichtbar am Eingang zu seiner Lokalität anbringen. Es ist dann kein Nichtraucher gezwungen in eine solche Kneipe zu gehen, wenn er es dennoch tut, dann eben in dem Bewusstsein, dass er seiner Gesundheit ggf. nichts Gutes tut. Ich bin auch als Nichtraucher nicht gezwungen in solch einer Kneipe zu arbeiten. Es wird dann der Zuspruch entscheiden, ob das Konzept der rauchfreien oder Raucherkneipe aufgeht oder nicht.
    Ebenso das gesellschaftliche Mobbing von Dicken nimmt mittlerweile Züge eines Kreuzzuges an.
    Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen, die Politik erweist gegenüber der Industrie eine mir egal Haltung und gängelt den Bürger bis in die kleinsten Bereiche.
    Politiker signalisieren damit für mich nur, wir tun was.

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    Dann gehen sie doch nach Österreich und machen sie sich ein Bild von ihrem Vorschlag. Da hat nämlich die Tabaklobby dafür gesorgt, das exakt ihre Vorschläge in die Tat umgesetzt worden sind. Mit dem Ergebnis das alles gleich geblieben ist. In jedem Lokal und in jeder Bar wird gequalmt, das sich die Balken biegen. Es muß zwar einen Nichtraucherbereich geben (mit Rot gekennzeichnet, der Raucherbereich in Grün!!!), der abgetrennt vom Raucherbereich ist. Die Türen sind aber immer sperrangelweit offen, damit die Kellner schnell und bequem durchgehen können. Spielt aber keine, große Rolle, da sich der Nichtraucherbereich in den meisten Fällen ganz hinten an der unattraktivsten Stelle des Lokals befindet, für den man auch noch den Raucherbereich durchqueren muß. Wenn sich 3-4 Leute treffen, kann man auch davon ausgehen, das ein Rauceher dabei ist, der vehement darauf besteht, im Raucherbereich zu verweilen. Nichtraucherlokale gibt es übrigens so gut wie keine, da kein Wirt auf einen Teil seiner potentiellen Kunden verzichten will. Ihr Vorschlag funktioniert einfach nicht, weil Suchtkranke nicht freiwillig auf ihre Droge verzichten werden. Deswegen ist eine geseztliche Regelung wie in Deutschland die einzige, richtige Lösung gewesen. Und nochmal. Ob Raucher sich selber schädigen ist egal, es geht um den Schutz der Nichtraucher.

    Niemand hat behauptet, dass Passiv-Rauchen unbedenklich ist.

    Aber wenn man ein Feindbild hat braucht man sich keine weiteren Gedanken zu machen.

    Auf einer Kreuzfahrt mit über 90% Amerikanern an Bord habe ich auf dem offenen Oberdeck eine Zigarette geraucht. Etwa 5 Meter entfernt stand eine Frau mit einem Baby und forderte mich wegen ihres Babies auf noch weiter zurück zu gehen. Sie stand mit ihrem Baby direkt neben dem Abluftschacht der Klima-Anlage.

    Letzten Sommer im Stadtzentrum von Frankfurt bei über 30 Grad an einer Bushaltestelle einer vierspurigen Straße mit viel Verkehr und auch vielen LKWs. Da stehen dann auch Frauen mit Kinderwagen und warten auf den Bus. Alles kein Problem. Autoabgase sind ungefährlich.

    Wenn in einem Raum 10 Raucher und 90 Nichtraucher sind, ist es ein Raum voller Rauch. Die Raucher haben die Macht, den Nichtrauchern ihren Willen und ihre Lebensweise aufzuzwingen. Kein Wunder, dass die Raucher wertkonservativ sind und alles beim alten lassen möchten.

    Das haben sie hundert Jahre lang gemacht. Jetzt sind erst ein mal hundert Jahre lang wir Nichtraucher dran. Dann wird neu verhandelt, versprochen.

