Alkoholverbot : Kretschmanns einsamer Kampf gegen Saufgelage
Seite 2/2:

 Verbot von Flatrate-Partys und Tankstellen-Verkauf

Dumm für Kretschmann: Die Ablehnung eines Alkoholverbotes steht im grünen Wahlprogramm für 2011. Darauf wies der Landesvorsitzende Chris Kühn unlängst noch einmal hin. In der eigenen Partei steht der Ministerpräsident in dieser Frage also recht alleine da.

CDU-Oppositionsführer Peter Hauk hingegen spricht in der Sache für Kretschmann. Er sicherte bereits die Unterstützung seiner Abgeordneten zu, sollte das Alkoholverbot im Parlament behandelt werden. Das verwundert wiederum wenig, denn die Christdemokraten im Land sind stolz darauf, dass Baden-Württemberg unter ihrer Führung wiederholt Vorreiter im restriktiven Kampf gegen Alkoholexzesse war. Im Juni 2007 war es in Stuttgart zum bundesweit ersten Verbot sogenannter Flatrate-Partys gekommen. Vor drei Jahren folgte, ebenfalls eine Premiere, ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen, Kiosken und in Supermärkten.

Kritiker betonen: Verbotszonen nötigten Straftäter allenfalls zu Ausweichbewegungen. Doch laut dem Stuttgarter Innenministerium hat das Tankstellen-Verbot das Gegenteil bewiesen: Zwar hätten sich Alkohol-Delikte rund um die bekannten Problemtankstellen teilweise auf frühere Abendstunden vorverlagert, sagte im Sommer 2012 ein Sprecher. Doch insgesamt seien landesweit die Fälle von Gewalt, Körperverletzung und Widerstand während des Verkaufsverbots zwischen 22.00 Uhr und 05.00 Uhr von 6.462 im Jahr 2009 auf 6.250 im Jahr 2011 gesunken.

Ein runder Tisch soll es richten

Den baden-württembergischen Kommunalverbänden reichen solche Erfolge im Kampf gegen das Komasaufen nicht. Gerade die Mittel- und Großstädte bedrängen Kretschmann weiter, ihnen endlich Handhabe für Alkoholverbote zu geben. Sie verweisen darauf, dass sie sehr wohl Präventivarbeit leisteten: mit gelben Karten, blauen Briefen, Abendsportangeboten für Jugendliche oder Versuchen, anti-alkoholische Szenegetränke zu etablieren. Doch sie bräuchten eben auch Möglichkeiten, restriktiv gegen hartnäckige Säufer vorzugehen.

Kretschmann kann also nicht verharren – und will es auch nicht. Ihm sei es ein "persönliches Anliegen" nach weiteren Lösungsansätzen zu suchen, ließ er jetzt trotzig wissen. Für den 24. Januar hat der Ministerpräsident Vertreter von Kommunen, die Spitzen der Landtagsfraktionen und der Polizei, Verbandsvertreter und Wissenschaftler an einen runden Tisch eingeladen. Ziel sei ein "umfassendes Handlungskonzept mit restriktiven und präventiven Elementen", so Kretschmann im Einladungstext. Ihm wird dabei nicht erspart bleiben zu erklären, wie ein solches Konzept ohne gesetzliche Regelungen auskommen soll. Oder wie er ein solches Gesetz gegen den Mehrheitswillen seiner eigenen politischen Hausmacht zustande bringen will.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

273 Kommentare Seite 1 von 32 Kommentieren

Stimmt so nicht

Früher war am Wochenend Halligalli aber unter der Woche war es recht ruhig.

Heidelberg hat inzwischen den Ruf der Ballermann Deutschlands zu sein.

Es beschränkt sich leider nicht auf die Untere Straße.

Es werden Fahrräder zusammengetreten, volle Mülltonnen durch die Gegend gekickt und der stickende Müll verteilt, die Papierabfälle der Geschäfte ergießen sich über die Straßen.

Ich wohne nicht in der Fußgängerzone und kann im Sommer nicht mit offenem Fenster schlafen.

Wenn Sie viel Geld für eine Eigentumswohnung ausgegeben hätten, wären Sie über diese Veränderungen auch nicht begeistert.

Da haben Sie den schleichenden Wertewandel

in den letzten Jahr(zehnt)en nicht mitbekommen, Dialogos.

Es ist bei relativ vielen Menschen (oder vielleicht sind das auch gar nicht so viele, nur laute) in diesem unseren Lande heutzutage absolut akzeptabel, sich die Birne bis zum Koma vollzuziehen und sich nach Herzenslust, ohne Hemmungen und ohne jegliche Rücksicht auf die Umgebung auszuleben.

Das ist der Unterschied zwischen Heidelberg früher und Heidelberg heute.

nicht durchzusetzten!

das ist ja alles gut und schön und ich kann verstehen, dass man als anwohner angepisst bzw. gekotzt ist.

.Jedoch bringt es nichts neue Gesetze zu erlassen, die dann eh nicht durchgesetzt werden (so wie die Drogenpolitik etwa). Abgesehen davon finde ich es auch schlimm, dass man sich dann bald nichtmehr gemütlich mit einem Bier auf einen x-beliebigen Platz setzen kann, nur weil viele Deutsche schlecht erzogen sind. Kriminalisierung von Normalbürgern ist hier das Stichwort.

Praktisch sehe ich bei einer Umsetzung schon das Katz- und Mausspiel zwischen Polizisten und Betrunkenen aus öffentlichen Plätzen und das wird wahrscheinlich mehr Lärm bzw. Unfrieden produzieren, als "einfach so" trinkende.

Also einfach mal Vergessen diese Geschichte.

Gruß,

the-cat