Selmin CaliskanGenerationswechsel bei Amnesty Deutschland

Selmin Caliskan, die neue Generalsekretärin der Menschenrechtsorganisation, ist Tochter türkischer Einwanderer und eine erfahrene Lobbyistin. In den deutschen Führungsetagen tut sich was. von Andrea Dernbach

Nach den Schlagzeilen um ihre Vorgängerin ist es nicht unverständlich, wenn sich die neue Spitzenfrau erst einmal in Schweigen hüllen will. Und so ist vorerst nur ihrem offiziellen Lebenslauf das Entscheidende zu entnehmen: dass nämlich Selmin Caliskan, die künftige Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, für ihr künftiges Amt die besten Voraussetzungen mitbringen dürfte.

Die 46-Jährige hat jahrelang praktische Erfahrungen in der Arbeit für Verfolgte in Afrika und Asien gesammelt und sie ist eine national wie europäisch erfahrene Lobbyistin und Öffentlichkeitsarbeiterin. Für die Frauenhilfsorganisation medica mondiale war Caliskan bis 2010 sieben Jahre lang in Afghanistan, baute deren Lobbyabteilung wesentlich mit auf und leitete sie.

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Zuletzt arbeitete sie in Brüssel für European Women’s Lobby, einen europäischen Dachverband von Frauenorganisationen. Am 1. März soll sie Wolfgang Grenz ablösen. Der jetzt 65-Jährige, ein alter Fahrensmann der Organisation, war eingesprungen, als Amnesty sich mit Monika Lüke zerstritt, die nun Integrationsbeauftragte in Berlin ist.

Selmin Caliskan
Selmin Caliskan

Selmin Caliskan ist die designierte Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland. Sie tritt die Nachfolge des zwischenzeitlichen Generalsekretärs Grenz an, der mit 65 Jahren in den Ruhestand geht.

Dass Caliskan, 1967 im nordrhein-westfälischen Düren geboren und Mutter einer Tochter, Kind türkischer Einwanderer ist, hat ihr Engagement offensichtlich früh befördert: Schon mit 16, heißt es in ihrer offiziellen Biografie, war sie in einem sozialen Brennpunkt aktiv, mit 20 gründete sie einen interkulturellen Mädchentreff in Bonn mit.

Ihr Aufrücken an die Spitze der deutschen Sektion von Amnesty International ist ein weiterer Hinweis auf einen Generationswechsel in den deutschen Führungsetagen, der die Kinder der ersten Migranten viel selbstverständlicher einbezieht, als die öffentliche Aufregung ums angebliche Scheitern der Integration vermuten lässt: Sie leiten Theater, haben Professuren inne, sitzen in Unternehmensvorständen, Landesregierungen und jetzt auch an der Spitze der bekanntesten Menschenrechtsorganisation.

Vielsprachig ist Caliskan sowieso: Türkisch und Deutsch sind ihr gleichermaßen Muttersprachen und sie ist studierte Übersetzerin für Englisch und Spanisch. Für deutliche Worte hat sie folglich ausreichend Ausdrucksmöglichkeiten. Und sie scheint bereit, sie zu nutzen: "Die These, dass Menschenrechte von Frauen durch militärische Interventionen geschützt würden", befand sie 2007 in einer Debatte über den Einsatz in Afghanistan, "ist für mich pure Heuchelei."

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • TDU
    • 19. Januar 2013 16:32 Uhr

    Was soll man kommentieren? Sie sagt ja ncihts. Ihc dneke nicht, dass die Meneschenrechte für Männer jetzt unbedeutend sind. Und "Die These, dass Menschenrechte von Frauen durch militärische Interventionen geschützt würden", befand sie 2007 in einer Debatte über den Einsatz in Afghanistan, "ist für mich pure Heuchelei." dürfte sie ein Stück Recht haben. Aber nur in Bezug auf das Argument.

    Anderenfalls würde sie behaupten, Interventionen seien immer Heuchelei. Und dann sage ich Guten Tag, Frau ehemalige evangelische Ratsvorsitzende und Amnesty wäre in diesem Punkt nicht mehr ernst zu nehmen.

    Eine Leserempfehlung
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    "Anderenfalls würde sie behaupten, Interventionen seien immer Heuchelei. Und dann sage ich Guten Tag, Frau ehemalige evangelische Ratsvorsitzende und Amnesty wäre in diesem Punkt nicht mehr ernst zu nehmen."

    Ich kann dem obigen Satz-Destrukt keinen Sinn entnehmen.

    Grammatik. Satzbau. Logik. Verständlichkeit.

    Ich vermisse sie.

  1. "Anderenfalls würde sie behaupten, Interventionen seien immer Heuchelei. Und dann sage ich Guten Tag, Frau ehemalige evangelische Ratsvorsitzende und Amnesty wäre in diesem Punkt nicht mehr ernst zu nehmen."

    Ich kann dem obigen Satz-Destrukt keinen Sinn entnehmen.