    Oktroyierte Reglementierungen im Miteinander führen zwangsläufig zu einer Blockwartmentalität. Jeder Tumbe, der sich von diesem vermeintlich Aktivismus unserer Volk(ver)treter animieren lässt, wird irgendwann zuschlagen; hatten wir schon einmal.
    Und noch einmal, mich zwingt als gesundheitsbewusster Nichtraucher niemand in eine Kneipe zu gehen, in der gequalmt wird. Soweit sind wir trotz Tabaklobby noch nicht!
    Aber es geht in der Diktion des obigen Artikels doch um weitergehende Tendenzen, nämlich um die Verordnung eines angeblich vernunftbezogenen Lebensstils, der je nach politischer Ausrichtung mal so oder so ausfällt.
    Oftmals werden dann auch noch als Killerargument anfallende Kosten aufgeführt, die ein angeblich ungesunder Lebensstil mit sich bringt. Auch eine solche Argumentationskette hatten wir schon einmal.
    Der Mensch soll entsprechend der deutschen Industrienorm eingenormt werden. Nicht noch einmal.

    Nun, unter anderem deshalb, weil es dem Hotel- und Gaststättenverbund jahrelang nicht gelungen ist, freiwillig zumindest in größeren Speisegaststätten eine Mindestquote von NICHTraucherräumen durch zu setzen. Ergebnis war dann, dass der Staat Gestze erlassen hat. Darauf fingen die Wirte dann das Heulen an ...

  2. Es gibt einen entscheidenden Unterschied: selbst auferlegte Einschränkungen können in der Regel aus eigenem Antrieb und in freier Entscheidung wieder abgelegt werden.
    Bei einer staatlichen Regulierung ist dies nicht möglich. Diese betrifft jeden einzelnen und wirkt damit meiner Meinung einer (maximal-)pluralistischen Gesellschaft entgegen.

    Beispiel Rauchen: Die Schädlichkeit ist hinreichend bekannt. Trotzdem gibt es Menschen, welche die Gefahren in Kauf nehmen, gerne rauchen und meiner Meinung nach auch das Recht dazu haben. Eine staatliche Regulierung betrifft auch diese Menschen und beschneidet de facto deren Freiheiten.

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    Es geht nicht um die Bevormundung der Raucher. Es geht um den Schutz der Nichtraucher. Auch ich war ein toleranter Nichtraucher und habe aktzeptiert, das ich beim Ausgehen von Rauchern vollgequalmt worden bin. Bis zu der Erkenntnis, das ich durch Passivrauchen genauso Schaden davontrage wie die Raucher. Seitdem war und bin ich ein vehementer Anhänger des Nichtraucherschutzes in geschlossenen Räumen. Ich habe den persönlichen Vorteil, das ich nicht mehr unter starken Kopfschmerzen leide, wenn ich in Bars und Klubs gehe und das ich nicht mehr meine komplette Wäsche am nächsten Tag waschen muß, wenn ich mich auf ein Bier mit Freunden treffe. Das Raucher sich selber schweren Schaden zufügen, ist mir persönlich so was von egal und war auch nicht der Ursprung des Gesetzes.

    ...Menschen [Raucher] und beschneidet de facto deren Freiheiten."

    Da haben Sie eine bemerkenswerte Eigenschaften von Regulierung entdeckt.

    Der wohlinformierte Mensch von heute, der weiß, dass Freiheit gut ist und Regulierung - insbesondere noch die staatliche - schlecht, kann natürlich unschwer messerscharf folgern, dass damit auch jegliches Rauchverbot - insbesondere natürlich auch hier das staatliche - von Übel ist.

    Wenn also die Menschheit jemals wieder frei und damit glücklich sein will, muss das Rauchverbot fallen. Eigentlich gilt Gleiches unter Freiheits- und damit Glücklichkeitsaspekten auch für Geschwindigkeitslimits in Stadt und Land.

