BauverzögerungenBER-Aufsichtsrat feuert Flughafenchef

Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck ist neuer Chefkontrolleur der Flughafengesellschaft. Als erste Amtshandlung entließen die Aufsichtsräte Geschäftsführer Schwarz.

Der Geschäftsführer des Berliner Großflughafens BER, Rainer Schwarz, ist seinen Posten los. Der Aufsichtsrat berief ihn ab, wie der neue Chefaufseher der Flughafengesellschaft, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, sagte.

Schwarz wird maßgeblich für die mehrfach geplatzte Verschiebung des Eröffnungstermins verantwortlich gemacht. Er habe sein Dienstzimmer bereits geräumt und den Betrieb verlassen, sagte Platzeck. Er ließ offen, wie lange die Suche nach einem neuen Geschäftsführer dauern wird. Platzeck wies darauf hin, dass die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund nicht jeden bezahlen könnten, der für den Job infrage komme.

Anzeige

Der Aufsichtsrat hatte zuvor Platzeck einstimmig zum neuen Gremienchef gewählt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte vor Tagen seinen Verzicht erklärt, als die erneute Verzögerung bekannt geworden war. Beide Regierungschefs hatten zudem Vertrauensabstimmungen in den Parlamenten erfolgreich überstanden.

Weitere Verzögerungen

Platzeck hatte angekündigt, das wegen massiver Baumängel und Brandschutzproblemen in die Kritik geratene Milliardenprojekt deutlich intensiver zu überwachen. Geplant sind unter anderem wöchentliche Unterrichtungen und eine eigene Abteilung in der Potsdamer Staatskanzlei.

Vom Architekturbüro hatten sich die Bauherren schon vergangenes Jahr getrennt. Das brachte weitere Bauverzögerungen mit sich, weil man danach an viele Pläne nicht herankam. Die geplanten Kosten für den Flughafen sind mittlerweile auf 4,3 Milliarden Euro gestiegen.

Im Bundestag suchte die Opposition in Sachen Flughafen die Kraftprobe mit den Koalitionsabgeordneten. Sie stimmten per Hammelsprung darüber ab, ob Bundesverkehrsminister Ramsauer ins Plenum zitiert werden soll, um Fragen zu beantworten. Ramsauer stimmte gegen die eigene Anwesenheit, antwortete dann aber doch. Kernthema war der Verdacht, er habe früher als bisher angegeben von der neuen Verzögerung gewusst. Am Dienstag war es deshalb in einer Sondersitzung des Haushaltsausschusses zum Eklat gekommen.

Einen neuen Eröffnungstermin gibt es bisher nicht. Zuletzt war Oktober 2013 geplant gewesen. Kernproblem ist, dass die Brandschutzanlage des Gebäudes nicht wie geplant abnahmefähig ist – die südlich von Berlin zuständige Baubehörde verweigert die Freigaben, weil sie Zweifel an der Funktionsfähigkeit hat.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Zurück auf Start, und dann kanns nochmal losgeh'n mit dem Spiel "Wir basteln uns einen Flughafen". Aber vorher vielleicht nochmal die Spielanleitung lesen.

    2 Leserempfehlungen
  2. 2. Klasse

    Und nach dem nächsten geplatzten Eröffnungstermin bzw. der nächsten Kostenexplosion ist dann Ramsauer an der Reihe. Und mit etwas Glück werden die heutigen Erstklässler zum Abitur dann von BER aus in den Urlaub fliegen können.

    • bkkopp
    • 16. Januar 2013 15:25 Uhr

    Eigentlich sollte ein leistungsfähiger BER schon seit mindestens 6-8 Jahren in Betrieb sein, ja wenn da nicht die vielen selbstgestellten Hürden wären. An denen muss auch gearbeitet werden.

    Unmittelbar muss aber am BER gearbeitet werden, um in den nächsten 24-30 Monaten endlich fertig zu werden. Platzek kann man kritisieren, kritisieren kann man immer leicht, aber er braucht auch Unterstützung und ehrliche gute Wünsche.

    Management bedeutet immer, dass man etwas durch andere Menschen getan bekommt. Man sollte ihm wünschen, dass er diese Menschen findet.

    Politisch sollte der Kampf gegen die organisierte Verantwortungslosigkeit des Regierenden Bürgermeisters, und des Berliner Abgeordnetenhauses, das sich weigert, den Über-Versager in die Wüste zu schicken, unvermindert weitergehen.