    Grammatik. Satzbau. Logik. Verständlichkeit.

    Ich vermisse sie.

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    • TDU
    • 20. Januar 2013 12:30 Uhr

    Grammatik, Satzbau, Logik Verständlichkeit

    Manchmal solls halt schnell gehen.

    Wenn der das Argument "Frauen" geheuchelt ist und das Argument Männer auch, bleibt keiner mehr übrig und Interventionen wäre nur zu eigenen Gunsten.

    Unterstellte man, man hätte nur die Interessen von Männern im Kopf, würde ich das eine unzulässige Reduktion nennen.

    Die ehenmalige evangelische Ratspräsidentin hatte Interventionen als stets unzulässig bezeichnet. So eine Einstellung würde Amnesty International zu einer nur moralischen Instanz machen.

    Bei Folter würde ich das in Ordnung finden. Deswegen wurde diese Organsiation ja auch gegündet.

    Bei Intervention und Kriegen ist aber m. E. der rein moralische Standpunkt zur Beurteilung nicht ausreichend.

    • TDU
    • 20. Januar 2013 12:30 Uhr

    Grammatik, Satzbau, Logik Verständlichkeit

    Manchmal solls halt schnell gehen.

    Wenn der das Argument "Frauen" geheuchelt ist und das Argument Männer auch, bleibt keiner mehr übrig und Interventionen wäre nur zu eigenen Gunsten.

    Unterstellte man, man hätte nur die Interessen von Männern im Kopf, würde ich das eine unzulässige Reduktion nennen.

    Die ehenmalige evangelische Ratspräsidentin hatte Interventionen als stets unzulässig bezeichnet. So eine Einstellung würde Amnesty International zu einer nur moralischen Instanz machen.

    Bei Folter würde ich das in Ordnung finden. Deswegen wurde diese Organsiation ja auch gegündet.

    Bei Intervention und Kriegen ist aber m. E. der rein moralische Standpunkt zur Beurteilung nicht ausreichend.

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    "Bei Intervention und Kriegen ist aber m. E. der rein moralische Standpunkt zur Beurteilung nicht ausreichend."

    Ja und Nein.

    Es kommt darauf an, wer diesen Standpunkt vertritt. Oder anders ausgedrückt. Lebt dieser Mensch auch entsprechende Werte vor.

    Wenn ich mir die Biographie von Frau Caliskan durchlese, dann würde eine Aussage von ihr, die Krieg aus rein moralischen Gründen ablehnt, gut ins Gesamtbild ihrer Persönlichkeit passen. Bei der Art und Weise, wie Frau Käßmann mit ihrer Affäre insgesamt umgegangen ist, hat und hatte sie ebenfalls den moralischen Hintergrund, um einen derartigen Akzent zu setzen.

    Zurück zur Aussage von Frau Caliskan. Das eine derartige Begründung um einen Krieg zu beginnen, reine Heuchelei ist, ... Was soll daran falsch oder verkehrt sein.

    Dass Frau Käßmann - auch als damalige Vorsitzende der EAK - Krieg als Miitel der Politik ablehnt, was soll daran auszusetzen sein, da sie mit ihrer gesamten Persönlichkeit dahinter steht.

    Warum durch solche Aussagen AI überflüssig werden sollte, oder deren Wirkungsfeld eingeschränkt werden würde, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

    Aus meiner Sicht trifft eher das Gegenteil zu.

  2. 4. Danke

    "Bei Intervention und Kriegen ist aber m. E. der rein moralische Standpunkt zur Beurteilung nicht ausreichend."

    Ja und Nein.

    Es kommt darauf an, wer diesen Standpunkt vertritt. Oder anders ausgedrückt. Lebt dieser Mensch auch entsprechende Werte vor.

    Wenn ich mir die Biographie von Frau Caliskan durchlese, dann würde eine Aussage von ihr, die Krieg aus rein moralischen Gründen ablehnt, gut ins Gesamtbild ihrer Persönlichkeit passen. Bei der Art und Weise, wie Frau Käßmann mit ihrer Affäre insgesamt umgegangen ist, hat und hatte sie ebenfalls den moralischen Hintergrund, um einen derartigen Akzent zu setzen.

    Zurück zur Aussage von Frau Caliskan. Das eine derartige Begründung um einen Krieg zu beginnen, reine Heuchelei ist, ... Was soll daran falsch oder verkehrt sein.

    Dass Frau Käßmann - auch als damalige Vorsitzende der EAK - Krieg als Miitel der Politik ablehnt, was soll daran auszusetzen sein, da sie mit ihrer gesamten Persönlichkeit dahinter steht.

    Warum durch solche Aussagen AI überflüssig werden sollte, oder deren Wirkungsfeld eingeschränkt werden würde, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

    Aus meiner Sicht trifft eher das Gegenteil zu.

    Antwort auf "@ 2 Norbert Z"

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