    • tufelix
    • 19. Januar 2013 14:07 Uhr

    Würde jeder Bürger sich verantwortungsbewusst gegenüber seinen Mitmenschen verhalten, gäbe es das Problem Rauchen gar nicht.
    Aber so ist es eben nicht.
    Rauchen gefährdet nun einmal die Gesundheit nicht nur der Raucher, sondern auch der Passivraucher. Da aber Raucher dieses Problem nicht sehen, rauchen sie auch dort, wo andere Menschen sind, die nicht rauchen und auch nicht mitrauchen wollen. Das macht ein Verbot richtig und sinnvoll.

    Gerne verweisen Raucher auf ihre persönliche Freiheit.
    Ebenso haben Nichtraucher ein Anrecht auf persönliche Freiheit, die "rauchfrei" in öffentlichen Gebäuden und Fahrzeugen heißt.

  3. von EUrokraten und den ÖKOS.
    Es reicht.

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    Die eine Sache ist die Bevormundung, die andere ist die ekelhafte moralische Überheblichkeit dieser Menschen. Pfui. Diese unterschwellige Unterstellung man sei ja zu blöd dies und jenes zu vesrtehen, deshalb müsste man auf den richtigen weg gebracht werden. Pfui, pfui, pfui

    • whale
    • 19. Januar 2013 20:24 Uhr

    sind die Städte voll von Imbiss-Buden, während man ein vegetarisch-biologisches Restaurant wie eine Stecknadel im Heuhaufen suchen muss. Bevormundung durch Ökos also?
    Zigarettenautomaten prangen in jeder Straße an irgendeiner Häuserwand, für frisches Obst muss ich den nächsten Supermarkt aufsuchen,für biologisches Obst... na ja, Bevormundung durch Ökos.
    Bevor ich eine Straße überqueren kann, muss ich Kolonnen an stinkenden Autos an mir vorüberziehen lassen - dann endlich kann ich - freies Gehen für freie Bürger! - die Straße überqueren. Ach ja, die Ökos bevormunden mich ja so.
    Am Abend vorm TV: Werbung für... na ja, Autos, Junkfood, Elektronik-Krimskrams... Kinder werden auf Fruchtzwerge heiß gemacht. Wo und wie ich mich gesund ernähre, erfahre ich in einigen wenigen Infotainment-Sendungen, aufbereitet in kleinen Häppchen: immer diese Bevormundung.
    Letztens war ich mal wieder in einer Kneipe. Sie hatte einen großen Nichtraucherbereich. Nur der war oben, im ersten Stock. Unten durfte geraucht werden, was Sinn macht, denn Qualm steigt nun mal hoch. Die Verbindungstür stand ständig offen, schließlich musste das Personal ja die Bestellungen hochbringen. Außerdem durfte der werte Nichtraucher beim Betreten und Verlassen des Lokals sowie bei Toilettenbesuchen den Raucherbereich durchqueren. Meine Klamotten stanken am nächsten Morgen noch wie zu Prä-Rauchergesetzzeiten.
    Oh ja, die Ökodiktatur ist fast schon nicht mehr aufzuhalten...

    ÖKOS geben, die rauchen ...

    • Dieterf
    • 19. Januar 2013 11:20 Uhr

    Das Gefährliche an der Selbstdisziplinierung ist, dass es Hass und Neid auf diejenigen erzeugt, die keinen Grund sehen, sich genauso zu disziplinieren. Genau das führt m.E. zu der Regulierungswut, die ja in Deutschland ebenfalls besonders verbreitet ist. Wer sich nicht selbst disziplinieren will, muss eben zu seinem (und unser aller) Glück gezwungen werden.