    Eine Leserempfehlung
  3. ...nicht nur an icht nur auf den Fortgang der Recherchen zum Status der Bauarbeiten, sondern mittlerweile möchten viele Menschen auch mehr über die Verantwortlichkeiten für dieses Flughafen-Desaraster wissen.
    Es scheint klar zu sein, dass Rainer Schwarz ausgedient haben muss. Welche schwerwiegenden Fehler die Aufsichtsratsmitglieder gemacht haben, bleibt zu klären.
    Und es bleibt auch zu klären, ob und wer gegebenenfalls für schwere Fehler persönlich haften muss.

  4. Da plant die Politik einen Flughafen, bei dem von Beginn an klar ist, dass bei realistischer Betrachtung weder Zeit- noch Kostenrahmen einzuhalten sind. Erst Jahre nach Planungsbeginn und – soweit ersichtlich – erst kurz vor Baubeginn hat der nunmehr abgelöste Geschäftsführer sein Amt angetreten.

    Als hat man mit dem Tagesgeschäft von zwischenzeitlich drei Flughäfen (Tegel, Schönefeld und bis 2008 auch Tempelhof) nicht schon genug zu tun, soll(te) der Geschäftsführer auch noch ein milliardenschweres Bauprojekt – quasi nebenbei – managen.

    Abgesehen von vereinzelten Meldungen, in denen dem nunmehr abgelösten Geschäftsführer unabhängig vom Flughafenneubau noch andere Fehler vorgeworfen wurden, fällt auf, dass ihm lediglich die Fehler beim Neubau angelastet werden. Von grundsätzlichen Managementfehlern an den bisherigen Flughäfen ist zumindest (fast) nichts zu vernehmen.

    Es verbleibt die Frage, ob man hier nicht der Öffentlichkeit in populistischer Weise einfach einen Kopf präsentieren will. Es scheint viel dafür zu sprechen, dass es sich hier um ein, wenn auch fürstlich bezahltes, Bauernopfer handelt.

    Spannend wird die Frage sein, ob der Geschäftsführer nunmehr tatsächlich mit Insiderwissen den politisch Verantwortlichen noch gefährlich werden kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • siar
    • 16. Januar 2013 17:44 Uhr

    Das waren nicht die Architekten und Ingenieure.

    Wenn Sie ein Haus bestellen, während der Bauzeit einige Änderungen wünschen, zum Teil weil es neue Verordnungen aus Brüssel gab, und Ihnen kurz vor dem Einzug auffällt, dass sämtliche Installationen vom Architekten falsch geplant wurden, sind Sie dann dafür verantwortlich?

  5. Flughafenchef Schwarz, sein Vertrag läuft noch bis 2016, verdient derzeit deutlich mehr als der Regierende Bürgermeister. Sein Jahresgehalt beträgt nach dem Geschäftsbericht für 2011 318.000 Euro dazu kommen 178.000 Euro für die Altersbezüge und 22.000 für Sonstiges. Obendrein bekam Schwarz für 2011 noch die vertraglich vereinbarte Erfolgsprämie von 37.000. Macht summa summarum 555.000 Euro, die die Flughafen GmbH im vorletzten Jahr für ihren Chef ausgab. Im letzten Jahr war es weniger denn die Erfolgsprämie fiel weg, weil sie an die pünktliche Eröffnung des BER geknüpft war. Könnte Schwarz die gesamte Auszahlung seines Vertrages durchsetzen wären das für Gehalt und Altersvorsorge knapp eine halbe Million pro Jahr. Rund 1,2 Millionen für den Rest der ursprünglich geplanten Vertragslaufzeit.

    Natürlich sind das immer nur alles Peanuts und warum? Weil das Unvermögen und die daraus resultierende Gesamtkosten so gigantisch sind. Und wer hat das alles zu verantworten? Die politischen Funktionsträger. Und tritt einer von denen zurück oder kommt hinter Schloss und Riegel wegen Gefährdung der Allgemeinheit? Gefährdung der Allgemeinheit? Ja, sie gefährden die Gesellschaft mehr, als z.B ein Psychiatrieinsasse oder Bankräuber es je vor ihrer Einlieferung vermochte.

    7 Leserempfehlungen
  6. habe ich nie verstanden. Wowereit räumt den Platz, da war dann gut.

    Das Wort Abfindung möchte ich aber im Zusammenhang mit dem Namen Schawrz nicht lesen, ja? Können wir uns darauf einigen?

  7. ... YIPPIE!

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, tis
  • Schlagworte Matthias Platzeck | Klaus Wowereit | Bundestag | Bundesverkehrsminister | Gebäude | Geschäftsführer
Service