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    • felix78
    • 19. Januar 2013 11:40 Uhr

    sollte keinen hass und neid verspüren, das wäre für solche menschen kein problem diese gefühle zu unterdrücken. genauso wie das bedürftnis nach bier cola kippen und täglichen fleischkonsum :)

    *ironieaus*

    millionen menschen wurden schon zu ihren glück gezwungen und umerzogen. in der DDR oder in der ehemaligen UDSSR. dort wurden menschen die nicht an die beglückung durch den sozialismus in Psychiatrische einrichtungen weg gespert. zur umerziehung. gott beware mich bitte vor menschen die wissen was uns alle glücklich macht,

    • vonDü
    • 19. Januar 2013 11:46 Uhr

    "Das Gefährliche an der Selbstdisziplinierung ist, dass es Hass und Neid auf diejenigen erzeugt, die keinen Grund sehen, sich genauso zu disziplinieren."

    Das war und ist, schon immer das Problem der Religionen.

    Die Selbstzweifel und die Angst, dass der eigene Verzicht sinnlos sein könnte, ist bei vielen Menschen offenbar so ausgeprägt, dass sie den Anblick von "Sündern" einfach nicht ertragen können......

    • Ghede
    • 19. Januar 2013 11:57 Uhr

    ... betrifft das meiner Meinung nach übrigens nicht nur den Genuss von Tabak oder Alkohol, sondern zeigt sich in vielen Bereichen der Gesellschaft.

    Es ist ein bisschen ironisch, dass ausgerechnet jetzt, wo der Kapitalismus in der Kritik steht wie selten zuvor, das Leistungs- und Effizienzdenken immer mehr um sich zu greifen scheint. Man nehme als Beispiel nur die Universitäten, die zunehmend ganz konkrete Berufsbildwünsche der Wirtschaft in "Studiengänge" umsetzen - und das ohne nennenswerten Widerstand, auch wenn hin und wieder Kritik geübt wird, die dann aber keiner wirklich ernst nimmt. Das wiederum führt dazu, dass sich Leute, die mit 25 noch nicht voll im Berufsleben stehen, rechtfertigen müssen. Es zeigt sich auch in der Verachtung für Arbeitslose oder Menschen mit mies bezahlten Jobs.

    Im Übrigen ist den meisten Leuten der Neid, den Sie ansprechen, vermutlich gar nicht bewusst. Aber anders ließe sich die Missbilligung von Genuss bzw. dem Sich-Gehen-Lassen bei völlig fremden Menschen eigentlich kaum erklären. Ich bezweifle nämlich, dass es den Selbstoptimierern genuin um das Wohl anderer geht.

  4. Schon jetzt können viele Geringverdiener sich nicht mehr leisten in geselliger Runde in einer Kneipe ein Bier zu trinken. Im Sommer kann man bisher wenigstens sich ein Bier im Supermarkt kaufen und dies auf einer Parkbank konsumieren, wenn man das Geld für den Biergarten nicht hat.
    Wer Geld hat kehrt nach einem Stadtspaziergang oder einer Wanderung in einer Gaststätte ein. Wer wenig Geld hat, nimmt sich was zum Trinken und Essen mit. Das teure Bier in der Gaststätte ist nicht weniger gesundheitsschädlich als das billige Bier vom Getränkemarkt.
    Für die Gesundheit von Belang ist nicht , wo man trinkt, sondern wieviel man trinkt.
    Lasst doch Menschen mit wenig Geld wenigstens die Möglichkeit im Stadtpark in geselliger Runde zu grillen und
    Alkohol zu konsumieren.
    Alkoholismus ist über alle Schichten verbreitet, nicht abhängig vom Geldbeutel. Wenn schon dann müsste man gerechterweise nicht nur den Alkoholkonsum im öffentlichen
    Raum, sondern auch in Kneipen und Gasstätten verbieten.

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  5. kommen sie nicht. Wir betreiben Gastronomie, und ich kann Ihnen versichern, diejenigen die sich stets beklagt haben sie könnten zu uns nicht kommen weil "alles vollgequalmt" ist, die bleiben auch jetzt aus. Andere Wirte berichten ähnliches. Aber schön für die Nichtraucher, daß ständig durch die Presse geistert die Umsätze in der Gastronomie seien seitdem eher noch gestiegen. Das Gegenteil ist der Fall. Dazu kommt, daß viele Gastonomen vorher noch in abgetrennte Nichtraucherbereiche investiert hatten, was den Nichtrauchern natürlich nicht gut genug war, weil die anderen eben doch noch rauchen durften, wenn auch in anderen Räumen.

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  6. "Und es wirkt ja. Auch ohne Rauchverbot weiß jeder Raucher, dass er Schlimmes tut und damit aufhören sollte. Kein Verbot erzeugt ein solches Gefühl."

    Die Autorin hat leider scheinbar noch immer nicht begriffen, dass es beim Rauchverbot um den Schutz Dritter geht, die eben in vielen Bundesländern noch immer kaum eine rauchfreie Kneipe, Disko, Festzelt finden. Wo Profit, Rücksichtslosigkeit und Sucht zusammen treffen, braucht es auch Regeln, die funktionieren, um Andere zu schützen.

    Außerdem ist Nikotin von der Suchtwirkung und von der Zahl der Menschen, die daran sterben mit nichts anderem zu vergleichen. Klare Rauchverbots-Regelungen sind für alle gleichermaßen gerecht und werden nachweislich akzeptiert. Ein Bewusstseinswandel tritt ein. Und das ist auch nicht verkehrt, wenn man den aggressiven Werbe-Strategien der Sucht-Industrie etwas Prävention entgegen setzt. Zwang ist nicht immer schlecht - er muss nur richtig ausgeübt werden. Es ist nicht anders wie bei der Erziehung von Kindern - nur eben auf einem anderen Level.

    Natürlich erzeugt zu viel Druck auch Gegenreaktionen.

    Doch beim Thema Tabak den "deutschen Verbotswahn" anzuprangern, geht an der Realität vorbei. Die "Freiheits-Fanatiker" haben anscheinend nicht im Kopf, dass Deutschland was das angeht noch immer auf den letzten Plätzen Europas rangiert - nicht zuletzt wegen solcher Artikel, die nur im Sinne der mächtigen Tabak-Lobby sein können, die seit Jahrzehnten Politik, Wissenschaft und Gesellschaft beherrscht.

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    Mir ist nicht klar, warum sich der Staat in alles einmischen soll, aber der Wirtschaft einen Freiraum nach dem anderen gewährt.
    Warum kann der Wirt nicht selbst entscheiden, ob er er eine Raucherkneipe haben möchte oder nicht. Er soll das gut sichtbar am Eingang zu seiner Lokalität anbringen. Es ist dann kein Nichtraucher gezwungen in eine solche Kneipe zu gehen, wenn er es dennoch tut, dann eben in dem Bewusstsein, dass er seiner Gesundheit ggf. nichts Gutes tut. Ich bin auch als Nichtraucher nicht gezwungen in solch einer Kneipe zu arbeiten. Es wird dann der Zuspruch entscheiden, ob das Konzept der rauchfreien oder Raucherkneipe aufgeht oder nicht.
    Ebenso das gesellschaftliche Mobbing von Dicken nimmt mittlerweile Züge eines Kreuzzuges an.
    Auch auf die Gefahr mich zu wiederholen, die Politik erweist gegenüber der Industrie eine mir egal Haltung und gängelt den Bürger bis in die kleinsten Bereiche.
    Politiker signalisieren damit für mich nur, wir tun was.

    "... dass Deutschland was das angeht noch immer auf den letzten Plätzen Europas rangiert ..."

    Tut mir leid, Herr Freise, was für ein Unsinn.

    Genau darum geht es doch, daß Sie und ich und die Nation sich eben nicht dauernd optimieren und selbstausbeuten müssen. Aber das verstehen Sie vermutlich nicht, weil Sie unter diesem Durck stehen, den Frau Dückers zutreffend beschreibt.

    Ich fürchte zwar, daß wir von oben von solchen moralfanatischen und dogmatischen Selbstausbeutern ewig weiterbestimmt werden, aber jeder kann sich seine Freiheit täglich selbst gestalten, wenn er wirklich Mumm hat. Rauchen Sie z.B. einfach ohne Reue, essen Sie Chips, wenn Sie wirklich Appetit drauf haben.

    Es geht eben nicht darum, möglichst lange zu leben, sondern möglichst in jedem Moment da und zufrieden zu sein und den Anderen sein Ding machen zu lassen.
    (Wahnsinn oder, Herr Freise?)

    Sehr schön und richtig geschrieben, Frau Dückers, vielen Dank für Diskussion hier.

    Was hat Ihr Kommentar mit dem zitierten Auszug aus dem Artikel zu tun? Es ging doch eben nicht um das Rauchverbot in Kneipen, sondern darum, dass "auch ohne (!!) Rauchverbot" - ohne jeglichen Bezug zu irgendwelchen Orten - ein gewisser, psychischer Druck auf die Leute ausgeübt wird, die rauchen, sodass sie sich bei jeder Zigarette gefälligst schlecht vorkommen sollen, egal ob in Kneipen, auf der Straße oder allein zu Hause.
    Die Autorin schreibt ausdrücklich, dass der Schutz Dritter wichtig ist und schreibt kein Wort, das zu dem im Widerspruch stünde.
    Wie wäre es mit ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Fairness gegenüber dem Text und seiner Autorin? Oder muss man dafür erst Gesetze erlassen?

    kommen sie nicht. Wir betreiben Gastronomie, und ich kann Ihnen versichern, diejenigen die sich stets beklagt haben sie könnten zu uns nicht kommen weil "alles vollgequalmt" ist, die bleiben auch jetzt aus. Andere Wirte berichten ähnliches. Aber schön für die Nichtraucher, daß ständig durch die Presse geistert die Umsätze in der Gastronomie seien seitdem eher noch gestiegen. Das Gegenteil ist der Fall. Dazu kommt, daß viele Gastonomen vorher noch in abgetrennte Nichtraucherbereiche investiert hatten, was den Nichtrauchern natürlich nicht gut genug war, weil die anderen eben doch noch rauchen durften, wenn auch in anderen Räumen.

    wie Sie argumentieren, dann erklären Sie mir bitte, wer die Kinder, die sich ihre Eltern nicht aussuchen können wie einen anderen Arbeitsplatz oder eine rauchfreie Wohnung .

    Wenn der "Nichtraucherschutz" ernst gemeint wäre, hätte er beim Schutz der schwächsten Glieder einer Kette ansetzen müssen, und nicht bei Schutzregelungen für Erwachsenen, die frei und selbstbestimmt entscheiden können, was sie tun, wo sie hingehen und welchen Gefahren sie sich aussetzen.

    "Zwang ist nicht immer schlecht - er muss nur richtig ausgeübt werden."

    Sowas kann nur von einem militanten Nichtraucher kommen, von jemandem also mit diktatorischen Zügen.

    • creo2.0
    • 19. Januar 2013 13:43 Uhr

    ..Ruhrpott gelebt und stets öffentliche Verkehrsmittel genutzt! Hatte kein Auto, nicht nur aus Vernunft aber auch..
    Trotzdem musste ich den ganzen Tag die Abgase einatmen..

    Das selbe in grün!

    Gäbe viele Beispiele die man ranziehen könnte. Der Schutz Dritter ist ein Argument der Politik, so wie bei Sicherheit muß her, -wäre blöd zu sagen "Freiheit muß weg!"

    Als ob die Gesundheit von Kneipenpersonal der Poltik so am Herzen liegen würde...

    Die Köpfe in die richtige Richtung drehen ist angesagt..

    • Hickey
    • 22. Januar 2013 13:08 Uhr

    aber dann bitte bei Themen die ernster sind als das Rauchen oder Trinken in der Öffentlichkeit.

    Kein Stadtmensch, wird eine rosa lunge haben, die haben alle halb schwarze lungen, schauts euch doch die alten Häuser in den Städten an, so schauen eure Lungen aus(ab einem gewissen Alter versteht sich).

    Keine Frage, das Nichtrauchen in Kneipen per Gesetz begrüße ich, und das sogar als Raucher.

    Trotz allem, wir schenken den Banken Milliarden und haben hier keine Chance auf Transparenz, zu sehen was mit dem Geld gemacht wird und vor allem ob wir es wieder bekommen.

    Abschließend:

    Wer sich Zwänge auferlegen will soll das ruhig tun, ich halte nicht viel davon, sich einer Gesellschaft anzupassen, dafür habe ich schon zuviele Länder bereist und andere Mentalitäten entdeckt.

    Deutschland oder besser gesagt, die Region aus der ich komme, ist sehr sehr hektisch geworden und es wäre an der Zeit die Gesellschaft zu entschleunigen...das sind doch die Hauptgründe für psychische Krankheiten.(Termindruck, unbegründete Angst um den Arbeitsplatz, Krankheiten, usw.)

  7. Sehr guter Artikel!

    M. E. lässt sich das Konzept des freiwilligen Selbstzwanges überall zunehmend beobachten.

    Wir beuten uns freiwillig selbst aus bis zum Burnout: Sogar Millionen Menschen gehen sogar krank zur Arbeit, statistisch nimmt der Krankenstand immer weiter ab. Voller Angst und vorauseilendem Gehorsam, bis zum Burnout.

    Jeder Selbstzwang, der übertrieben und zum Prinzip erhoben wird, kann zur Neurose führen.

    "Denke große, sei aktiv, halt dich fit... Du brauchst Konkurrenz und keine Fans."

    - Deichkind

    16 Leserempfehlungen
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    • 可为
    • 19. Januar 2013 13:10 Uhr

    ist was Verbote und Vorschriften angeht der reinste Polizeistaat, ich darf nicht am Wochenende mein Auto waschen oder meinen Rasen mähen, darf mein eigenes Haus nicht in der Farbe streichen, die mir gefällt, kriege als Fußgänger ein Ordnungsgeld wenn ich diagonal über einen Zebrastreifen gehe, darf nach 22h an der Tankstelle ohne Kfz nicht mehr einkaufen, Sonntags nicht meinen Laden öffnen, in dem mir von der Treppenkennzeichnung über die Höhe von Tischen und Stühlen sowie der Winkel PC-Monitor zu Tischkante bis hin zu den Reflektionswerten der Wandfarbe und der Unterlage auf die ich meine Kaffeemaschine zu stellen habe alles vorgeschrieben.
    Ach ja, fast hätte ichs vergessen, an diesem einen seltsamen christlichen Feiertag dürfen nichtmal Discos normal öffnen - vllt. könnten ja sonst Gläubige gegen ihren Glauben sich selbst entscheiden da rein zu gehen (oder so). Wenn ich auf meinem eigenen Grundstück eine Gartenlaube bauen will bin ich verpflichtet alle Nachbarn zu fragen und seit diesem Jahr muss ich für 0 TVs und Radios auch zweckgebundene Gebühren zahlen...Freiwillig ist da nichts.

    Der Staat zahlt Menschen die unseren Müll nach falsch getrenntem durchsuchen !!!
    Wieviel schlimmer kann Verbotskultur denn noch werden?

    ist die grosse Angst der Unberechenbarkeit. In Deutschland (nicht nur da) will man sich 750 fach gegen das Unbekannte absichern. Da will man doch auch genau über seinen eigenen Körper, die Zukunft seiner Kinder (wenn man es gewagt hat sie in das eigene Leben zu lassen), seines Lebensabends, die Zukunft seines Autos, Hauses etc. Bescheid wissen und trägt im Falle eines Falles Jack W Sachen in der Stadt (könnte ja regnen).

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Alkohol | Alkoholkonsum | Autonomie | Dogma | Krebs | Selbstoptimierung
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